Münchhausen EH

Foto: Jutta Bauernschmitt

Farbe/Abzeichen Braun, schm.Strichbl.i.l.Nüst., r.Vfsl.,r.Hf. unreg.w.
geboren 20.05.1995

Maße in Zentimeter
  Stockmaß Brustumfang Röhrbein
21/2-jährig 166 202 21.0
volljährig   171   21.1

Züchter Ursula Schäfer, Westerstede/Nds-NW
Aufzüchter Gestüt an der Ilmenau, Bad Bevensen/Nds-H
gekört 25.10.1997 in Neumünster
Web-Adresse www.gestuet-wiesenhof.com

Pedigree

EH Hohenstein
R. 1991
EH Caprimond
B. 1985
Karon
B. 1981
EH Arogono
Db. 1976
v. Flaneur
Karben
B. 1974
v. Ibikus
StPrSt. Capri VI
R. 1980 L/D
EH Mackensen
Db. 1976
v. Patron
Coeur-As
R. 1975
v. Herzbube
ElSt. Helena XIV
Db. 1983
Matador
Db. 1977
Donauwind
B. 1965
v. Pregel
Maritza
B. 1965
v. Gobelin
PrSt. Harpune II
F. 1975 L/D
Grimsel
F. 1970
v. Kassio
Harda
F. 1966
v. Prince Rouge xx
ElSt. Mohnblüte
B. 1988
Königstein
R. 1982
Königsruf
R. 1977
Insterruf
R. 1972
v. Schwalbenflug
Kokette III
R. 1969
v. Frohsinn
Köstliche
R. 1963
Traumgeist xx
Sb. 1953
v. Goody xx
Kostbare
R. 1958
v. Burnus AAH
Margerite
B. 1981
Arrak
B. 1977
Ibikus
B. 1967
v. Hertilas
Altessa
B. 1972 
v. Kurfürst
Marisa
B. 1967
Rosenberg
Sch. 1962 
v. Sterndeuter
Martina II
Db. 1962
v. Marc Aurel xx

Hengstlinie des Fetysz ox über Arogno
Stutenfamilie der O219A Moosbeere (Hofer-Barztal/Bartschkehmen)
anerkannt für Trakehner, Westfalen, Rheinland, Süddeutsche
Prozentsatz Spezialblut (erste 5 Generationen)
12,5%
Decktaxe

Eigentümer

seit 1997: Gestüt Wiesenhof, Beate Conle-Hüttner, Krefeld

Stationierungen

seit 1997: Pb. Gestüt Wiesenhof, Krefeld/Rhld

Foto: Der Trakehner (Barbara Schnell)

Eigenleistung

Hengstleistungsprüfung / 100-Tage-Test / Neustadt/Dosse / 1998
  Training Prüfung
Charakter 10,0  
Temperament 9,0  
Leistungsbereitschaft 10,0  
Konstitution 9,0  
Rittigkeit 9,0 9,0
Teilindex Dressur   149,30 (1.)
Gesamtindex   128,87
Platzierung Prüfungsgruppe   4./43

(Ri = Richter / FR = Fremdreiter)

  Training Prüfung
Schritt 9,0 8,67
Trab 10,0 9,67
Galopp 10,0 9,33
Springanlage 7,0  
Freispringen   6,84
Parcoursspringen   7,0
Geländegalopp   7,67
Geländespringmanier   7,33
Teilindex Springen   69,98 (29.)

Turniersporterfolge: E-LGS 25.617 €
(Prüfungen in Deutschland)
in Dressur bis Kl. S
- Grand Prix Special -

Nachzucht

Zuchtwertschätzung Exterieur 2008
Anzahl
Töchter
Typ
Ober-
körper
Funda-
ment
Schritt
Trab
Galopp
Gesamt-
eindruck
Gesamt-
Zuchtwert
Widerrist-
abweichung
57
108
123
81
129
113
130
130
121
2.4

Zuchtwertschätzung Sport 2008
 
ZW
HLP
ZSP
ABP
TSP
SI %
Dressur
168
168
163
154
153
95
Springen
75
73
71
89
92
84

gekörte
Söhne (9)

Meraldik, Mon Baron, Sambatänzer, Titiano,
Mein Märchenprinz (Westf.), Moliere (Westf.), Baumanns Maybach (Rhld), Mr. Big (Zweibrücken), Tassilo W (Österreich)
eingetragene
Töchter (102)

