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„Ein würdiger Jubiläumsjahrgang“, so lautete Martin Plewas knappes Fazit zum Körjahrgang anlässlich des 35. Neumünsteraner Hengstmarkts im Jahr des 50-jährigen Bestehen des Trakehner Verbandes. 17 von 60 angetretenen Aspiranten wurden schließlich für gut genug befunden, die Zucht des Trakehner Edelpferdes voranzubringen; acht von ihnen befand die Kommission für prämienwürdig. Apropos Edelpferd Anzahl und Rangierung der Vollblutnachkommen fanden großteils Beifall: „Die Plädoyers und der damit verbundene Einsatz des Vollbluts wurden bei der Körung 1997 endlich honoriert“, so z.B. Züchterin Isabell Behmann.
Die Gekörten machten ihrem Jahrgang durchaus Ehre: Sieger Münchhausen zählt züchterisch und sportlich inzwischen zu den ganz Großen, Peron junior gehört noch immer zu den national besten Trakehner Dressurpferden, auch Schiffon war vor seinem Verkauf in die USA bis Klasse S dressurerfolgreich. Sky Dancer, bester Springhengst der Körung, und Eloquent können auf S-Erfolge über den bunten Stangen verweisen. Prämienhengst Guzzi war in beiden Sparten Sieger seiner Leistungsprüfung; Trakehner Vize-Reitpferdechampion Alter Fritz, Donauwalzer und Lafayette haben immerhin Erfolge in Dressurprüfungen bis zur Klasse M im Scheckbuch stehen.
Dominique-Nadine Anthes’ späteres Dressur-Erfolgspferd Cheops v. Guter Planet war damals teuerster nicht gekörter Hengst (36.000 DM), die StPrSt. Schneeflocke v. Michelangelo schlug mit 160.000 DM alle Preisrekorde für Stuten, und das mit 40.000 DM teuerste Fohlen war der ein Jahr jüngere Vollbruder des späteren Spitzendressurhengstes Polarzauber.
Zu den Debütanten in Neumünster zählten im Jahre 1997 der springsporterprobte russische Vollblüter Beg xx, der seinerzeitige Prämienhengst Polarpunkt und der spätere S-Dressurhengst Enchantée, die allesamt Söhne aus ihrem ersten Fohlenjahrgang gekört bekamen. Interessantester Debütant im Jubiläumsjahr war aber ganz sicher Fontainbleau, Körsieger von 1993, der vier Söhne stellte, von denen einer gekört wurde.
Auf der Tribüne saßen wie fast immer auch 1997 Monika Bendfeldt (heute Stoffers-Hartel) und Rainer Hartel. Und sie waren durchaus mit Kaufabsicht gekommen. Monika Bendfeldt suchte ein Nachwuchs-Dressurpferd für sich und Rainer Hartel liebäugelte mit einem gekörten Hengst. Beim Freispringen zog ein Brauner mit vorzüglicher Galoppade Monikas Interesse auf sich und sie war vorbelastet, hatte sie doch vor Jahren im Stall Langels den Vererber Enrico Caruso persönlich kennen lernen dürfen. Noch heute schwärmt sie von dessen Intelligenz und Menschenbezogenheit. Die Begegnung hat sie fasziniert und sie hat diesen Hengst nie vergessen.
Der kompakte braune Youngster da unten mit der tollen Galoppade hatte dieselbe Mutter wie eben jener Enrico Caruso, wie überhaupt der gesamte Mutterstamm grandios war. Und sein Vater war ein Enkel von Enrico Carusos Vater Mahagoni. Etzeano, wie er im Katalog hieß, imponierte mit taktklaren, geschmeidigen Bewegungen bei dem saß der Motor nicht nur an der richtigen Stelle, sondern war auch Ferrari-tauglich. Zudem war der Hengst ohne Fehl und Tadel in Röntgenklasse I eingestuft worden. Monika war begeistert, doch Rainer konnte dem „Doppelpony“ nichts rechtes abgewinnen.
