Distelzar EH 

Foto: HP Gestüt Hämelschenburg

Farbe/Abzeichen Braun, Fl., l.Vf.unreg.gefl., l.Hfsl. unreg.w.
geboren 06.05.1998

Maße in Zentimeter
  Stockmaß Brustumfang Röhrbein
2½-jährig 163 192 20.5
volljährig   163   20.5

Züchter Gestüt Lindenhof am Berg, Gielert/RPS
Aufzüchter Oliver A. Grün, Gielert/RPS
gekört 28.10.2000 in Neumünster
Web-Adresse

Pedigree

EH Gribaldi
R. 1993
Kostolany
R. 1985
Enrico Caruso
Sb. 1978
Mahagoni
Db. 1974
v. Pasteur xx
Elchniederung
Db. 1972
v. Amagun
Kapstadt
Sch. 1980
Falke
Sch. 1976
v. Grimsel
Karben
B. 1974
v. Ibikus
ElSt. Gondola II (Zw.)
Sb. 1972
Ibikus
B. 1967
Hertilas
Db. 1963
v. Loretto
Isolda
F. 1960
v. Impuls
Gloria VI
B. 1968
Flugsand
F. 1959
v. Altan
Gemma
B. 1963
v. Kongo
Distelgold
Db. 1992
EH Arogno
Db. 1976
Flaneur
Db. 1965
Maharadscha
Sch. 1957
v. Famulus
Flocke IV
B. 1959
v. Gabriel
ElSt. Arcticonius xx
Sb. 1968
Apollonius xx
F. 1953
v. Archive xx
Arctic Gail xx
Db. 1960
v. Hill Gail xx
Distelfee
B. 1983
Matador
Db. 1974
Donauwind
Db. 1965
v. Pregel
Maritza
B. 1965 
v. Gobelin
Danella
B. 1976
Elfenspuk
B. 1972 
v. Amagun
Dalana
F. 1972
v. Siegbert

Hengstlinie des Pasteur xx
Stutenfamilie der S40 Dolly
anerkannt für Trakehner, Oldenburg, Hannover
Prozentsatz Spezialblut (erste 5 Generationen)
15,625%
Decktaxe

Eigentümer

2000-2001: Burkhard Wahler, Klosterhof Medingen, Bad Bevensen/Nds
seit 2001: Marie-L. Wüthrich/CH

Stationierungen

2000-2001: Pb. Klosterhof Medingen, Bad Bevensen/Nds
2001-2005: LH Klosterhof Medingen, Bad Bevensen/Nds
seit 2005: TG über Klosterhof Medingen, Bad Bevensen/Nds bzw. Gestüt Isselhook, Raesfeld/NRW

Foto: Hengstbuch, J.Melissen 1996

Eigenleistung

Hengstleistungsprüfung / 30-Tage-Test / Radegast-Prussendorf / 2001
  Training Prüfung
Charakter 9,0  
Temperament 9,0  
Leistungsbereitschaft 8,0  
Konstitution 9,0  
Rittigkeit 9,0 FR: 10,0
Dressurbetonte Note   8,77 (1./25)
Gesamtnote   8,77 (1./25)
  Training
ZP
Prüfung
Schritt 9,0 8,5 8,0
Trab 9,0 8,5 9,0
Galopp 9,0 8,5 8,0
Springanlage 7,0 7,0 7,5
Springmanier   7,0 7,5
Springvermögen   7,0 7,5
Springbetonte Note     8,35 (2./25)

Turniersporterfolge: E-LGS: 1.782 €
letzte Erfolge: 2005
(Daten für Deutschland)
Finalist/3-jährige Hengste beim BuCha 2001
Teilnehmer/4-jährige Hengste beim BuCha 2002
Trakehner Reitpferdechampion 2001
Teilnehmer WM Junger Dressurpferde 2003

Nachzucht

Zuchtwertschätzung Exterieur 2010
Anzahl
Töchter
Typ
Ober-
körper
Funda-
ment
Schritt
Trab
Galopp
Gesamt-
eindruck
Gesamt-
Zuchtwert
Widerrist-
abweichung
19
93
107
114
111
112
97
105
107
-0,3

Zuchtwertschätzung Sport 2011
 
ZW
HLP
ZSP
ABP
TSP
SI %
Dressur
141
138
141
135
129
90
Springen
95
93
97
102
91
76

gekörte
Söhne (10)

C'est Bon, Donauzar, Donauzauber, Herzog von Nassau, Donaugold, Hamilton, Donauklang, Düsterberg (ex Donaustolz), Polarzar, Glanzruf (ZSAA)
eingetragene
Töchter (25)

Honeybey, Kara Bella, Rheha, Nimoe, Hagia Chora, Herbstdiora, Märtha-Luisa, Flamenco, Mira, Aarina G, Distelstar (Hann.) u.a.
Nachkommen
im Sport
Eingetragene Turnierpferde
56
davon mit Platzierungen (2011)
20
davon in Klasse S
4
N-JGS 2011 3.300 €
N-LGS 14.073 €

Foto: HP Station van Uytert

Das braune Hengstfohlen, das die Arogno-Tochter Distelgold am 6. Mai 1998 von dem in Zucht und Sport gerade erst aufsteigenden Gribaldi fohlte, war in seiner Qualität schon in der Abfohlbox zu erkennen. Die Bewertungskommission des Zuchtbezirks Rheinland-Pfalz/Saar/Luxemburg sah das anlässlich des Brenntermins nicht anders – der junge Mann wurde 1998 das bestbewertete Trakehnerfohlen in seinem Heimat-Zuchtbezirk. Die Eltern Grün und die Geschwister Diana und Oliver Grün vom Trakehnergestüt Lindenhof am Berg in Gielert waren sich schnell einig, dass sie den als Hengstanwärter aufziehen würden. Margit Derber, langjährige "rechte Hand" der Familie Grün in Gielert, erinnert sich an die ersten Jahre mit Distelzar: Er war schon etwas Besonderes mit seiner Ausstrahlung und Dominanz - aber „seine“ Menschen hatten es nicht immer leicht mit ihm. Menschenbezogen war er in seiner Jugendzeit nicht wirklich. Wenn die anderen Jungpferde neugierig kamen und um Streicheleinheiten bettelten, stand er völlig unbeeindruckt irgendwo auf der Koppel und fand deutlich mehr Gefallen am altbekannten „Fang-mich-doch-wenn-du-kannst“-Spielchen. Den Zugang zum Menschen fand er erst, als er im Vorfeld der Körung aufgestallt wurde.