Aida XV, Alexa V, Ashatra, Axa, Bond Girl, Blue Sansousi, Carrera II, Dolyta, Fidelia VIII, Flavia III, Golda Meir, Goldkrone, Ha-Na, Harmonie-LI, Havanna XIX, Havelin-M, Hedra, Heidenrose, PS/SPS Herzlicht, PS/SPS Hillery, Hofdame VI, Insters Indira, Isabella XV, Itaparica, Kalinowska, Kaskade XVII, Koimbra d'Arcy, Kourage, Maraganda, Marina, Miss Moneypenny, Moresca, PS/SPS Navarra-D, Octavia III, Operette, Opportunity, Padua, Polarnacht, Riva, Rose d'Amour, Sambatänzerin, Schöner Morgen (ex Silvester-Traum), Schneewittchen, Senistra, Serenade, Shanaya B, Shangri-La, Sympathika WH, Tamarie, Tara XIII, Unica, Varoness, Wisby u.a.
Nachkommen
im Sport
Eingetragene Turnierpferde 199
davon mit Platzierungen (2008) 64
davon in Klasse S 5
N-JGS 2008 13.275 €
N-LGS 42.883 €

Foto: Hengstbuch (Alexandra Gräfin Dohna)

Es war ein jubiläumswürdiger Körjahrgang im Jubiläumsjahr 1997 - da waren sich alle Beobachter einig. Der Siegerhengst stand dem in nichts nach: "Prachtvoll komfortables Beschälermodell in bester Übereinstimmung von Rasse- und Geschlechtstyp mit eleganter und prägnanter Linienführung des gut bemuskelten Körpers. Sehr gut in der Ausprägung von Hals, Schulter, Sattellage und Beckenformation. Im Bewegungsrhythmus taktsicher und losgelassen, ohne jemals die Balance zu verlieren. Souverän in jeder Phase der Erscheinung."

Keine Frage, dass die 17 gekörten Hengste, unter denen acht mit einer Prämie ausgezeichnet wurden, für reißenden Absatz bei der Auktion sorgten. Nur ein einziger blieb unter der 100.000-Mark-Schallmauer. Für den Siegerhengst musste das junge Gestüt Wiesenhof in Krefeld tief in die Tasche greifen: Das Rosenholzhämmerchen des Auktionators fiel erst bei 350.000 Mark.

Münchhausen rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen und erfüllte alle Hoffnungen, die für gewöhnlich auf einem Siegerhengst liegen, über die Maßen. Das begann schon bei der Hengstleistungsprüfung, wo ihm allein viermal die Note 10 für seine Leistungen im Training vergeben wurden. Den Teilindex Dressur dominierte er mit sagenhaften knapp 150 Punkten, ein alles andere als berauschender Springindex machte den Hengst dann zum Gesamt-Vierten.

Eine sportliche Karriere nahm danach ihren Ausgang: Das Trakehner Bundesturnier in Köln 1999 sah Münchhausen als Champion der 4-jährigen Reitpferde, beim Bundeschampionat desselben Jahres war er Dritter. Die Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde 2001 schloss der Hengst als Vize-Weltmeister ab, danach ging es mit Ausbilderin Fie Skarsoe im Sattel steil bergauf bis hin zu Siegen in S-Dressuren und Platzierungen in Grand Prix. Die Trakehner Sportpferde-Förderung sicherte sich Münchhausen als Werbeträger und verpasste ihm den "Nachnamen" TSF. Unter Andrea Landy-Silling schaffte Münchhausen den Sprung in die Weltrangliste Dressur. Mit Siegen in Zwolle und Saumur sowie hohen Platzierungen in Herentals unter Michael Oldenbourg sammelte Münchhausen 2007 insgesamt 597 Weltranglistenpunkte. Auch 2008 war Münchhausen noch erfolgreich in Turnierprüfungen am Start und gewann weitere 800 €, seine Bilanz auf höchster Ebene beläuft sich bis jetzt auf 13 Siege in Klasse S.

2005 honorierte der Trakehner Verband die sportliche Eigenleistung und die außergewöhnliche züchterische Leistung als Vater einiger gekörter Hengste, vielfach dekorierter Stuten und bis zur höchsten Klasse erfolgreicher Sportpferde mit der Verleihung des Elitetitels.