Etzeano wurde ins Lot der gekörten Hengste eingereiht die Kommission urteilte: „Ein hohes Maß an Sportlichkeit repräsentiert dieser aparte Fontainbleau-Sohn. Bei mittlerem Rahmen sehr geschlossen im Körper mit guter Oberlinie, dabei sicher und abgeklärt im Auftreten. Geschmeidige Bewgungsmomente mit energischer Aktivität aus der Hinterhand fallen ebenso positiv auf wie seine Stärken hinsichtlich Technik, Bascule und Balance am Sprung.“
In diesem Fall sollte die weibliche Intuition Recht behalten Monika setzte sich durch und als der Hengst als erstes Pferd nach der Pause in den Auktionsring kam, hielt man den Katalog hoch. 40.000 Mark kostete der Braune und teilte sich damit den „Lorbeer“ des billigsten Gekörten mit Kaprizio (dem späteren Kafka).
Außer dem neuen Namen El Greco erhielt der ungemein menschenzugewandte Hengst nach dem Anreiten im Stall Polac erstmal Ruhe zum Reifen und durfte im Natursprung decken. Erst vierjährig ging er zur HLP-Vorbereitung in den Stall Armbrust. Nach 14 Tagen war Jürgen Armbrust der vollen Überzeugung, dressurmäßig könne der Hengst alles, was er für die HLP braucht. Peter Teeuwen, heute Bundestrainer der Pony-Springreiter, sorgte für El Grecos Erfahrungen mit den bunten Stangen. Mit dieser Vorbereitung trat El Greco in Prussendorf zur Hengstleistungsprüfung an, die er als 6. von 32 Startern beendete. Charakter, Leistungsbereitschaft, Freispringen und Springanlage wurden mit Höchstnoten jenseits der 8,5 benotet, und die sensationelle Wertnote für die Gelände-Manier von 9,67 wies bereits den Weg in Richtung Vielseitigkeit. 1999 erhielt ein vierjähriger Hengst noch einen Altersabzug von 5%, nach heutiger Rechnung hätte El Greco einen Gesamtindex von 121,89, einen Dressurindex von 114,80 und einen Springindex von 126,56 erreicht.
Das sah nicht gut aus für Monika Stoffers-Hartels angehendes Dressurpferd. Er war talentiert in diesem Metier, keine Frage wirklich Spaß hatte El Greco jedoch, wenn es ins Gelände oder in den Parcours ging. Aber das ist die Pferdewirtschaftsmeisterin inzwischen gewöhnt. „Wann immer ich mir ein Nachwuchspferd für meine Dressurambitionen aussuche, endet es als Buschpferd“, lacht sie.
Welch glücklicher Zufall, dass Alexa Bendfeldt gerade beschlossen hatte, zu ihrer Mutter umzuziehen … Denn was lag näher, als diese beiden zusammenzubringen? Und die beiden passten perfekt zusammen! Fünfjährig ritt Alexa den Hengst mitten im Holsteiner Hochzuchtgebiet erfolgreich in Spring- und Geländepferdeprüfungen der Klassen A und L, sechsjährig dann bis M. Man könnte sagen, was Hirtentanz heute im Holsteiner Springzirkus ist, das war El Greco damals. In beiden Jahren qualifizierte das Paar sich fürs Bundeschampionat, schrammte aber immer so eben an der Finalteilnahme vorbei. Umso verständlicher der Ärger der jungen Reiterin, als die Richter beim Championat ihre Noten mit der lapidaren Erklärung begründeten, das Pferd könne ihnen nicht genug springen. Doch im Rückblick darf das Team El Greco stolz darauf sein, dass keines der Pferde, das vor dem Hengst platziert war, je eine Dreisterneprüfung gegangen ist …
Die Sportkarriere von El Greco und Alexa Bendfeldt war nicht zu stoppen die junge Amateurin schaffte es ohne finanzkräftige Sponsoren, ohne ständige Weltklasse-Trainer als reines „Familienunternehmen“, den Trakehnerhengst von CIC/CCI* über Zweisterneprüfungen und die Weltmeisterschaft der Jungen Vielseitigkeitspferde 2002 in die S-Klasse zu bringen. 2006 verzeichneten die beiden drei Platzierungen bei sechs Starts in ***-Prüfungen, darunter der 6. Rang in der Derby-Dynamic-Cup-Serie (noch vor Grafenstolz!) Die Jahresbilanz dieses Top-Sportjahres hielt zudem die Berufung in den Bundeskader und die ersehnte Viersterne-Qualifikation bereit.