Grüns hatten beschlossen, Distelzar nicht aus der Hand zu geben, sondern selbst für die Körung vorzubereiten. Die Souveränität und Coolness des Hengstes machte es sogar möglich, ihm in einer Gruppe mit vier weiteren Hengsten und Wallachen noch bis 10 Tage vor seinem Auftritt in Neumünster täglichen Koppelgang zu gönnen. Der Schreck saß tief, als der Hoffnungsträger sich dann bei der „Generalprobe“ in den letzten Tagen vor der Abreise dermaßen uninteressiert an den Ambitionen seiner Besitzer zeigte – er trabte nur noch gelangweilt durch die Halle, die Springgasse räumte er gleich samt Ständern ab. Das Team in Gielert befürchtete einen blamablen Auftritt. Doch in Neumünster wuchs Distelzar über sich hinaus, präsentierte sich den voll besetzten Rängen in bestechender Manier – er weiß eben, wann Selbstdarstellung angesagt ist …

Das Jahr, das für Viele nicht ganz richtigerweise die Jahrtausendwende markierte, wartete aus Trakehnersicht in Neumünster mit einem Hengstjahrgang mit breiter Spitze auf – wer letztendlich vorne stand, die Entscheidung hätte sicher auch anders ausfallen können. Doch im Nachhinein betrachtet hat die Körkommission mit Lars Gehrmann, Hans-Joachim Scharffetter, Hans-Werner Paul, Martin Plewa und Gisela Gunia genau den richtigen Riecher gehabt – sowohl der Sieger als auch der Reservesieger und ein weiterer Prämienhengst dieses Jahrgangs wurden, gerade mal 10- bzw. 11-jährig, mit dem Elitetitel geadelt, und mit dem hochbewährten Summertime, dem S-erfolgreichen Springhengst Chateauneuf und dem Weltmeister und Drei-Sterne-erfolgreichen Buschcrack Grafenstolz standen Hengst im Prämienlot, die ihren Weg gegangen sind.

Berichterstatter Hans-Werner Paul lobte den erfolgreichen Weg, den die Trakehner Züchter zusammen mit der Zuchtleitung gegangen seien, stellte heraus, dass die Pferde mit dem Elchschaufelbrand an Größe, Rahmen und Partien gewonnen hätten, ohne den Trakehner Typ zu verlieren. Erfreut war er über den höheren Anteil englischen Vollbluts in der Hengstkollektion, wogegen er zum Nachdenken anregte, dass die arabischen Blutelemente inzwischen zu weit hinten im Pedigree verschwänden. Erfreulich auch die Qualität, die einige Hengste am Sprung bewiesen – mit dem S-erfolgreichen Chateauneuf und dem auch im Springen bundeschampionatsqualifizierten Grafenstolz bewiesen ja zumindest zwei Hengste aus dem Prämienlot später, dass sie in dieser Disziplin auch deutschlandweit keine Konkurrenz zu scheuen brauchten.

Einen alles überragenden Siegerhengst gab es im Jahre 2000 nicht, und auch in den Folgejahren nahmen sich Sieger und Reservesieger nicht viel. Beide sind im Dressursport zu großen Meriten gekommen, beide wurden aufgrund ihrer Eigenleistung und ihrer Nachzucht Elitehengste – wie sollte die Körkommission bei den Jungspunden entscheiden, welcher nun der Bessere wäre? Die Entscheidung musste fallen, und sie fiel zu Gunsten von King Arthur, für Hofrat blieb der Platz des Reservesiegers.

Distelzar erhielt nicht nur das positive Körurteil, sondern auch eine Prämie. Zuchtleiter Lars Gehrmann beschrieb ihn für das Hengstbuch: „Dieser im mittleren Rahmen stehende Kostolany-Arogno-Enkel besticht durch seine Trabdynamik in souveräner Selbsthaltung und Aufrichtung. Dabei setzt sich dieses Bewegungsfreude auch im Galopp fort, sodass bei sicherem Schritt und patentem Springen alle Voraussetzungen für spätere reiterliche Ansprüche vom Talent her voll gegeben sind.“

Anlässlich der Auktion wechselte der Braune für 70.000 Mark den Besitzer – Burkhard Wahler vom Klosterhof Medingen hatte einen guten Trakehner mehr im Stall. Für Distelzar ging nun der wirkliche Ernst des Lebens los – und der hieß Turniersport und Auktionsvorbereitung. Denn damals fand die Trakehner Eliteauktion noch in Medingen auf dem Klosterhof statt – klar, dass dieses hoffnungsvolle Dressurtalent ein Wunschkandidat war. Bei der 81. Auflage dieser Auktion im Frühjahr 2001 sorgte Distelzar für einen bis dahin nie dagewesenen Preisrekord: 600.000 DM legte die Schweizerin Marie Wüthrich an, um dieses Pferd für ihre Nichte Andrea Wicki-Mäder zu sichern.

Distelzar blieb auf dem Klosterhof, wo er reiterlich und züchterisch ein straffes Programm zu absolvieren hatte. Im Sommer 2001 sicherte er sich beim Trakehner Bundesturnier den Titel des Reitpferdechampions, im Herbst vertrat er seinen Zuchtverband mehr als würdig beim Bundeschampionat des Deutschen Reitpferdes, wo der Nachwuchshengst es in seiner Altersklasse bis ins Finale schaffte. Im November legte Distelzar seinen 30-Tage-Veranlagungstest in Prussendorf ab, wo er als Rittigkeitssieger und Springzweiter bestbewerteter Hengst des 25-köpfigen Prüfungslots wurde. Ende November wurde der Hengst – erfolgreich – zur Anerkennung bei den Hannoveranern in Verden und bei den Oldenburgern in Vechta vorgestellt.

