Guzzi

Foto: Der Trakehner (Barbara Schnell)

Farbe/Abzeichen Schimmel, St., Schn., r.Vfsl.unreg.gefl., l.Hf.unreg.w.
geboren 30.03.1995

Maße in Zentimeter
  Stockmaß Brustumfang Röhrbein
21/2-jährig 163 195 20.5
volljährig   165   21.0

Züchter ZG Philipp und Annegret Graf, Jelmstorf (Nds-H)
Aufzüchter Søren Nissen und Dieter Weiermann, Skals (DK)
gekört 25.10.1997 in Neumünster
Web-Adresse www.les4chemins.be

Pedigree

Herzzauber
Sch. 1988
EH Marduc
Sch. 1977
Halali
Db. 1960
Gabriel
R. 1950
v. Gigant
Historia
F. 1955
v. Herbstwind
Madeira II
Sch. 1974
Ferlin
Sch. 1969
v. Maharadscha
Malvenblüte
Sch. 1956
v. Hansakapitän
PS/SPS Herzminze
Sch. 1983
Radom
Sb. 1979
Mahagoni
B. 1974
v. Pasteur xx
Rega
Sch. 1974
v. Kassius
PS Herzröschen
Sch. 1974 L/A
Erzsand
Sch. 1967
v. Flugsand
Herbstgold
R. 1957
v. Totilas
Gräfin IV
B. 1982 L/D
Atlas I
Db. 1977
Persaldo
B. 1966
Hessenstein
B. 1958
v. Komet
Perpetua v.Sch.
F. 1956
v. Tropenwald
Akelei III
R. 1967 L/D
Impuls
B. 1953
v. Humboldt
Attacke
R. 1962
v. Komet
Galante II AA
Sch. 1971
Lions xx
Db. 1958
Orator xx
B. 1938
v. Athanasius xx
Leibwache xx
1939
v. Wahnfried xx
Galina Ar
Sch. 1963
Gazal VII Ar
Sch. 1944 
v. Gazal II Ar
Anka Ar
(172 Shagya XXXVI-9)
Sch. 1955
v. Shagya-36 Ar

Hengstlinie des Dampfross über Pythagoras
Stutenfamilie der A15A Galina ShA (Wrangel-Gestüt Seehof)
anerkannt für Trakehner, Rheinland
Prozentsatz Spezialblut (erste 5 Generationen)
28,125%
Decktaxe

Eigentümer

1998-2004:
seit 2005:
Gestüt Wiesenhof, Beate Conle-Hüttner, Krefeld (Rhld)
Myriam Samyn, Haras des Quatre Chemins, Ham-sur-Heure (BE)

Stationierungen

1998-2002:
2003:
2004-2005:
seit 2006:
Pb. Gestüt Wiesenhof, Krefeld (Rhld.)
nicht aufgestellt
LH Haras des Quatre Chemins, Ham-sur-Heure (BE)
Pb. Haras des Quatre Chemins, Ham-sur-Heure (BE)

Eigenleistung

Hengstleistungsprüfung / 100-Tage-Test / Medingen / 1998
  Training Prüfung
Charakter 9,0  
Temperament 9,0  
Leistungsbereitschaft 9,0  
allg. Leistungsvermögen 8,0  
Rittigkeit 9,0 8,33
Teilindex Dressur   142,34 (1.)
Gesamtindex   139,02
Platzierung Prüfungsgruppe   1./27
  Training Prüfung
Schritt 8,0 8,0
Trab 9,0 7,67
Galopp 9,0 8,0
Springanlage 8,0  
Freispringen   7,84
Parcoursspringen   8,0
Geländegalopp   8,0
Geländespringmanier   7,67
Teilindex Springen   116,92 (7.)