Nicht nur das: El Greco ist zudem siegreich und platziert in Dressur- und Springprüfungen bis M**-Niveau. Über 60 Schleifen aus den Spezialdisziplinen hängen mittlerweile im Trophäenschrank des Hengstes. Das konnte auch der Trakehner Förderverein nicht übersehen El Greco wurde 2007 in den Kreis der TSF-Werbe-Ikonen aufgenommen und trägt seither als Sportpferd den Namen El Greco TSF.
Nach der umstrittenen Verweigerung der Startgenehmigung für das Viersterne-Turnier in Luhmühlen traten Alexa und El Greco in den Jahren 2007 und 2008 aus beruflichen Gründen etwas kürzer und brachten es mit ihrem Sturz am Wasserhindernis in Luhmühlen im vergangenen Jahr zu einer anderen Art von Popularität: Das Foto ging um die Welt und gewann schließlich als „Sportfoto des Jahres“ den von der „Welt am Sonntag“ ausgelobten Sven-Simon-Preis.
Die Saison 2009 begann viel versprechend mit einem hindernisfehlerfreien Cross in der Marbacher Dreisterne-Weltcupprüfung, der El Greco und Alexa Bendfeldt einen 18. Platz im Weltklasse-Teilnehmerfeld einbrachte. Das kommende Ziel lautet einmal mehr Luhmühlen, wo Mitte Juni ein CIC*** stattfinden wird mit El Greco auf der Starterliste.

DER VATER
El Grecos Vater Fontainbleau sorgte schon in jungen Jahren für Furore: 1993 war er Siegerhengst der Trakehner Körung in Neumünster. Der vom Blutanteil als Halbblüter zu bezeichnende Dunkelbraune aus Höremer Aufzucht wurde von der Körkommission beschrieben als „von seinen Großvätern Consul und Mahagoni gleichermaßen positiv geprägter Beschäler in überlegener Aufmachung. Die bedeutenden Reitpferdepartien ruhen auf einem erstklassigen Fundament. Hohes Gleichmaß der Bewegungen ohne übertriebenen Aufwand, aber bestimmt durch einen stets schwingenden und elastischen Rücken. Vorbildliches Interieur.“ Seine HLP in Adelheidsdorf war geprägt von einer deutlichen Diskrepanz zwischen Trainings- und Prüfungsnoten und entließ den Vererberaspiranten mit einem Springindex von 97,82 und 6er-Noten in Rittigkeit, Schritt, Frei- und Parcoursspringen.
Dieser Start ins Reitpferdeleben hinderte Fontainbleau nicht daran, kurz darauf unter dem Sattel von Andreas Dibowski eine steile Karriere als Vielseitigkeitspferd zu starten, die ihn zu Erfolgen über den Mannschafts-Weltmeistertitel in Le Lion d’Angers bis zu internationalen Dreisterne-Prüfungen führen sollte. 12-jährig endete das Leben dieses Spitzenhengstes viel zu früh, denn auch in der Zucht hat er eine erstklassige Visitenkarte abgegeben.
Wohl selten hat es einen Triumph wie bei den Bundeschampionaten 2001 gegeben, als die Vollgeschwister Kunta Kinte M (unter Peter Thomsen Champion der Sechsjährigen) und Karana M (unter Beeke Kaack Vize-Championesse der Fünfjährigen) v. Fontainbleau u.d. Karmen v. Sacramento Song xx aus der Zucht von Sybille Michalski die Wettbewerbe der Buschpferde dominierten. Beide hielten, was sie in jungen Jahren versprochen hatten, und erzielten Erfolge in Vielseitigkeitsprüfungen bis zu Dreisterne-Niveau. Kunta Kinte wurde für seine Erfolge TSF-Werbeträger und geht noch heute, inzwischen auf einem Auge erblindet, unter der jungen Alexandra Werner siegreich im Busch.
Kastell, Andiamo, Dark Present, Big Girl vom Gäu und Hagia Sophia sind weitere Fontainbleau-Kinder, die sich in der vergangenen Turniersaison mit Platzierungen im Turniersport der unteren Klassen bewährten. Eher im Dressurviereck von sich reden machen dagegen Fontainbleaus Enkel, unter denen im vergangenen Jahr Kutusow v. EH Buddenbrock u.d. Karmen IV aus der Zucht von Hartmut Sylla in Dressurpferdeprüfungen bis zur Klasse M den dicksten Batzen an Platzierungen holte.