Nach Angaben einer Gestütsmitarbeiterin hat Distelzar in seinen ersten Decksaisons „nebenbei“ noch gut 250 Stuten verschiedener Zuchten besamt. Die Saison 2002 sah den nun vierjährigen Hengst als Trakehner Reitpferde-Vizechampion und als Vertreter seiner Rasse beim Bundeschampionat in Warendorf. Bis 2005 erzielte der Hengst in seiner Medinger Zeit, zunächst unter Burkhard Wahler, dann unter Natalie Butkiewicz und Stefani Hönemann und schließlich unter Maike Löer, insgesamt 7 Siege und 18 Platzierungen in Reitpferde-, Dressurpferde- (A und L) sowie Dressurprüfungen der Klassen L und M. Mit dabei: die dritte Qualifikation fürs Bundeschampionat und die Teilnahme an der Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde 2003. Mit 1.782 Euro Lebensgewinnsumme verabschiedete er sich 2005 aus Deutschland und fand sein neues Zuhause im Stall seiner seither ständigen Reiterin Andrea Wicki-Mäder.

Sie förderte Distelzar sportlich bis in die Königsklasse und kann auf zahlreiche Erfolge in Grand-Prix-Prüfungen verweisen, zuletzt als Bronzemedaillengewinner bei der Schweizer Dressurmeisterschaft 2010 und beim großen internationalen Dressurturnier (CDI****) auf dem Bartlgut in Österreich im Mai 2011, wo das Paar Platz 8 im Grand Prix und Platz 7 in der Kür belegte. Mit 833 Weltranglistenpunkten hat Distelzar nicht unerheblichen Anteil an der Rangierung des Trakehner Verbandes beim Dressur-Ranking 2011 des WBFSH.

In einer bewegenden Zeremonie wurde Distelzar aufgrund seiner beeindruckenden Eigenleistung im Sport und seiner vorzüglichen Nachzucht 2010 anlässlich des Hengstmarkts in Neumünster der Elitetitel des Trakehner Verbandes verliehen.

Ein Blick ins Pedigree des Hengstes offenbart einen relativ geringen Blutanteil – die Elitestute Arcticonius xx und Pasteur xx kommen erst in 3. bzw. 5. Generation „ins Spiel“. Mit Gribaldi/Kostolany, Arogno/Flaneur, Ibikus und Matador/Donauwind prägen die einflussreichsten Vererber der Nachkriegszucht das Pedigree an prominenter Stelle – kein Wunder, dass Typ, Eleganz und Rittigkeit das Erscheinungsbild dieses Hengstes kennzeichnen.

DER VATER

Es gibt wenige Ehrentitel und Huldigungen, die der Jahrhundertvererber Gribaldi noch nicht erhalten hätte: Elitehengst, Keur-Hengst, Hengst des Jahres 2008. Er trug sie durchaus zu Recht, denn neben einer sportlichen Eigenleistung vom Allerfeinsten hat sich dieser Hengst auch züchterisch zu einem nicht wegzudenkenden Faktor in der Trakehnerzucht weltweit gemausert. Spätestens seit Totilas kann jedes kleine Reitmädchen den Namen dieses Trakehnerhengstes buchstabieren, denn der schwarze spätere Millionenhengst sorgte mit Weltrekorden im 10-Minuten-Takt bei der EM in Windsor für Aufruhr in der ansonsten doch so gefestigten Dressurszene. Gribaldi hat in unserer Hengstdatenbank bereits sein eigenes Portrait.

DIE MUTTER

Distelzars Mutter Distelgold ist eine abzeichenlose Dunkelbraune und wurde am 23. April 1992 im Gestüt Lindenhof am Berg geboren. Toni Elsner trug die Stute vierjährig mit ihrem ersten Fohlen bei Fuß zu Hause in Gielert mit den Maßen 1.58/186/18.5 und der Bewertung 8-8-7/7-7-7/7 (51 Punkte) ins Hauptstutbuch ein. Distelgold wird im GP-Programm des Verbandes geführt. In bisher elf Zuchtjahren schenkte sie vier Hengst- und sechs Stutfohlen das Leben, fünf dieser Fohlen tragen den Trakehner Brand, eines ist hannoversch und die jüngsten vier sind rheinisch gebrannt.
   Distelperle v. Vespucci war ihre erste Tochter, sie tat sich vor allem mit der Staatsprämienanwärterin Distelrose v. Gribaldi hervor, die Reservesiegerin ihrer Eintragung in Rheinland-Pfalz/Saar/Luxemburg war und Ia-Preisträgerin der Dreijährigen bei der Landesschau 2003. Die 1.66 m Stock große, sehr körperkorrekte Fuchsstute mit dem begeisternden Schritt wurde auch 2010 bei der Landesschau ausgestellt und hier mit Ib dekoriert. Distelrose stellte mit ihrem Erstling Distelsommer v. Summertime bereits ein Auktionsfohlen für Hannover. Ihr Sohn Distelprinz v. Kronprinz war Reservechampion des Windhagener Championats und Fohlen-Auktionsspitze in Neumünster 2010; er wechselte für 17.000 Euro nach Dänemark. Auch Di Caprio v. Impetus fand anlässlich der Auktion des Hengstmarkts 2011 Käufer in Dänemark, die 9.000 Euro für dieses Fohlen anlegten.
   Distelroses Vollbruder Distelgraf, ein sehr großer Fuchs, war Körkandidat 2004 und ist heute geschätztes Voltigierpferd im Berliner Raum. Im kommenden Jahr wird mit viel Spannung die Vorstellung einer dreijährigen Kaiserkult/Distelperle-Tochter (Distelblume) erwartet.
   1998 gebar Distelgold aus der zweiten Bedeckung mit Gribaldi ein Hengstfohlen, das schon im zarten Alter von wenigen Monaten die Brennkommission in Rheinland-Pfalz/Saar/Luxemburg zu überzeugen vermochte – der glasklare Hengstanwärter war bestbewertetes Trakehnerfohlen im Lande und setzte seine Karriere 2000 in Neumünster als gekörter Prämienhengst fort. Sein Name: Distelzar.
   Ein Jahr später folgte mit Distelglut eine Tochter des Abglanz-Enkels Gelria, der in den letzten Jahren per Tiefkühltruhe runde 15 Jahre nach seinem Tod eine wahre Renaissance erleben durfte. Ganz aktuell machte Distelglut anlässlich des Hengstmarkts 2011 mit ihrem Sohn Distelgraf v. Kronprinz auf sich aufmerksam. Im vergangenen Jahr wurde ihre trabstarke Tochter Distelspiel v. Easy Game mit Prämienanwartschaft in Windhagen zentral eingetragen, mittlerweile ist sie nach abgelegter SLP Prämienstute. Distelspiel befindet sich im Besitz von Andrea Wicki-Mäder, wurde von Willi Feltes reiterlich grundausgebildet und soll im kommenden Jahr züchterisch genutzt werden. Distelgluts jetzt 6-jähriger Sohn Diamond (ex Distelrat) v. Hofrat befindet sich in Belgien in Dressurausbildung auf dem Sprung von L nach M.
   2002 wurde Distelgolds bislang letztes Trakehnerfohlen geboren, eine Vollschwester zu Distelzar, die mit 61 Eintragungspunkten für Furore sorgte. Im Heimatstall erhielt sie zunächst den Namen Distelqueen, wurde dann aber als Distelzarin ins Trakehner Hauptstutbuch eingetragen. Zusammen mit dieser letzten Trakehner-Tochter ging Distelgold an Frau Neff vom Gestüt im Niedern, wo sie vom Hannoveraner Davignon eine Tochter fohlte, die dann unter dem Namen Distelqueen im hannoverschen Stutbuch eingetragen wurde – auch diese Stute ist bereits züchterisch im Einsatz. Heute steht Distelgold in Nordrhein-Westfalen in der Zucht und hat bereits vier rheinisch gebrannte Nachkommen gebracht.