Turniersporterfolge: E-LGS: 816 € in Dressurprüfungen bis M

Nachzucht

Zuchtwertschätzung Exterieur 2008
Anzahl
Töchter
Typ
Ober-
körper
Funda-
ment
Schritt
Trab
Galopp
Gesamt-
eindruck
Gesamt-
Zuchtwert
Widerrist-
abweichung
nicht gelistet, da zu wenige Trakehner Töchter

Zuchtwertschätzung Sport 2008
 
ZW
HLP
ZSP
ABP
TSP
SI %
Dressur
133
137
131
126
120
81

gekörte
Söhne (1)

Lugani
Töchter (5)

StPrPrSt. Raisa II, Miss Guzzi, Tosca XXIV u.a.
Nachkommen
im Sport
Eingetragene Turnierpferde 13
davon mit Platzierungen (in 2008) 3
davon in Klasse M und S 1
N-JGS 2008 1.087 €
N-LGS 3.866 €

Eine solche Euphorie, wie Philipp Graf sie nach der Körung des Herzzauber in den Holstenhallen in Neumünster erlebte, hat es danach nie wieder gegeben. Das war bewegend und begeisternd zugleich, erinnert der Züchter aus der Lüneburger Heide sich gern daran zurück. Nachdem der Hengst auch noch auf dem Klosterhof Medingen zum Einsatz kam, mit dem er seit Jahren züchterisch und beruflich eng zusammenarbeitete, war es keine Frage, dass er seine Stute Gräfin IV schon in der ersten Saison diesem Beschäler zuführte. Nicht, dass sie ihm bislang keine guten Fohlen gebracht hätte – im Gegenteil. Aber dieser arabische Hintergrund des Herzzauber, der sollte wohl perfekt zum arabischen Hintergrund seiner Gräfin passen ...

Und Graf sollte Recht behalten. Die Paarung zwischen Herzzauber und der Gräfin erwies sich als exzellente Passerpaarung. Ein gekörter Hengst und zwei Prämienstuten allein verschaffen Gräfin schon die Voraussetzungen für die Verleihung des Elitetitels – und als Prämienhengst mit HLP-Sieg bzw. als Jahres-Siegerstute von Neumünster unterstreichen die beiden besten Produkte dieser Anpaarung die Qualität der Blutkombination noch deutlich.

Den 1995 geborenen Herzzauber-Sohn seiner Gräfin zog Philipp Graf als Hengst auf. Wie alle seine Voll- und Halbbrüder erwies sich auch dieser charmante Schimmel als absolut lieber Kerl – menschenzugewandt und kooperativ machte er die Aufzucht und Erziehung zum Vergnügen. Kurz vor der Körung veräußerte Graf seinen Hengstaspiranten an Dieter Weiermann, der zusammen mit Søren Nissen aus Dänemark im Körkatalog als Aussteller firmierte.

Der aparte Dunkelschimmel gefiel, und zwar mit soliden Vorzügen in allen Punkten, die eine Körkommission zu beurteilen hat. Dass der geschmeidige Nobelmann im Lot der Gekörten auf dieser Jubiläumsveranstaltung gehen würde, war bald klar – und er schaffte es auch in den elitären Kreis der Prämienhengste, von dem es in jenem Jahr mehr gab als es im Jahr zuvor überhaupt Gekörte gegeben hatte.

"Dieser attraktive Schimmel verkörpert unverkennbar die Machart seines Vaters Herzzauber mit viel Adel und Ausdruck im gesamten Habitus. Großzügig in der Linienführung des pointierten Körpers mit auffallend guter Kruppenformation. Mittelstarkes und zum Körper passendes Fundament. Vornehme Art zu gehen, wobei der Trab als besonders schwungvoll und taktsicher hervorzuheben ist", so Lars Gehrmann bei seiner Besprechung.

105.000 Mark legte das junge Gestüt Wiesenhof im Rheinland bei der anschließenden Auktion an, um sich diesen Edelstein für den eigenen Bestand zu sichern – und für Guzzi hieß die nächste Station Hengstleistungsprüfung. Die legte er auf dem Klosterhof Medingen ab und sorgte erneut für Furore. Er gewann die Prüfung nämlich als Rittigkeitssieger mit dem exorbitanten Index von 142,37. Sportlich konnte Guzzi nahtlos an diese Leistung anschließen. Noch im selben Jahr gewann Guzzi das Westfälische Trakehner-Championat.


Fie Skarsoe bildete ihn aus und stellte ihn auf Turnieren vor. Sechsjährig qualifizierte er sich für das Bundeschampionat, bald hatte er auch Erfolge in M-Dressuren auf dem Konto stehen. Für seine Rittigkeit spricht, dass nach dem Weggang von Fie Skarsoe auch der Junior des Hauses Wiesenhof, Kilian Hüttner, auf Anhieb mit dem Hengst zurechtkam und ihn – unter anderem auf dem Bundesturnier 2005 – ansprechend vorstellte.