Fontainbleaus Vater war der Elitehengst Rockefeller, Reservesieger seiner Körung, Vize-Bundeschampion und selbst im Dressursport bis Klasse S erfolgreich. Gemäß seiner Leistungsabstammung Consul x Donauwind hinterließ er Sportpferde mit Erfolgen bis Klasse S in allen Disziplinen. Im Vielseitigkeitssport war neben Fontainbleau auch Eos international erfolgreich. Rockefeller stellte für die Trakehnerzucht vier gekörte Söhne, neben Fontainbleau sind das EH Benz, EH Chardonnay und Artistic Rock, in deren Portraits auf seine Lebensgeschichte und Verdienste eingegangen wurde.
Fontainbleaus Mutter Felicitas V ging neben ihrem züchterischen Einsatz auch im Sport, sie hat in Dressurprüfungen der Klasse A einige Erfolge zu verzeichnen, 111 Mark Gewinnsumme stehen auf ihrem Konto. Neben Federspiel v. Hessenstein, die keine Nachzucht hatte, blieb Felicitas V die einzige Tochter ihrer verdienten Mutter in der Trakehnerzucht. Gemeinsam mit ihren Töchtern Finesse X v. EH Rockefeller und Fee XXXI v. Buddenbrock präsentierte Felicitas V sich 20-jährig anlässlich der Landesschau Niedersachsen-Hannover 2001 in der Ehrenklasse und der Familiensammlung.
Felicitas V hatte die Vererberlegende Mahagoni zum Vater. Zehn Söhne und über 100 eingetragene Stuten in der Trakehner Zucht sowie Sportpferde vom Format eines Olympia-Dressurpferdes Peron stempeln diesen Halbblüter zu einem Jahrhundertvererber. Neben dem erwähnten Peron sind allein zwölf weitere Trakehner Kinder des Mahagoni im Dressursport bis Klasse S erfolgreich gewesen, darunter die Hengste Ravel, Kronjuwel und Radom. Braveur (bis Klasse S) und Bajar (bis Klasse M) haben Erfolge im Springparcours. Der „Prototyp des Veredlerhengstes im besten Sinne“ (Dr. von Velsen) begann seinen Triumphzug, der leider nur bis zu seinem elften Lebensjahr dauern sollte, als Sieger der Hengstleistungsprüfung von Adelheidsdorf 1977. Söhne wie Mahon, Enrico Caruso, Radom, Bartholdy, Inspekteur und Ravel erhalten das Blut dieses herrlichen Hengstes in der weltweiten Zucht. Auf diesen Stempelhengst ist Friederike Winkler bereits im Portrait seines Enkels Tuareg ausführlich eingegangen.
Felicitas’ Mutter Feenlust xx war eine Blüterin aus dem Hause Grönemeyer, Lauenau. Die 1962 geborene Braune zählt zu einem Vollblutstamm, der in Warmblutzüchterkreisen über viel Ansehen verfügt, und begründete in der Trakehnerzucht eine eigene Familie. Feenlust, von Ulrich Poll mit den Maßen 1.61/19.5 und der Bewertung 2,3,3/3,3 eingetragen, brachte in 17 Zuchtjahren in den Zuchtstätten Billich, Schwarmstedt, Roth, Marklendorf, und Hartmann, Schessinghausen, 13 Fohlen und wurde im Leistungsstutbuch C geführt. Erst 24-jährig schied sie aus der Zucht aus. Zu ihrer Nachzucht zählten die M-Springpferde Ferro v. Postmeister und Florian v. Prälat, das L-Vielseitigkeitspferd Falko v. Mahagoni (der auch Erfolge in L-Dressuren und A-Springen hatte) sowie die weiteren Sportpferde Trent v. Trautmann (Springen L), Fidux v. Mahon (Springen L und Vielseitigkeit A) und Finow v. Bartholdy (Dressur L).