Distelgolds Vater Arogno zählt zweifellos zu den Hengstlegenden der Trakehnerzucht – da mag man höchstens einen Mahagoni zum Vergleich heranziehen, dessen Mutter Maharani II ja auch eine Tochter von Arognos Vater Flaneur war. Unter 14 in der Trakehner Zucht gekörten Söhnen dieses Halbblüters befinden sich allein sechs Prämienhengste. Mit Schwadroneur, Giorgio Armani, Napoleon Quatre, Wakond, Partout und Ivernel gingen sechs Söhne im Dressursport der Klasse S erfolgreich. Schwadroneur ist der „Held dänischer Dressurpferdezucht“, Karon und Traumdeuter haben in Oldenburg Wertvolles geleistet – und als Rittigkeitsvererber gelten sie allesamt.
   Der Flaneur-Sohn aus der irischen Vollblutstute Arcticonius xx prägte die Gesamtzucht der achtziger und neunziger Jahre in kaum je gekanntem Ausmaß. „Die in Trakehnen entstandene und auf den arabischen Ursprung von Fetysz ox zurückführende Hengstlinie steht auch innerhalb der Trakehner Zucht nach dem Zweiten Weltkrieg über viele Jahrzehnte in höchster Blüte. Das ist vor allen Dingen drei Vererbern zu verdanken: Dem Fetysz ox-Enkel Maharadscha, II.-Preis-Träger der DLG-Ausstellung 1962 in München, der bedeutenden Einfluss auf die Zucht nahm über sein Heimatgestüt Vogelsangshof (Gottfried Hoogen), über die Verbandsgestüte Birkhausen und Rantzau und über das bedeutende Gestüt Schwaighof (Augsburg), dessen Herde er nachhaltig prägte. Der wichtigste Maharadscha-Sohn war Flaneur mit 15 gekörten Söhnen und über 100 eingetragenen Töchtern, dessen Nachkommen auch im Sport begehrt waren. Flaneur stand den größten Teil seines Lebens unter der sorgfältigen Obhut von Ilka-Ilona Wenzel, die auch für die Zucht des wichtigsten Flaneur-Sohnes Arogno verantwortlich zeichnet. Arogno bestimmte die Trakehnerzucht der achtziger und neunziger Jahre, wobei die Fortführung dieses Mannesstammes auch künftig weiter gesichert zu sein scheint“ (Lars Gehrmann)
   Bernd Eylers charakterisierte diesen Ausnahmevererber wie folgt: „Arogno war ein sehr typvoller, geschmackvoller Hengst mit herrlichem Gesichtsausdruck und sehr harmonischen Körperpartien. Man bescheinigte ihm erstklassige Bewegungen und faszinierende Werte hinsichtlich Temperament und Charakter. Der Sohn des ähnlich hoch eingeschätzten Flaneur gilt als Stempelhengst in der Trakehner Zucht der Nachkriegszeit. Ohne Arogno wäre die Trakehner Zucht der letzten Jahre kaum denkbar. 1978 war er Reservesieger der Trakehner Körung in Neumünster, 1979 Vize-Bundeschampion in Münster und bester Trakehner der Hengstleistungsprüfung in Adelheidsdorf. 1979 kam er erstmals in seinem heimatlichen Gestüt in Hückeswagen im Bergischen Land zum Deckeinsatz. Trotz anfangs begrenzter züchterischer Chancen lieferte er insgesamt 13 gekörte Söhne und mehrere Spitzenstuten der Trakehnerzucht.
   Seit 1988 beeinflusste er auch diverse Warmblutzuchten, wobei er mit dem Einsatz auf dem Amselhof Walle eine reelle Chance erhielt. Als seine Spermaqualität altersbedingt nachließ, ging er wieder zu seiner Besitzerin Ilka-Ilona Wenzel zurück, die mittlerweile aus dem rheinischen Hückeswagen ins westfälische Lienen gezogen war, wo er noch zwei Jahre verbrachte. Seine Nachkommen sind durchweg als ausgesprochen typvoll bekannt, dabei genügend stark im Gebäude und Fundament und mit erstklassigen Kriterien hinsichtlich Geschmeidigkeit und Schwung der Bewegungen ausgestattet. Oft treten dabei die hervorragenden Points seiner Vollblutmutter Arcticonius xx in der Vererbung zu Tage. Diese irische Vollblutstute wurde zur Linienbegründerin in der Trakehner Zucht, in der es schon häufiger zu größeren Zuchterfolgen mit Vollblutstuten kam. Arognos Nachkommen wird allgemein allerbeste Rittigkeit bescheinigt.“
   Über Karon ist Arogno Großvater eines weiteren Stempelhengstes der derzeitigen Trakehnerzucht: Caprimond, der mittlerweile neben Erfolgen im großen Dressursport auch mit dem Elitehengst-Prädikat geadelte Söhne aufzuweisen hat. Anky van Grunsvens Partout dürfte einer der erfolgreichsten Arogno-Söhne im internationalen Sport gewesen sein.
   Die Vollgeschwister Arogno, Avignon, Anna Karenina – Mutter des überzeugenden Beschälers Amatcho – und Arktis II – Reservesiegerstute der Bayerischen Landesschau 1988 und Mutter des Hengstes Arentino – und der ebenfalls gekörte Halbbruder Acajou (geb. 77 vom Flaneur-Sohn Damaskus) stellen die züchterische Bilanz der irischen Vollblüterin Arcticonius xx in der Trakehnerzucht. Arcticonius xx war nicht nur im Leistungsstutbuch D der FN eingetragen, ihr wurde auch der Titel einer Trakehner Elitestute angetragen.