Doch die Akzeptanz der Züchter ließ zu wünschen übrig. Im Schatten seiner schon weiter ausgebildeten "Kollegen" Münchhausen und Monteverdi, dazu in der ungeliebten Schimmelfarbe und mit stark arabisch geprägtem Hintergrund – Guzzi blieben nicht viele Stuten zum Decken. Nicht genug jedenfalls, um damit seinen Hafer zu verdienen. Und eine Hengststation muss wirtschaftlich denken. So kam das Interesse von Myriam Samyn gerade recht, Guzzi wechselte als Pachthengst ins Gestüt Les Quatre Chemins in Belgien. Samyn zog in dieser Zeit gute Fohlen von dem Hengst und lernte ihn auch reiterlich sehr zu schätzen. Man wurde sich schnell handelseinig und Ende 2005 bezog Guzzi endgültig eine Boxe neben seinem früheren Stallgefährten Maserati.

Ein Blick in Guzzis Pedigree offenbart die arabische Prägung – genetisch manifest über die Mutterlinie und phänotypisch mehr als in errechenbaren Prozenten über den Großvater Marduc. Lions xx und Pasteur xx bringen englisches Vollblut mit ein. Und obwohl das Pedigree rein rechnerisch nicht einmal 30% Vollblut enthält, muss man Guzzi doch als deutlich blutgeprägt bezeichnen – so spielt die Natur halt manchmal. In der Regel brauchen solche Hengste Blutanschluss auf Seiten der angepaarten Stute, um sich positiv und nicht zu schwer zu vererben.

Deutlich verrät das Pedigree auch die Dressurprägung. Marduc und Atlas, beide selbst bis zur Klasse S erfolgreich, Halali und Radom als zwei der führenden Dressurvererber der Nachkriegsgeschichte, und Impuls als Riitigkeitsvererber der Spitzenklasse sprechen hier eine deutliche Sprache. Linienzuchten finden wir nur die auf Komet, die Muttervater Atlas mit einbringt.

Foto: HVP des Verbandes

DER VATER

Guzzis Vater Herzzauber war Körsieger von 1990. Und es war exakt dieses arabische Flair, das er über Marduc mitbekam, was Philipp Graf zur Anpaarung bewegte. Doch Herzzauber punktet nicht nur mit einem erstklassigen, hochbewährten Vater, seine Mutter gehört der so überaus erfolgreichen Dynastie der "Herzen aus Panker" an, die in den letzten Jahren einen großen Teil des züchterischen und sportlichen Trakehner Geschehens beeinflussen konnten. Obschon Herzzauber bereits 6-jährig seine Heimat gen Kanada verließ, hatte er so viele qualitätvolle Nachkommen hinterlassen, dass er in der Zuchtwertschätzung die Abteilung der jüngeren Hengste bei den Trakehnern anführte und von der Zuchtleitung zum Elitehengst proklamiert wurde. Schon aus dem ersten Fohlenjahrgang stammt mit Adamello ein Körungsreservesieger, in dessen Portrait wir in dieser Hengstdatenbank ausführlich auf Herzzaubers Lebensgeschichte eingegangen sind.

Foto: Homepage des Hengsthalters

DIE MUTTER

Gräfin IV war nach den Worten von Philipp Graf "eines der härtesten Pferde", mit dem er je zu tun hatte. Eine schwere Kolik-OP während der ersten Trächtigkeit von Herzzauber etwa steckte die Stute problemlos weg, ebenso wie einen Trümmerbruch im Fesselgelenk als junges Pferd, der kurz nach dem Anreiten jegliche weitere Ausbildung und eine SLP vereitelte. Für Unerfahrene war die Stute sicher nicht einfach zu handeln, aber sie war eine hervorragende Mutter und verantwortungsvolle Herdenchefin, die ihre Fohlen auf sehr interessante, aber wirkungsvolle Weise erzog. Die Stute war eine dieser Persönlichkeiten, die man nie vergisst - ein Pferd mit Ausstrahlung, etwas ganz Besonderes. Oder wie Philipp Graf es nennt, eine Stute "mit Biss". Gräfin war außergewöhnlich fruchtbar und schenkte der Zuchtstätte Graf in Altenmedingen 17 Fohlen. Erst als sie ihre letzten beiden Fohlen nicht mehr austragen konnte und jeweils einige Wochen vor Termin verfohlte, entschieden sich Grafs, der verdienten Herdenchefin keine Leidenszeit zuzumuten und sie einschläfern zu lassen.