Münchhausen verdiente sich in der Zuchtwertschätzung Top-Plätze und rangiert unter den absoluten Spitzenvererbern deutschlandweit. Kein einziges Kriterium in der Sparte Dressur weist weniger als 150 Punkte aus, der Gesamt-Zuchtwert hat mit 168 schwindelerregende Höhen erreicht. Auch die anhand der eingetragenen Töchter ermittelte Zuchtwertschätzung Exterieur weist den Hengst als Top-Vererber aus – seine Stärken liegen in der Vererbung von Körperkorrektheit und in der Verbesserung von Schritt und Galopp.

Der Blick ins Pedigree offenbart eine Ansammlung von hochbewährten Vererbern, die
sich hohe Meriten in der Sportpferdevererbung erworben haben: Natürlich die väterliche Dynastie von S-Siegern und Top-Vererbern Hohenstein - Caprimond - Karon, aber auch Arogno, Donauwind, der Abglanz-Erbe Kassio, die so unterschiedlich, aber beide leistungsstark vererbenden Vollblüter Traumgeist xx und Prince Rouge xx und gleich zweimal der Rittigkeitsgarant und vierfache Champion Ibikus. Auch die vertretenen Mutterfamilien haben ein gewichtiges Wort in Zucht und Sport der letzten Jahrzehnte mitgesprochen: Hämelschenburgs K-Familie, die Familie der Cajenne, Hoogens Marke-Familie, die schmale Familie der herrlichen Hauptgestütsstute Kokette und, last but not least, der ebenfalls schmale, mit Sportpferden immer wieder ins Rampenlicht getretene Stamm der Moosbeere.

Blutfans werden auf den ersten Blick die Nase rümpfen, denn mit Traumgeist xx tritt der erste Vollblüter in 4. Generation auf, Verstärkung erhält er lediglich von Prince Rouge xx und Marc Aurel xx in 5. Ahnenreihe. Dass Münchhausen aber gut zu Vollblut passt, hat er ja bereits bewiesen ...

Foto: Trakehner Förderverein (Julia Rau)

DER VATER

Vater Hohenstein verfügt in der Zucht über Legendenstatus und zählt zu den wohl herausragendsten Vererbern der Gegenwart - nicht nur bei den Trakehnern, sondern auch in der hannoverschen Zucht. Es ist ja für gewöhnlich schwierig für einen Hengst, aus dem Schatten eines übermächtigen Vaters herauszutreten, noch dazu, wenn Vater und Sohn auf derselben renommierten Station wirken. Hohenstein ist einer der wenigen Hengste, denen dies gelungen ist.

Der Caprimond-Sohn aus bester Hauptgestütsfamilie war Prämienhengst seiner Körung, HLP-Zweiter, Trakehner Reitpferdechampion und hat Erfolge im Dressursport bis Intermédiaire I. 23 Söhne, darunter die brillanten Körsieger Münchhausen (Neumünster) und His Highness (Verden), und über 400 eingetragene Töchter in deutschen Zuchten machen den immerhin erst 18-jährigen Traumprinzen zu einem Jahrhundertvererber. Seine Nachkommen haben bis jetzt schon über 200.000 € allein auf deutschen Turnierplätzen - vornehmlich in der Dressur - gewonnen, unter ihnen die in der Weltrangliste geführten Münchhausen und Highlander, der gerade mit grandiosem Debüt in der Königsklasse aufgetretene Insterburg TSF sowie JR-Europameister Hohenstaufen und Junioren-Mannschafts-Europameister Highway.

Bereits mit sieben Jahren wurde Hohenstein Elitehengst, mit elf kürte man ihn zum "Hengst des Jahres" - ob er dereinst seinen genialen Vater an Bedeutung noch übertreffen wird, bleibt abzuwarten. Ein Portrait des Hohenstein findet sich bereits in unserer Hengstdatenbank.