Distelgolds Mutter Distelfee kam aus dem Stall Petry zu Familie Grün. Die Stute ging bis 1988 im Turniersport und hat Platzierungen in Reitpferdeprüfungen und in A-Dressuren. 1995, nach ihrem fünften Fohlen, wurde sie ins FN-Leistungsstutbuch D eingetragen. Distelfees bekanntestes Produkt dürfte sicher das S-Dressurpferd Distelmond v. Caprimond sein, zwei weitere Nachkommen wurden ebenfalls auf Turnieren vorgestellt. Für die Trakehnerzucht lieferte Distelfee drei Töchter. Die braune Stute mit der kleinen Flocke aus luxemburgischer Zucht wurde vierjährig mit den Maßen 1.61/190/20.2 und der Bewertung 7-8-8/8-8 eingetragen, in neun Zuchtjahren brachte sie acht Fohlen, je zur Hälfte Stuten und Hengste. Anlässlich der 3. Landesschau in Rheinböllen wurde Distelfee im September 1995 mit einem Id-Preis ausgezeichnet.
   Ihr erstes Fohlen war 1988 die Unesco-Tochter Distelblüte, deren züchterische Meriten vor allem in dem Remonteprüfungssieger Distelflug v. Balzflug (heute in Spanien), der zu früh einer Darmverschlingung erlegenen Disteljagd v. Balzflug und der wertvollen Distelglück v. Habicht liegen. Distelblüte musste nach Borreliose-Erkrankung aus der Zucht genommen werden, lebt aber heute noch ein umsorgtes Gnadenbrot in Frankreich. Nach Distelgold 1992 und Distelmond 1993 schenkte Distelfee 1999 der Tochter Distelherz v. Guter Planet das Leben, die in allen Attributen an ihre Mutter erinnert.

Distelfees Vater war kein Geringerer als der große Matador, einer der einflussreichsten Vererber der Trakehner Nachkriegsgeschichte. Selbst im Sport erfolgreich und anlässlich der DLG-Ausstellung 1982 in München mit Ia dekoriert, galt er als einer der besten Söhne des Donauwind; die Mutter Maritza v. Gobelin war zudem Siegerstute der 3. Rheinischen Landesschau 1981 in Sonsbeck – vor der Mahagoni- und Mackensen-Mutter Maharani II aus dem Stall Hoogen übrigens. Mit neun gekörten Söhnen und 143 eingetragenen Töchtern sowie als beliebter Erzeuger von Reitpferden genoss er lange einen erstklassigen Ruf – auch wenn man heute weiß, dass seine Töchter weit höher einzuschätzen sind als die Söhne. Allein zehn seiner Töchter wurden Hengstmütter, u.a.  so bedeutender Hengste wie Hohenstein, Michelangelo und Monteverdi, Chronos, Lions Club. S-Dressurpferde wie Till Eulenspiegel, Hurrikan, der gekörte Hengst Kronjuwel, Nawarro, Oskury und Savoy sowie die S-Springpferde Paulo und Prisma stellen ihrem Vater Matador ein ebenso gutes Zeugnis als Sportpferdevererber aus wie die Enkel Sagone v. Unesco, Prinz Eisenherz v. Partout, P’s Revanche v. Kostolany und Altkönig v. Caprimond. Auch das Top-Vielseitigkeitspferd Miss Meller TSF v. Amatcho hat eine Matador-Mutter.

Distelfees Mutter Danella hatte das große Glück, im Frühjahr 1995 zeitgleich mit einer Stute von Grüns beim Hengst Symbol zum Decken gewesen zu sein. Danella war zuvor schon einige Jahre leer gewesen und nahm nicht auf. Ihr damaliger Besitzer hatte deshalb keine Verwendung mehr für sie. Die Braune hatte Grüns mit ihrer Ausstrahlung bereits gefangen genommen – und so fand sich rasch ein Platz auf dem Hänger nach Gielert. Hans-Werner Paul hatte die 1.62 m Stock große Stute fünfjährig mit der Bewertung 8-7-7/7-7 eingetragen und ihre züchterische Bilanz beläuft sich auf gerade mal vier Fohlen in sieben Zuchtjahren. Das letzte Fohlen war 1998 das einzige, das sie in Gielert zur Welt brachte – es war ein Hengstchen von Liebestraum, das den ersten Lebenstag nicht überstand. Danach wurde Danella nicht wieder gedeckt, erreichte aber bei bemerkenswerter Gesundheit und Fitness ein Alter von 27 Jahren. Noch anlässlich der Landesschau 1995 begeisterte diese Stute das Publikum und die Richter, die sie in der Ehrenklasse ganz besonders hervorhoben.