Philipp Graf bescheinigt seiner Stute sehr viel Mut - ihre Söhne seien alle liebe Kerle und sehr rittig, während die Töchter den Biss der Mutter haben. "Sie lassen sich alle gut reiten, aber man muss damit umgehen können", sagt er, denn wenn ihnen was nicht passt, können sie "ebenso giftig wie die Mutter" werden.

Eine ganze Reihe von Nachkommen der Gräfin ging über die Fohlen- und Reitpferdeauktionen des Klosterhofs Medingen, darunter Gräfin Galina (1992) und Grafenherz (1997) zum Spitzenpreis.
Einige erwarb Dirk Müller für sein Gestüt Sommerlade - sie haben jetzt glückliche neue Besitzer gefunden. Bevor Philipp Graf die Passerpaarung mit Herzzauber vornahm, hatte Gräfin Nachzucht von anderen Klosterhofer Hengsten: Grenadier v. Sokartes ging erfolgreich Springen bis Klasse L, seine Vollschwester Giannina ist im Stutbuch eingetragen, Vollbruder Galileo 12 brachte es auf A-Platzierungen im Springen. Caprimond war der Vater von Galileo 15, der einige Platzierungen in Dressurpferdeprüfungen der Klasse A hatte, und von Amiego brachte Gräfin die in L-Springen erfolgreiche eingetragene Giulia II.

1992 wurde das erste Fohlen der Gräfin vom Körsieger Herzzauber geboren: Gräfin Galina, die Spitzenfohlen der Medinger Auktion wurde. Ihr folgte ein Jahr später die doppelt prämierte Gräfin Irina, die dreijährig zur Jahres-Siegerstute in Neumünster gekürt wurde und als Mutter der PrSt. Gräfin Inessa v. Titelheld zeichnet. Gräfin Elena, die nächste Herzzauber-Tochter der Gräfin, ist Mutter der Grafenseide v. Tanzmeister I, der Gräfin Elina v. Hohenstein und der Gräfin Marizza v. Caprimond. Gräfin Marizzas Vollschwester Gräfin Maxima steht noch in der Zucht von Grafs. Die beeindruckende, doppelt prämierte Stute war Reservesiegerin der Zentralen Eintragung 2005 und stellte 2008 mit dem GP-Fohlen Gräfin Anna v. Donauzauber ein Fohlen für die Kollektion des Bundesturniers. In diesem Jahr führt sie ein hochbewertetes Fohlen von Axis bei Fuß.

1995 fiel der erste Hengst aus dieser Anpaarung - und der war als Prämienhengst der Körung gleich ein Volltreffer: Guzzi. Sein 1997 geborener Vollbruder Grafenherz war Spitzenfohlen der Medinger Auktion. 1999 folgte die Prämienstute Gräfin Anuschka und 2002 als letztes Herzzauber-Fohlen Gräfin Sophie. Gräfins letzte beide Fohlen aus den Jahren 2004 und 2006 stammen von Hibiskus.


Gräfins Vater Atlas I war ein selbst im Dressursport bis Klasse S erfolgreicher Persaldo-Sohn. Er war in 3./3. Generation auf Komet ingezogen, vertrat die Igor-Meyhöffer'sche Stutenfamile der Anemone und stammt aus der Zucht des Karthäuserhofs in Trier. Schon bei der Körung 1979 wurde er äußerst positiv beschrieben: "Edler, typvoller Hengst in großer Linienführung und schöner Silhouette. Guter Kopf, ausdrucksstarkes Gesicht, langer Hals, viel Aufsatz; ausgeprägtes Rechteckformat mit guten Verbindungen. Mittelstarkes Fundament, im Vorderfuß geschliffen. Herausragende Bewegungsmanier." Atlas stand zu Beginn seiner Karriere jeweils ein Jahr im Klosterhof Medingen und im Gestüt Panker und wurde dann ganz aus der Zucht genommen und nur noch geritten. Nach S-Erfolgen im Dressurviereck kehrte er 1990 in den Deckeinsatz zurück und wurde 1997/98 nach Dänemark verpachtet. In der Zucht hat er sich nicht so gut bewähren können wie im Sport, die großen Bewegungen des Dressurkünstlers jedenfals haben nur wenige seiner Nachkommen geerbt.