DIE MUTTER

Die inzwischen zur Elitestute proklamierte Mohnblüte war beste Vierjährige im Zuchtbezirk Niedersachsen-Nordwest 1992. Sie stammt aus einem recht schmalen, aber mit überproportional vielen Sportpferden immer wieder positiv ins Rampenlicht gerückten ostpreußischen Stutenstamm. Erhard Schulte schrieb zur Familienbegründerin: „Im Kreis Ebenrode, einem Hochzuchtgebiet Ostpreußens, unweit des Hauptgestüts Trakehnen geboren, war Moosbeere ein typisches Produkt der bäuerlichen Privatzucht auf hohem Qualitätsniveau. Ihr Vater Sonnentau v. Hyperion galt als ein Aushängeschild der strahlenden Weederner Zucht des Hauses von Zitzewitz und zählte mit jährlich mehr als 100 gedeckten Stuten zu den am höchsten frequentierten Landbeschälern Georgenburgs. Auch mütterlicherseits war Moosbeeres Blutführung mit vorwiegend edlen Genen der ostpreußischen Zucht ausgestattet.

Unter ihren zwölf lebenden Fohlen befanden sich drei Töchter, die die Familie weiter trugen. Auch in sportlicher Hinsicht ist aus ihren ersten züchterischen Jahren Erfreuliches zu registrieren: Ihr Sohn Morgenwind v. Wirbelwind xx behauptete sich im Springsport auf höherer Ebene. Durch große Leistungsbereitschaft fiel auch seine schöne Mutter auf: Neben ihren Verpflichtungen in der Zucht verrichtete sie zuverlässig ihren Dienst im Gespann, sei es im Zwei- oder Vierspänner. Ein zweiter Platz in einer Marathonfahrt nach Aachen wird aus dem Jahre 1949 dokumentiert.

Die Zuchtleitung wählte sie aus, ihre Rasse anlässlich der zweiten DLG-Ausstellung nach Kriegsende zu vertreten: In Hamburg wurde sie 1951 gemeinsam mit Berühmtheiten aus Trakehnen, wie Herbstzeit, Polarfahrt oder Handschrift, gezeigt und erhielt den Ib-Preis.“

Moosbeere, eine 1943 im Züchterstall Hofer geborene Fuchsstute mit Stern, Schnippe und zwei weißen Hinterfüßen, war 1.60 m Stockmaß groß und hatte eine glatte 2er-Bewertung. 17 Zuchtjahre in den Zuchtstätten Gonnermann, Eschwege, Fischer, Wesel, und Wichert, Merfeld, hatten zwölf Fohlen zum Ergebnis, 23-jährig ging Moosbeere an Altersschwäche ein. Sie wurde stets sehr blutgeprägt angepaart. Die Vollblüter Wirbelwind xx, Marc Aurel xx und Beribot xx waren ihre Partner, ebenso der hochedle, fast als Angloaraber zu bezeichnende Famulus. Nur drei ihrer Fohlen waren Stuten, die alle ins Stutbuch eingetragen wurden, zwei davon waren auch als Turnierpferde registriert, Erfolge sind allerdings nicht verzeichnet.

Die jüngste Moosbeere-Tochter, Maritta v. Beribot xx, stand 13 Jahre in der Zucht und hinterließ zehn Fohlen, von denen fünf eingetragene Stuten wurden. Ihre beiden bedeutendsten Kinder stammten v. Patron: Magister war in Dressur bis Klasse M, in Springen bis Klasse L turniererfolgreich, seine Vollschwester Mandelblüte III konnte den Familienzweig mit zwei Symbol-Töchtern und einer Van-Deyk-Enkelin kurzfristig weiterführen.

Zwei Jahre vor Maritta hatte Moosbeere vom Vollblüter Marc Aurel xx die Tochter Melissa gefohlt, die allerdings mit einem Hengstfohlen bedeutungslos in der Zucht blieb.

Für die Verbreitung der Familie sorgte also nur Moosbeeres älteste Tochter Mickymaus. Die schimmelfarbene Tochter des Famulus war mit 1.64 Stockmaß und der Bewertung 2,3,3/2,2 (Ulrich Poll) alles andere als eine Mickymaus und brachte den Zuchtstätten Wichert, Merfeld, Meer, Düsseldorf, und Gestüt Hirschfelde in Grammdorf in Schleswig-Holstein in 15 Zuchtjahren neun Fohlen, darunter fünf eingetragene Töchter. Alle drei Söhne gingen im Sport: Mandur v. Himalaya hatte Dressurerfolge bis L, Mistral v. Igor war in Reitpferdeprüfungen erfolgreich, und Minister v. Igor in A-Springen. Tochter Pommery v. Valentin war in A-Dressuren leidlich erfolgreich.