Danella war eine Tochter des Amagun-Sohnes Elfenspuk, des ein Jahr jüngeren mütterlichen Halbbruders zum vielfachen S-Dressursieger Elfenglanz. Bei seiner Körung als „hochelegante Erscheinung mit überragender Trabaktion, etwas quadratisch, nobel im Gesichtsausdruck, gute Halsung, mittelstarkes, trockenes Fundament, Sprunggelenke etwas offener als normal“ beschrieben, bescheinigte die Hengstprüfungsanstalt Adelheidsdorf dem Braunen einen sehr guten Galopp und charakterisierte ihn als „veranlagtes und aufgewecktes, vielseitig verwendbares Reitpferd“. Seine Zuchtkarriere startete Elfenspuk, der in 3. Generation zwei englische und einen arabischen Vollblüter führt und als Vierjähriger mit 1.64 m Stock gemessen wurde, im Gestüt Hohenschmark, setzte sie dann in Dänemark und Schweden fort, bis er 1994 für seine letzten fünf Zuchtjahre nach Deutschland zurückkehrte. Der gekörte Sohn Tarino und die Töchter Danella und Honetta sind seine ganze züchterische Bilanz.

Danellas Mutter Dalana brachte neben Danella auch das L-Springpferd Dandarella v. Donauwind. Die von Dr. von Velsen mit 3,3,3/3,3 bewertete Fuchsstute ging als 16-jähriges Pferd vom Gestüt Hohenschmark in die Zucht des Holsteiner Verbandes.

Dalana hatte Siegbert zum Vater, und auch der Name dieses Garamond-Sohnes ist eng mit dem Gestüt Hohenschmark verknüpft. Der 3/8-Blüter aus der Haaslerschen Familie der Sylva war mit 1,68 m Stockmaß ein großer, recht stattlicher Beschälertyp in eleganter Aufmachung, dessen Grundgangarten überzeugen konnten. 18 Wirkungsjahre waren ihm vergönnt, drei Söhne wurden gekört und 29 Töchter tragen sein Blut in der Trakehnerzucht weiter.

Dalanas Mutter Darling war eine 1966 geborene, abzeichenlose Fuchsstute mit 1.59 m Stockmaß, unter deren nicht wirklich zahlenstarker Nachzucht die Töchter Dalana und Darling IV hervorzuheben sind.
   Darlings Tochter Darling IV v. Seeadler ist über ihre Tochter Desna II v. Consul die Großmutter des Bundeschampionatsqualifikanten und mittlerweile bis CIC** erfolgreichen Don Juan M v. Manrico aus der Zucht von Sybille Michalski und dem Besitz des Hauses von Ziegner.

Darling stammte von Illing ab, dessen Wiege noch im ostpreußischen Kreis Insterburg stand. Väterlicherseits ein Enkel des Dampfroß, mütterlicherseits Großsohn des Heimfried, deckte der „typvolle mittelstarke“ Fuchshengst zunächst eine Saison als Landbeschäler in Traventhal, bevor er zur Ausbildung als Reit- und Jagdpferd und in der Freiheitsdressur eine Boxe im Stall Hagenbeck in Hamburg bezog. Frau Christiansen stellte ihn anschließend in zahlreichen Dressurprüfungen höherer Klasse vor. Erst 1956 kam Illing wieder zum Deckeinsatz, der dann bis zu seinem Tod im Februar 1967 andauerte. 21 Töchter traten sein Erbe in der Trakehner Zucht an.

Darlings Mutter Dagmar zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen ihrer Stutenfamilie. 20 Jahre wurde die Dunkelfuchsstute alt, 14 Fohlen schenkte sie in 15 Zuchtjahren das Leben, darunter fünf Töchtern für die Trakehner Zucht.
   Dagmars Tochter Diva v. Illing ist die Mutter des M-Springpferdes Diamant (F.W.*68 v. Händel) und die Großmutter des M-Springpferdes Dubiosus (B.W.*71 v. Händel u.d. Diana v. Anteil), beide aus der Zucht von Klaus Hagen.
   Dagmars Tochter Destinee v. Ladykiller xx aus der Zucht von Elisabeth Rinn trug den Titel einer Staatsprämienstute und erhielt auf der Landesschau Schleswig-Holstein 1977 einen Id-Preis. Aus demselben Züchterhaus stammt Dagmars Tochter Dorette VII v. Lockruf, die anlässlich der Rheinischen Landesschau 1974 prämiert wird. Dagmars Sohn Donar v. Karwendelstein hatte Erfolge in Springen bis Klasse L.

Der Vater von Dagmar, der drei Jahre in Rantzau aufgestellte Aquavit, hat diese prominente Beschälerbox wohl nur aufgrund seiner exzellenten Abstammung beziehen dürfen – mit 1.70 m Stockmaß und einer 22er-Röhre galt er damals als übergroß, tief und breit. Die Risikofreude der Zuchtoberen wurde belohnt, der Hengst vererbte sich weit besser als er selbst war. Seine Vererbungsstärke lag ganz sicher in der Verbesserung des Fundaments, vor allem in der Weitergabe breiter Sprunggelenke, sodass die züchterische Bilanz trotz nur kurzer Wirkungszeit für den Absinth-Sohn mit dem gekörten Safran und 18 eingetragenen Töchtern positiv ausfällt.

Dagmars Mutter Dolly gilt als Begründerin dieser S-Stutenfamilie der Trakehnerzucht. Die Dunkelfuchsstute wird auf das Geburtsjahr 1940 geschätzt, sie wurde ohne Abstammungsnachweis, aber mit Posener Hauptstutbuchbrand aufgefunden. Dr. Fritz Schilke trug sie seinerzeit mit den Maßen 1.60/185/19.0 und der Bewertung 2,3,3/2,3 ein. In elf Zuchtjahren bis zu ihrem Tod 1962 brachte Dolly neun Fohlen, davon vier Töchter fürs Trakehner Stutbuch, das M-Springpferd Dongo III v. Illing und das L-Springpferd Ingwer IV v. Illing.
   Dollys Tochter Dorette v. Colombo begründete einen züchterisch wie sportlich sehr erfolgreichen Zweig dieser Familie. Mit Dolde II v. Heidedichter brachte Dorette nicht nur die Mutter der beiden gekörten Hengste Don und Damaskus, beide v. Flaneur, sondern auch die Großmutter des M-Springpferdes Diskus (Db.W.*73 v. Flaneur u.d. Dorissa v. Malachit). Nach Bedeckung durch Totilas brachte Dorette die schauprämierte Tochter Dschornij, die u.a. Mutter des M-Springpferdes Domino (Sch.W.*68) und Großmutter des M-Springpferdes Lucrezia (Db.S.*74 v. Lattich u.d. Dunja III v. Maharadscha) wurde. Dorettes Tochter Desy v. Korsar, mit dem seinerzeit stattlichen Stockmaß von 1.70 m gesegnet, war in Dressurprüfungen bis Klasse M erfolgreich.
   Dollys Tochter Danzig v. Illing ist Großmutter des M-Dressurpferdes Mannix (F.W.*67 v. Malachit u.d. Doris v. Anblick xx).