Gräfins Mutter Galante II ist eine Angloaraberstute aus der Zucht der Baronin Wrangel (Gestüt Seehof). Gekauft hat Graf diese Stute als Zweijährige - zur Geburt seines dritten Sohnens. Eine wahrhaft weitsichtige und gute Investition, denn Galante sollte das Pferd des Lebens für ihn und seine Zucht werden. Sie war traumhaft zu reiten, diese gerade mal 1.58 m Stock große Stute, auf der sich auch Graf mit seinen gut 1.80 m nicht fehl am Platze fühlte. Unter Galantes neun Fohlen waren neben der im FN-Leistungsstutbuch D geführten Gräfin IV weitere vier eingetragene Stuten. Geisha IX v. Postmeister hatte Springerfolge bis Klasse L und wurde ohne Nachzucht fünfjährig über den Klosterhof aus der Zucht verkauft. Wallach Gary the Grey v. Egmont hatte Erfolge in Springen und Vielseitigkeiten der Klasse A.

Galante stammte aus der Zucht des Gestüts Petershof und war eine Tochter des englischen Vollblüters Lions xx. Der 1.61 m Stock große Röttgener mit der bemerkenswerten Rennleistung von 97 kg GAG hinterließ vom Landgestüt Celle aus in zehn Nutzungsjahren in der Hannoveranerzucht deutliche Spuren. Zwar konnte der Orator-Sohn bei weitem nicht die Bedeutung eines Der Löwe xx erreichen, der ein Vollbruder seiner Mutter Lehnsherrin war, doch machte er sich mit einigen Dressurpferden und guten Töchtern durchaus einen Namen.


Galantes Mutter, die Shagya-Araberstute Galina, begründete vom Gestüt Seehof aus eine neue Familie in der Trakehnerzucht. Die Schimmelstute aus Babolna, die Ulrich Poll mit 1,2,2/1,2 bewertete, hat ein recht buntes Leben gehabt. Zunächst in Babolna auf den Namen Gazal VII-2 getauft, brachte sie 5-jährig im Gestüt Petershof ihr erstes Fohlen, die Stute Galathee vom Trakehner Kongo, die später Mutter des L-Dressurpferdes Galapeter v. Donetz und der in die USA abgegebenen Gertrud v. Donetz wurde. Ihre Trakehner Tochter Gudia v. Patron ist Großmutter des S-Dressurpferdes Gegenwind v. Gribaldi u.d. Galine v. Van Deyk, der derzeit mit Willi Feltes recht erfolgreich ist.

Mit den englischen Vollblütern Nautilus xx und Lions xx brachte Galina im Gestüt Seehof die Angloaraberstuten Gazelle und Galante II. Ihre Shagya-Tochter Guba v. O'Bajar war Europa-Schau-Championesse in St. Gallen 1998, ihr Bajar-Sohn Ghazzir war auch für die Trakehnerzucht anerkannt. Mit Adam Liedermann im Sattel hatte Ghazzir Erfolge in Geländepferdeprüfungen und Springen bis zur Klasse M, war auch zweimal im Finale des Geländepferde-Bundeschampionats platziert.
Unter seinen nur elf FN-registrierten Nachkommen ragt der Trakehner Herakles TSF a.d. Hera XXXIV v. Consul heraus, der nach internationaler Buschkarriere unter Andreas Dibowski und Elmar Lesch nun Christoph Wahler den Weg in den gehobenen Vielseitigkeitssport ebnet.