Die jüngeren Töchter Meine Liebe v. Polarwind, in Reitpferdeprüfungen und A-Dressuren erfolgreich, Mira X v. Igor und Mira VIII v. Igor, die nach Australien ging, blieben in der Zucht bedeutungslos. Miss Micky v. Gunnar, deren beide Igor-Söhne Mistral und Mirko L-Dressurprüfungen mit Erfolg bestritten, konnte über ihre Tochter Miss Mimi v. Valentin einen bis heute lebendigen kleinen Zweig dieser Familie aufbauen. Miss Mimis drei Töchter Minuschka, Mille Fleurs und Minestra hatten den seinerzeitigen Hirschfelder Beschäler Polarwind zum Vater, der bei arabischem Muttervater für Rahmen und Reitpferdepoints sorgte. Jüngste züchterisch relevante Nachzucht dieses Zweiges sind zwei Kolumbus-Töchter der Minarett v. Arrak aus Mille Fleurs’ Tochter Mitra v. Königsruf.

Für die größte Ausbreitung und die enorme Bedeutung dieser Stutenfamilie im heutigen Zuchtgeschehen sorgte Mickymaus’ älteste Tochter Martina II v. Marc Aurel xx. Sie brachte fünf eingetragene Töchter, darunter das international eingesetzte S-Springpferd Marcella-S v. Igor, die sich sportlich mit dem Spitzen-Dressurpferd Marc Antonius v. Arrak (Diana Galette) in Szene setzte und züchterisch mit dessen Vollschwester Marcetta eine Nachfolgerin schuf. Martinas Tochter Marietta IV v. Igor ging tragend von Polarwind in die USA; das Fohlen, das sie trug, wurde der ATA-gekörte Hengst Mandinka, der selbst in Dressur bis zur schweren Klasse erfolgreich war und in den USA mit Iroquois auch ein Inter-I-Pferd stellte.

Marc Aurel xx aus dem Gestüt Fohlenhof, 1.62 m Stock groß und selbst nicht mit überragender Rennleistung aufwartend, deckte acht Jahre in der Warmblutzucht und hinterließ zwei Töchter im Trakehner Stutbuch. Er stammt aus derselben Stutenfamilie (Zweig der Blanche v. White Eagle), aus der auch Traumgeist xx und Tempeltanz xx, Balfour xx und Busoni xx hevorgingen. Vater Honved ist aus Warmblutzüchtersicht mit seinem Erzeuger Oleander und Cottage Sons Vater Son in Law auf der Mutterseite ein echtes Schmankerl, auch aus seiner Mutterfamilie gingen mit Horido xx und Horus xx gute Beschäler in der Warmblutzucht hervor. Honveds Tochter Fioretta ist Großmutter zu Figura, der Mutter von Fierant xx und Großmutter zu Fiepes Winged xx.

Martinas älteste Tochter Marina v. Rosenberg, als Mutter des S-Dressurpferdes Marquis v. Igor und des in Dressur und Springen bis L, in Vielseitigkeit bis A erfolgreichen Mark Twain v. Igor, schon sportlich in Erscheinung getreten, sorgte mit vier eingetragenen Töchtern für eine Ausbreitung der Familie: Marlies v. Herzbube hielt sich mit dem A-Springpferd Mogador v. Igor vornehm hinter ihren Schwestern zurück; Marcella III v. Herzbube brachte den gekörten Mauersee v. Arrak, der in Großbritannien wirkte, und die beiden M-Springpferde Marrak und Masovia IV, beide ebenfalls v. Arrak. Malve VIII v. Igor ging 1977 über die Auktion und wurde dort zurückgekauft, sie brachte das L-Springpferd Marielche v. Solist und den gekörten L-Dressurhengst Markant v. Habicht, der in Frankreich wirkte. Mandola v. Igor schließlich schuf sich mit Musica v. Anduc eine Nachfolgerin in der Zucht.