Feenlust war väterlicherseits eine Enkelin des Niccolo dell’Arca, dessen in Irland gezogenem Sohn Pluchino xx die westfälische Warmblutzucht ihre Springvererberlegenden Polydor und Pilot verdankt. Der Muttervater Bürgermeister, auf den Fontainbleau in 4./4. Generation ingezogen ist, hat für die Trakehnerzucht über seine Söhne Pasteur xx und Blaubart xx unschätzbares Verdienst. Zu Pasteur sind umfangreiche Informationen im Portrait seines überragenden Sohnes EH Michelangelo zu finden.
Feenlust ist eine mütterliche Halbschwester zur elf Jahr jüngeren Feuille de Rose v. Dschingis Khan, die den in der Holsteiner Zucht hoch angesehenen Feenspross xx v. Aspros lieferte. Die gemeinsame Mutter Fehde v. Bürgermeister ist rechte Schwester zu Feenliebe, deren Literat-Tochter Feenlied Mutter des beim ZfdP und im Rheinland anerkannten Feenpark xx v. Park Romeo ist. Fehde und Feenliebe sind Töchter der Feeninsel v. Magnat, deren Halbschwester Feenwiese v. Olymp Großmutter des Feldberg wurde (v. Carolus u.d. Fehmarn v. Brat). Feldberg xx deckte mit herausragendem Erfolg in der Warmblutzucht der ehemaligen DDR und hinterließ der Trakehner Reinzucht ebenfalls eine Tochter.
Aus einem anderen Zweig dieser Vollblutfamilie E4 genauer gesagt: zurückgehend auf die 4. Mutter von Feeninsel und Feenwiese, die Stute Fonte v. Talion u.d. Floche v. Mail Coach ging die Trakehner Stutenfamilie der Feinsliebchen xx hervor. Die Altrek-Tochter wurde vor allem als Großmutter des dressurerfolgreichen gekörten Elitehengstes Friedensfürst v. Rondo u.d. Freda III v. Gelria bekannt.

DIE MUTTER
Auch El Grecos Mutter Elchniederung ist keine Unbekannte. Die abzeichenlose Dunkelbraune stand 20 Jahre in der Zucht der Familie Gehlhaar in Schleswig-Holstein, schenkte ihnen 14 Fohlen und dürfte als Mutter zweier gekörter Hengste und eines M-Dressurpferdes durchaus die Kriterien für die Verleihung des Elitetitels erfüllen. Dr. von Velsen hatte sie zunächst mit den Maßen 1.60/18.5 und den Noten 2,4,3/2,4 eingetragen, fünfjährig bewerte Klaus Hagen die Stute um (Maße: 1.61/19.5, Noten: 2,3,3/2,3).
Elchniederung vertritt die Familie der Ethies, die auf Ethel zurückgeht, eine im ostpreußischen Kreis Goldap in der Zuchtstätte Schmidt gezogene fuchsfarbene Staatsprämienstute.
Elchniederung war bereits 23 Jahre alt, als sie mit El Greco ihr letztes Fohlen gebar. Sportlich dürfte diesem Sohn der Stute zweifellos die größte Bedeutung zukommen, züchterisch hat sein Halbbruder Enrico Caruso v. Mahagoni sicher die Nase vorn, stellte er doch S-erfolgreiche Sportpferde für Dressur und Springen und einen der Stempelhengste heutiger Trakehner Zucht: Kostolany.
Hochinteressant an Elchniederung ist der Vererber Ozean im Pedigree. Sein Blut ist in der deutschen Springpferdezucht über seinen Enkel Grannus verankert. In der Trakehnerzucht erstarb seine direkte Hengstlinie mit dem Ausscheiden des langjährig höchst sporterfolgreichen Heimherr. Das Blut von dessen Vater Cesar lebt heute noch über die Söhne seiner elitären Tochter Susi V, den zu früh eingegangenen Springvererber Suchard und den in Großbritannien im Springsport erfolgreichen gekörten Sir Graditz weiter.
Elchniederung ist im Portrait ihres großen Enkels Kostolany eingehend beschrieben; zur Stutenfamilie hat Friederike Winkler außerdem bei Excaliburs Sohn Donaudichter bereits umfangreiche Informationen zusammengetragen.