DIE NACHZUCHT

Wer Ambitionen auf den Ehrentitel Elitehengst hat, muss freilich mehr bieten als eine gute Abstammung und respektable Eigenleistung. Denn „an ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen“ lautet schließlich der alles entscheidende Wahlspruch. Distelzar hat auch auf diesem Gebiet trotz seiner – züchterisch betrachtet – Jugend schon eine vorzügliche Visitenkarte abgegeben.

Nach den ersten Jahrgängen äußerte sich Zuchtleiter Lars Gehrmann in seiner Nachzuchtbewertung wie folgt zu den Distelzar-Nachkommen: „Distelzar vom Klosterhof Medingen, der für den Trakehner Verband bereits zweimal am Bundeschampionat des Deutschen Reitpferdes teilnahm, ist in seinen Fohlen oft deutlich erkennbar. Er passt wahrscheinlich am besten zu großlinigen und langbeinigen Stuten, wobei seine Fohlen meist durch ihre enorme Antrittsstärke besonders positiv auffallen. Der große Bewegungsfleiß setzt sich besonders im Trab mit viel Schwung und klarer Bergauftendenz fort. Weitere Merkmale seiner ersten Fohlen sind neben großer Vitalität eine positive Typprägung mit viel Aufsatz und geschlossenem Körperformat.“

Seine züchterische Laufbahn begann Distelzar gleich mit einem echten Paukenschlag. C’est Bon a.d. Coonya vom Klosterhof v. Tycoon/Sokrates aus seinem ersten Fohlenjahrgang wurde anlässlich der Körung 2004 auf Anhieb Prämienhengst und erster Reservesieger. Für 110.000 € wechselte er ins Gestüt Sommerlade und ging bei dessen Auflösung 2007 ins Gestüt Pallerhaff nach Luxemburg, wo er dressurmäßig sehr weit gefördert wurde. Unter Kristine Møller wurde der Hengst Trakehner Dressur-Champion 2009 und ist siegreich und platziert bis Inter I/St. Georgspreis, zuletzt im Juli 2011 in Vierzon/FRA und als Zweiter des diesjährigen Coupe de Luxembourg/Dressur, einer Sonderwertung beim Turnier in Beaufort aus St. Georg und Inter-I-Kür. Einen gekörten Sohn konnte C’est Bon bislang nicht stellen (Navigator aus der Zucht des Gestüts Pallerhaff scheiterte beim Hengstmarkt 2011), unter seinen Töchtern ragt die Siegerstute der Zentralen Eintragung Rheinland-Pfalz 2009, Ma Baronesse a.d. Mon Bijou v. Herzruf, hervor.
   Aus demselben Körjahrgang stammt auch Donauzar a.d. Donaumärchen v. Caprimond/Morgenglanz, auch er im Klosterhof Medingen gezogen. Nach 30- und 70-Tage-Test 2005 in Radegast hat der Hengst unter Heide Braun Erfolge in Eignungs- und Dressurpferderprüfungen Kl. A sowie in L-Dressuren erzielen können. Bislang wurden zwei Töchter eingetragen, zwei Kinder gehen im Sport, darunter die 3-jährig platzierte Gräfin Evita.
   Mit der Körung 2005 folgten Donauzauber a.d. Donauwoge II v. Sokrates/Morgenglanz, der dann die Nachfolge seines Vaters auf dem Klosterhof Medingen antrat, und Herzog von Nassau a.d. Habsburg v. Fahnenträger II/Fabian als gekörte Söhne. Der Rappe Donauzauber, mütterlicher Halbbruder des Donaukaiser und der Siegerfamilie der Landesschau Niedersachsen aus dem Stamm der S-Springer Donaumonarch und Donauprints sowie der Bundessiegerfamilie 1994, ging nach 70-Tage-Test in Redefin im Sport mit Platzierungen bis Klasse L. Der schwarzbraune Herzog von Nassau, aus nicht minder wertvoller Mutterlinie gezogen, wurde 2006 und 2007 in Redefin leistungsgeprüft, hat im Turniersport Platzierungen in Klasse A und kann mittlerweile auf zwei eingetragene Töchter verweisen.
   Der Fuchs Donaugold, als Sohn der Donauwoge-Vollschwester Donaufürstin genetisch identisch zu Donauzauber, wurde 2006 Reservesieger in Neumünster und zum besten Springhengst gekürt. Nach dem 30-Tage-Test in Warendorf ging er den Weg über eine zweimalige Bundeschampionatsqualifikation und war außerdem Trakehner Vizechampion der 4-jährigen Hengste beim Bundesturnier 2008. Für Furore sorgte er, als er 2009 für 500.000 Euro über die PSI verkauft wurde. Mittlerweile hat ihn Thomas von Samson zu Erfolgen in M- und S-Dressuren geritten.
   Mit Hamilton wurde 2007 ein Vollbruder zu Herzog von Nassau gekört, den sich das Gestüt Pallerhaff in Luxemburg sicherte. Seine HLP legte er 2008/2009 in Schlieckau ab. Unter Kristine Møller war der Schimmelhengst Trakehner Reitpferde-Champion 2008 und hat Erfolge in Dressurpferdeprüfungen bis Klasse M erreicht. Im selben Jahr wurde Donauklang a.d. Donaubirke v. Herzzauber/Mahon gekört, der ins Landgestüt Moritzburg ging und auch in der sächsischen Warmblutzucht eingesetzt ist.
   Der Rappe Düsterberg wurde 2008 noch unter dem Namen Donaustolz Prämienhengst der Körung und wechselte ins Gestüt Wiesenhof nach Krefeld. Er ist ein Vollbruder zu Donauklang und legte seine Leistungsprüfung als 70-Tage-Test 2010 in Schlieckau ab.
   Jüngster gekörter Distelzar-Sohn in der Trakehnerzucht ist der 2011 ausgezeichnete Polarzar a.d. Padma v. Sixtus/Fontainbleau. Polarzar stammt wie sein Vater aus der Zucht des Gestüts Lindenhof am Berg, befindet sich im Besitz von Distelzars Reiterin Andrea Wicki-Mäder und wird seine Grundausbildung und sein züchterisches Debüt im Gestüt St. Stephan in Framersheim bei Dorothee Schneider-Krumhoff erfahren.
   Der ZSAA körte 2008 einen weiteren Distelzar-Sohn aus dessen erstem Fohlenjahrgang: Glanzruf a.d. Good Luck v. Hohenstein/Ordensglanz ist ein Arabisch Partbred Typ Deutsches Reitpferd. Er war bereits beim Hengstmarkt 2004 in Neumünster aufgetreten, dort aber nicht gekört und über die Auktion für 6.000 € veräußert worden. Seine HLP absolvierte Glanzruf 2008 als Feldprüfung/Reiten in Kreuth mit der Note 7,43 – im Sport hat der Hengst mit Dressurerfolgen bis Inter I / St. Georg über tausend Euro Gewinnsumme erzielt.