Marinas Vollschwester Marisa v. Rosenberg kann auf eine züchterische Bilanz von 12 Fohlen in 15 Zuchtjahren zurückblicken, darunter die beiden L-Dressurpferde Merkur und Magistrat v. Arrak und vier eingetragene Töchter: Marion III v. Igor hatte in ihrem kurzen Leben nur vier Fohlen, darunter die eingetragene Tochter Mariandl und das L-Springpferd Marcello, beide v. Polarwind. Majell v. Igor gewann selbst knappe 2.500 Mark in L-Dressuren und A-Vielseitigkeiten und hinterließ nur ein Fohlen, das L-Dressurpferd Morgenwind v. Sonnenglanz. Margerite v. Arrak, auf die wir gleich noch eingehen werden, und Moorbirke v. Kolumbus sorgten für den Erhalt der mütterlichen Familie. Moorbirkes Kostolany-Tochter Maharana hat in Braunschweig sportlich wie züchterisch hoffnungsvolle Nachzucht von Exclusiv und Summertime gebracht.

Marisas Vater Rosenberg war ein schimmelfarbener Sohn des Halbblüters Sterndeuter, der im Gestüt Rantzau aufgezogen worden war. Seine Mutter Rosshalde v. Famulus und der Familienbegründerin Rosenwunder v. Cherusker war auch Großmutter des Beschälers Rossini. Rosenberg wurde bei seiner Körung beschrieben als "bedeutender Beschälertyp mit gut ausgeprägtem Hengstcharakter. Gut aufgesetzter Hals; gute Oberlinie; gute Körperbreite und -tiefe; üppig bemuskelte Hinterhand; Fundament stark und korrekt; sehr raumgreifende Bewegungen." Sechs Jahre wirkte er in der Zucht, während der er vor allem in Rantzau gut genutzt wurde, dann wurde er in die Niederlande und später in die USA verkauft. Tannenfels war ein Sohn in bedeutendem Beschälerformat, der solide, kräftige Sascha hat mit West Virginia a.d. ElSt. Wundermädel xx eine hervorragende Mutter von erstklassigen Vielseitigkeitspferden hinterlassen.

Marisas Arrak-Tochter Margerite oblag es also, die Qualitäten dieser Stutenfamilie wieder in den züchterischen Fokus heutiger Tage zu rücken. Im Rittergut Hirschfelde in Grammdorf erblickten ihre Königstein-Töchter Mohnblüte und Momo das Licht der Welt. Mirage III v. Kolumbus, die später ins Gestüt Sommerlade wechselte, war Margerites erstes Fohlen auf dem Hof von Michaela und Gerd Böhn, der dann Miss Mimi v. Guter Planet und die beiden jungen Buddenbrock-Töchter Miss Marple und Moosblüte II als letzte Tochter der damals 22-jährigen Stute folgten. Bis auf Moosblüte II haben sich alle Töchter bereits mit weiblicher Nachzucht im Trakehner Stutbuch „verewigt“.

Miss Marple stellte bereits zwei Siegerfohlen beim Championat in Tarmstedt und ein Auktionsfohlen nach Medingen. Ihr erstes Fohlen v. Summertime war unter dem Namen Masuren Verlosungsfohlen in Neumünster und absolvierte später als Montana eine gute SLP im Landgestüt Dillenburg.

Miss Mimi hat ihre SLP mit der Endnote 7,39 absolviert und war Klassensiegerin sowie Mitglied der Reserve-Siegerfamilie bei der letzten Landesschau des Zuchtbezirks Niedersachsen-Nordwest. Ihre Tochter Miss Ellie v. Buddenbrock qualifizierte sich aktuell für das Finale der 5-Jährigen bei den Luxemburgischen Meisterschaften der Jungen Pferde.

Margerites Vater Arrak, ein brauner Webelsgrunder Ibikus-Sohn aus einer Kurfürst / Humboldt-Stute des Igor-Meyhöffer'schen Stutenstamms der Annemone, beschrieb man anlässlich der Körung 1979 als "stark und solide, korrekt und über viel Boden stehend, dabei doch geschlossen wirkend. Vier korrekte, starke Beine mit breiten und gut eingeschienten Sprunggelenken bescheinigen diesem Hengst gute Zuchtqualität." Die HLP bestätigte diesen Eindruck nicht, trotzdem konnte der Hengst knapp 3.000 Mark auf Turnieren gewinnen und stand eine Saison im Gestüt Rantzau. Seine Nachkommen waren über den Stangen in aller Regel nicht untalentiert. Sein einziger gekörter Sohn Mauersee aus der Zucht seines Heimatgestüts Hirschfelde ging jung nach Großbritannien und 25 Töchter erhielten sein Blut in der deutschen Trakehnerzucht.