NACHZUCHT
Die Züchter honorieren bekanntlich die real erbrachte sportliche Leistung eines Hengstes in den seltensten Fällen so auch im Falle El Greco. Internationale Dreisterne-Erfolge unter einer jungen Amateurin, zudem Siege und Platzierungen in Dressur UND Springen bis M**, was kann ein Hengst noch mehr geben? Ein tadelloser Charakter, absoluter Leistungswille, genügend Härte für bis jetzt zehn Jahre Leistungssport (und ein Ende ist eigentlich nicht abzusehen), eine vorzügliche Abstammung was verlangt ein Züchterherz denn mehr?
Doch die Stuten, die der braune Vorzeige-Athlet in seinem bisherigen Leben deckte, lassen sich an den Fingern abzählen. Angesichts der verschwindend geringen Anzahl gedeckter Stuten ist die „Ausbeute“ bemerkenswert! Trotz seiner anfänglichen Skepsis war Rainer Hartel bald begeistert von dem Hengst. Seine eigenen Stuten gingen zu El Greco nicht weil der da war, sondern aus Überzeugung.
Suleika XVII v. EH Sokrates / Ith, eine mütterliche Halbschwester des Körungs-Reservesiegers Adamello, die zuvor schon einen gekörten Sohn in der hannoverschen Zucht und den über den Hengstmarkt als Dressurpferd in die Niederlande verkauften Aznavour gebracht hatte, fohlte 1999 Athino, der den Namen seines Vaters El Greco zum ersten Mal ins züchterische Bewusstsein rücken sollte. Sechsjährig gewann Alexa Bendfeldt mit ihm das Geländepferde-Championat beim Trakehner Bundesturnier und holte einige gute Platzierungen in Dressur- und Springprüfungen bis Klasse L. Nach dem Verkauf haben Hartels den Champion leider aus den Augen verloren.
2002 wurde El Grecos Tochter Obninskaya R geboren; sie hat die russisch gezogene Oktiabrina v. Telets zur Mutter, in deren Pedigree sich die Zuchtheroen Topki, Hockey und Almanach ein Stelldichein geben. Obninskaya legte eine erstklassige Stutenleistungsprüfung ab und bewährte sich in der Zucht des Gestüts Hellerholz mit drei guten Perechlest-Kindern.
Ebenfalls 2002 zog Rainer Hartel aus der Atlanta X v. Herzruf / Mahagoni den braunen Antonio. Mit ihm hatte Madeleine Bendfeldt bisher schöne Erfolge in Dressur- und Dressurpferdeprüfungen bis zur Klasse L, er verfügt jedoch auch über erhebliches Springvermögen.
Tip Top aus einer Vollblutstute v. Motley xx wurde El Grecos zweite bei den Trakehnern eingetragene Tochter. Sie brachte Hans-Christian Först eine Manrico-Tochter und steht heute tragend von Ballzauber im Besitz von Stephanie Herken-Wendt.
Miriam Kühl zog 2003 aus ihrer Vollblutstute Aplatina xx v. Platini xx den braunen Aplatini, Alexa Bendfeldts hoffnungsvolles Nachwuchspferd. Mit „Schnuti“, wie er im Stall heißt, konnte sie bisher Platzierungen in Eignungs-, Dressurpferde-, Dressur- und Geländepferdeprüfungen erreichen, vor wenigen Wochen erzielte der leistungsbereite Wallach in Bordesholm seine erste VA-Platzierung; in Groß Parin holte er sich Ende Mai in der Geländepferde-L mit dem 4. Platz und Wertnote 8,1 die erste Stufe der Bundeschampionats-Qualifikation.
Als absolute Passerpaarung erwies sich die Verbindung zwischen Monika Stoffers-Hartels doppelt prämierter Alsterfee v. Vivus / Gasparone und El Greco, sodass diese Anpaarung im GP-Programm geführt wird. Die Eintragungs-Reservesiegerin und haushohe SLP-Siegerin brachte den Köraspiranten Alonso de Ercilla, der dieses Jahr seine ersten Turnierprüfungen bestreiten wird.
Fürs nächste Jahr sind einige interessante Fohlen zu erwarten: Unter anderem trägt die hannoversche Stute Butts Larissa, die selbst unter Wiebke Timmermann Dreisterne-Prüfungen gelaufen ist, von El Greco das Fohlen wird einen Oldenburger Brand bekommen ...

© Karin Schweiger 2009 Fotos: Ronald Hogrebe, Hengstbuch (W.Ernst), www.trakehnerfoerderverein.de, Philipp von Bassi
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