25 Töchter des Distelzar sind mittlerweile in den Stutbüchern der Zuchtverbände eingetragen, für die er die Zulassung hat. Vier tragen den Titel einer Staatsprämienstute, eine ist im Leistungsstutbuch A eingetragen. Einige seiner Töchter haben selbst oder bereits über Nachzucht hohe Meriten erworben. Kara Bella a.d. Karisha v. Ostermond/Cembalo aus Distelzars erstem Jahrgang hat eine Eintragung im FN-Leistungsstutbuch A vorzuweisen. Mit einer Karolinger-II-Tochter stellte sie bei der Fohlenparade auf dem Domselshof 2008 die Zweite Reservesiegerin. Die Hannoveranerin Distelstar stellte aktuell mit Sir Stedinger einen gekörten Sohn beim ZfdP (Winterkörung Kreuth 2011).
   Hagia Chora, eine Tochter der Ia-Preisträgerin 4-jährige Stuten der Landesschau Bayern 2001, Hagia Sophia v. Pernambuco/Matador, wurde anlässlich der Zentralen Eintragung Württemberg 2008 Beste der Vierjährigen und älteren Stuten. Märtha Luisa a.d. Mata Hari III v. Matador/Herzkönig, Prämienanwärterin der Eintragung im Rheinland 2007, war auch bei der Eliteschau in Wickrath mit von der Partie.
   In Niedersachsen-Nordwest war Herbstdiora a.d. Herbstcaprice II v. Caprimond/Königsruf 2008 Siegerstute mit 57,5 Punkten. Rheha a.d. Ravenna VIII v. Tanzmeister I/Priamos xx war 2008 Reservesiegerin der Eintragung in Baden-Württemberg, legte als haushohe Siegerin ihre SLP 2009 in Alsfeld ab.
   Nimoe a.d. Nina VI v. Latimer/Caprimond war Prämienanwärterin der Eintragung Moritzburg 2011 und ging im Endring des Sächsisch-Thüringischen Stutenchampionats in Gera im Juli 2011. Aus dem gleichen Jahrgang (2006) stammt Honeybey a.d. Habsburg v. Fahnenträger II/Fabian, eine Vollschwester zu Hamilton und Herzog von Nassau. Sie wurde Klassensiegerin der 3-Jährigen und Erste Reservesiegerstute der Landesschau Niedersachsen-Hannover 2009. Beim Hengstmarkt desselben Jahres zählte sie zum qualitätvollen Lot der Stutenauktion.

In den Sportpferdelisten der FN werden 56 Distelzar-Nachkommen gelistet, 20 davon hatten 2011 Erfolge in Form von Siegen und Platzierungen auf Turnieren – vier Nachkommen sind bereits in der Klasse S erfolgreich! Gewinnreichster Nachkomme des Distelzar ist im Moment der ganggewaltige Wallach mit dem bezeichnenden Namen Magic Eye, der sich mit zahlreichen Erfolgen in Prüfungen der Klasse M ganz knapp vor den gekörten C’est Bon mit S-Erfolgen setzen konnte.
   Magic Eye aus der hochbewährten Lindenhofer Spitzenstute Mille Coeur v. Herzruf war das erste selbst gezogene Distelzar-Fohlen im Gestüt Lindenhof und wurde mit viel, viel Spannung erwartet – er hat alle Erwartungen über die Maßen erfüllt und ist seit Jahren mit seiner Besitzerin Alexandra Vogt vielfach siegreich und platziert in Dressurprüfungen bis Klasse M**.
   Der gekörte C’est Bon (s.o.) hat nach seiner „Wiedergeburt“ im Gestüt Pallerhaff eine steile Karriere als Dressurpferd gemacht und allein in der Saison 2011 fünf S-Platzierungen erzielt. Der gleichaltrige, ebenfalls gekörte Glanzruf steht ihm kaum nach, für diesen Dunkelbraunen aus dem Forsthaus Tiergarten stehen drei S-Platzierungen in 2011 zu Buche. Ein interessantes Nachwuchspferd ist der inzwischen 9-jährige Sachem, mit dem Besitzerin Kristina Peters 2011 einen ersten Sieg in Klasse M* erreichte – seine Mutter Santa Victoria v. Itaxerxes/Mark ist nämlich keine Geringere als die S-erfolgreiche Elitestute Spirit Hope von Natalie Gauß.
   Glanzrufs ein Jahr jüngere Vollschwester Gundell hat unter Michaela Kronenberger Erfolge in Dressurprüfungen bis Klasse M**. Mit der jetzt ebenfalls 8-jährigen Fuchsstute Fontenay a.d. Fabienne VI v. Tanzmeister I/Nerv hat Oliver Polster ein erfolgreiches M-Dressurpferd unter dem Sattel.
   Der gekörte und über die PSI-Auktion veräußerte Donaugold (s.o.) hat – erst siebenjährig – mittlerweile Erfolge bis Klasse S und war 2011 in dieser Klasse einmal platziert.




Text und © Karin Schweiger 2011
Fotos: Jutta Bauernschmitt, Online-HVP des Verbandes