Margerites älteste Tochter Mohnblüte v. Königstein ist bislang auch ihre bedeutendste. Ein gekörter Hengst und zwei prämierte Töchter reichten für die Qualifikation der 1988 geborenen Braunen mit den Maßen 1.64/20.0 und der Bewertung 9,8,8/9,8 für die Erlangung des Elitetitels. In der Zucht von Ursula Schäfer gründete sie eine veritable Dynastie auf der Basis der Passerpaarung mit dem Klosterhofer Hauptbeschäler Hohenstein. Lediglich Mohnblütes erste eingetragene Tochter Moonlight stammt von Kostolany, mit Moosblüte, StPrPrSt. Moosliebe, PrSt. Millenia, Mille Grazie und Mein Traum schenkte sie der Zucht inzwischen fünf Vollschwestern des Münchhausen. Moosblüte blieb ohne Prämie und stellte in diesem Jahr einen Sohn des Kostolany als Reservisten für Neumünster. Moosliebe, doppelt prämiert, wird das Gestüt Wiesenhof anlässlich der kommenden Frühjahrskörung mit einem Faberger xx-Sohn vertreten.

Mohnblütes Vater Königstein war Prämienhengst seiner Körung und wurde für den besten Trakehner Typ ausgezeichnet – kein Wunder, war der Königsruf-Sohn doch nicht nur ein Sohn der hochblütigen Köstliche v. Traumgeist xx, sondern auch ein Enkel der letzten Kokette-Tochter mit dem passenden Namen Kostbare v. Burnus AAH. Kostbare war eine der beiden Töchter, die die wertvolle Hauptgestütsstute Kokette in Westdeutschland noch gebar. Ihre ältere und recht kleine schwarze Schwester Koburg v. Wilder Jäger hatte nur ein Fohlen - die Schimmelstute Kortina v. Famulus, die der Kokette-Familie vom Gestüt Nannhofen aus eine breite Basis gab - und nahm danach nicht wieder auf. Die gekörten Söhne Offenbach und Orpheus sowie 38 eingetragene Töchter, darunter neben der Elitestute Mohnblüte als bedeutendste die StPrSt. Oh la la, PrSt. Sylvestra und PrSt. Bonita V, stellen seine züchterische Bilanz. Im Sport waren es vor allem Ben Malik im Springen und Eilina im Fahren, die ihren Vater Königstein vertraten.

Königstein hat ein eigenes Portrait in dieser Hengstdatenbank.

Foto: HP des Gestüts Wiesenhof

NACHZUCHT

Münchhausen erfreut sich im Gestüt Wiesenhof guter Nachfrage und hat bereits eine Reihe zahlenstarker Jahrgänge hinterlassen. Ein Umstand, der nicht selbstverständlich ist, denn viele andere sporterfolgreiche Trakehner Hengste werden aus den verschiedensten Gründen von den Züchtern wenig bis kaum angenommen – sicher ein Verdienst des exzellenten Managements durch das Gestüt Wiesenhof, das es seinen Hengsten so ermöglicht, ihre hervorragenden Qualitäten auch entsprechend zur Geltung zu bringen.

Neun Söhne des Münchhausen haben mittlerweile das Körprädikat verschiedener Zuchtverbände erhalten, davon drei bei den Trakehnern. Mit dem württembergisch gebrannten und später von den Trakehnern anerkannten Meraldik steht ein vierter Münchhausen-Sohn in der Trakehner Zucht zur Verfügung.

Meraldik, ein mit angegebenen 1.76 m Stockmaß sehr großer Fuchs, den das Gestüt Birkhof aus einer Vollschwester ihres hochverdienten tschechischen Vollblüters Heraldik xx gezogen hat, brauchte entwicklungsbedingt doch einige Zeit zur Reife. Seine gangstarke Präsentation anlässlich eines Sonderkörtermins in Königsbrunn 2007 verschaffte ihm die Anerkennung der Trakehner. Mittlerweile hat er unter Falk Stankus die ersten Erfolge in S-Dressuren erzielen können.

Mon Baron, drei Jahre jüngerer Vollbruder des gleichnamigen S-Dressurpferdes, stammt aus der Zucht des Gestüts Lindenhof am Berg und hat die Elitestute und amtierende rheinland-pfälzische Landessiegerstute Mon Bijou v. Herzurf zur Mutter. Er war Prämienhengst der Körung 2005.