Galinas Mutter Anka hat eine außergewöhnliche Karriere gemacht und konnte Stutenstämme in drei Zuchten begründen: In der Shagya-Zucht, bei den Hannoveranern und bei den Trakehnern. Unter dem Namen 172 Shagya XXXVI im Staatsgestüt Babolna geboren, wurde sie zunächst turniermäßig eingesetzt, schwerpunktmäßig im Springen. Verletzungsbedingt endete ihre Sportkarriere, und sie begann eine bemerkenswerte Karriere in der Zucht, zunächst in Babolna, ab 1967 unter dem Namen Anka im Gestüt Schmidt-Ankum. Unter ihren Nachkommen befinden sich neben den gekörten Hengsten Amor und Anakreon die Gazal VII-Töchter Arabis, Mutter der Schausiegerin Aphrodite v. Amor, und Galina.

Foto: Körung 1997, Bildreport Wagner

NACHZUCHT

Trotz seiner hervorragenden Hengstleistungsprüfung und eigener Sporterfolge bis Klasse M wurde Guzzi von den Züchtern nur verhalten angenommen. Schade, denn hier steht nicht nur der ausgezeichnete Vater, der ja mit seinem Verkauf nach Kanada nicht mehr verfügbar ist, auf der Positivseite, sondern auch ein blutgeprägter Mutterstamm, der mit überzeugenden Nachkommen bewies, wie gut er in die Trakehnerzucht passt.

Anlässlich des Hengstmarktes 2006 stellte Guzzi mit Lugani einen überzeugenden Sohn, der denn auch das Körprädikat erhielt. Der typvolle, elegante Sohn der Loryn P v. Napoleon Quatre / Schiwago war auch der erste gekörte Hengst aus dem Krefelder Gestüt Wiesenhof. Er wurde auf dem Hengstmarkt in die Ukraine verkauft
.

Fünf Töchter des Guzzi wurden bisher in die Stutbücher eingetragen, zwei davon tragen den Staatsprämientitel. Familie Richter vom Trakehnerhof Großwaltersdorf zog aus ihrer bewährten Ephor-Tochter Ramina die Schimmelstute Raisa II. Sie wurde 2006 bei den Vierjährigen in Moritzburg mit den Maßen 1.61/20.0, Höhepunkten in den Grundgangarten und Prämienpunktzahl 54,5 eingetragen, legte ihre Stutenleistungsprüfung mit Gesamtnote 7,81 ebenfalls in Moritzburg ab und bewies sich anlässlich des Bundesturniers 2007 als 3. der Eingungsprüfung. Im vergangenen Jahr hat sie unter Jana Zimpel eine ganze Reihe schöner Platzierungen und über 500 € Preisgelder in Nachwuchsprüfungen gewonnen.

Miss Guzzi, von Wilhelm Buse aus seiner Mondrian-Tochter Miss Aileen xx gezogen, die mehrere gute Töchter für die Trakehnerzucht brachte, legte in München-Riem mit der Wertnote 7,25 ebenfalls eine gute SLP ab und wurde mit der Gesamtnote 8 ins hannoversche Stutbuch eingetragen.

Tosca XXIV hat das Gestüt Wiesenhof 2005 aus der hochbewerteten Tamara XXI v. Schwadroneur gezogen; die 1.69 m Stock große Braune wurde mit Prämienpunktzahl bei der rheinischen Eintragung 2008 ins Stutbuch aufgenommen.

Auch im Sport hat Guzzi erfolgreiche Nachkommen – vor dem Hintergrund der geringen Bedeckungszahlen nicht unbedingt selbstverständlich. Von drei erfolgreichen Nachkommen in 2008 galoppierte einer auf der Ehrenrunde von Inter-I-Prüfungen: der Rheinländer Gandi unter dem Sattel von Miriam Henschke. Gracious, ebenfalls rheinisch gebrannt, und die schon erwähnte Raisa hatten Dressurerfolge in Prüfungen bis Klasse L. Nicht umsonst kletterte der Dressur-Zuchtindex des Guzzi auf inzwischen über 130 – und das machen nicht allein Verwandtenleistung, HLP und eigene Sporterfolge aus ...

Foto: Homepage des Hengsthalters

© Karin Schweiger 2009
Fotos: Der Trakehner (Barbara Schnell), HVP des Verbandes, Homepage des Hengsthalters, Bildreport Wagner