Sambatänzer, wie Meraldik aus einer Vollblutstute gezogen, erblickte das Licht der Welt im Gestüt am Bürgerbusch. Er ist anerkannt bei den Trakehnern und dem ZfdP, hat einen vorzüglichen 30- und 70-Tage-Test abgelegt und ist 2008 nach längerer Verletzungspause wieder in den Turniersport mit Basisprüfungen zurückgekehrt. Zu den besten Nachkommen des Sohnes der Shire Call xx v. Zinaad xx zählt Glückstänzerin, die 2008 Reservesiegerin der Stutfohlen in Dillenburg und damit qualifiziert fürs deutsche Fohlenchampionat war und über die Auktion in Hannover den Besitzer wechselte.

Der Dunkelfuchs Titiano, im April 2008 anlässlich eines Sonderkörtermins gekört, hat eine aus dänischer Zucht stammende Tochter des Schwadroneur zur Mutter. Tamara XXI (eingetragen mit 9-9-7/8-9-8/8) war Auktionsstute. Der im Gestüt Wiesenhof gezogene Hengst hat nach seinem 70-Tage-Test in Schlieckau und der Qualifikation für das Bundeschampionat 2007 eine Boxe im Hengststall seiner Zuchtstätte bezogen und wird hier sicherlich entsprechende sportliche Förderung erfahren.

Mr. Big war Siegerhengst in Rheinland-Pfalz, und mit Tassilo W steht den Züchtern in Österreich ein aus vorzüglicher Mutterlinie gezogener, mit dressurmäßiger Eigenleistung überzeugender Fuchs zur Verfügung.

Besser denn als Hengstmacher scheint sich Münchhausen allerdings als "Damenschneider" zu bewähren. Bereits jetzt führen die Stutbücher verschiedener Verbände über 100 seiner Töchter, 15 davon wurden mit der Staatsprämie ausgezeichnet. Für die Trakehner stellte Münchhausen in den vergangenen Jahren so bedeutende Töchter wie die 2. Jahres-Reservesiegerin und Auktionsspitze 2003, Herzlicht, die Beste Vierjährige in Westfalen 2004, Aida XV, mit Flavia III die Reservesiegerin in Rheinland-Pfalz-Saar 2006 und mit Silvester-Traum (inzwischen umbenannt in Schöner Morgen) die Siegerstute Bayerns von 2008. Mit Rose d'Amour wurde eine Münchhausen-Tochter 2009 Siegerstute in Baden-Württemberg.

Natürlich haben Münchhausens Kinder auch im Sport ein ernstes Wörtchen mitzureden – seine hohen Sport-Zuchtwerte kommen ja nicht von ungefähr. Die ältesten Münchhausen-Nachkommen sind in dieser Saison 10 Jahre alt, und doch sind schon fünf Nachkommen dabei, die Erfolge in Dressurprüfungen bis zur Klasse S erreichen konnten. Der gekörte Meraldik gehört dazu, ebenso der seinerzeitige Trakehner Reitpferdechampion Mon Baron, schimmelfarbener Vollbruder des gleichnamigen gekörten Fuchses, den Willi Feltes unter dem Sattel hat. Elly's Elton a.d. Elena v. Arthus aus der Zucht von Anneliese Wälder in Lindau hat seine Erfolge unter Petra Rampe erzielt. Sozusagen Familien-Erfolgspferd der Camps in Geldern ist Iselle, die Fred Holländer a.d. Isola Valencia v. Velasquez gezogen hat.

In die Fußstapfen dieser S-Pferde folgen weitere jüngere Münchhausen-Kinder, die im vergangenen Jahr schon Erfolge bis zur Klasse M hatten: Lissandro a.d. Lima II v. Marduc, der von Bernd Kosmin gezogen wurde und unter Constanze Jonas erfolgreich geht; Enrico G a.d. Ethik v. Guter Planet aus der Zucht der Familie Gebauer und Domani a.d. Dordogne v. Fabian, den Tilman Pagel aus der Nähe von Würzburg gezogen hat, sind die erfolgreichsten.

© Karin Schweiger 2009
Fotos: Jutta Bauernschmitt, Hengstbuch (Gräfin Dohna), www.trakehnerfoerderverein (J.Rau), Der Trakehner (B.Schnell), Homepage des Gestüts Wiesenhof