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Sapros


Rappe, l.Vbln.inn.schatt.,r.Vbln
geb. 28.04.1980 in Ru

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig000
volljährig17019521.5

Züchter:
Gestüt Kirow b. Rostow am Don/Russland
Aufzüchter:
ders.

Gekört 1998 in Alsfeld

Pedigree

Pepel, R., Dr. int. Piligrim, R. Pythagoras, Db. Dampfroß
Pechmarie
Alster, R. Ararad
Aline
Polyn, Db., Abstammungen infolge der Kriegsereignisse -
-
n. nachweisbar, Reinrassigkeit d. Brandzeichen belegt -
-
Saponka, R. Plafon xx, B. Faktotum xx, Schwbr. Harlekin xx
Frühlingssonne xx
Prelest xx, F. Cyclonik xx
Pantera xx
Soluschka, Db. Ostrjak, Db. Ossian
Sportfreude
Sapadnja, Db. Sund
Pawa

Hengstlinie des Pythagoras (über Piligrim), Stutenfamilie der O396 Pawa (Gestüt Kirow- Russland)

Eigentümer

Ende 1997: aus dem Gestüt Krasnodar/Russalnd importiert
seit 1998: Gottfried bzw. Georg Hoogen, Kevelaer- Kervenheim, Rheinland

Stationierung

seit 1998: Privatbeschäler Gestüt Vogelsangshof Kevelaer- Kervenheim

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung keine (Eigenleistung im Springsport)

Charakter: - Schritt: -
Temperament: - Trab: -
Leistungsbereitschaft: - Galopp: -
Leistungsfähigkeit: - Springanlage: -
Rittigkeit: - Geländeprüfung: -
Rittigkeitsindex: - Springindex: -
Gesamtindex: - Leistungsklasse: -

Turniersporterfolge:
Eigenleistung aufgrund von Turniererfolgen im Springsport in Russland abgelegt. Unter anderem sieben erste, zwei zweite und zwei dritte Plätze in Springprüfungen der Klasse S.

Nachzucht

Exterieur:
Anzahl TöchterTypOberkörperFundamentSchrittTrabGaloppGesamt-
eindruck
Gesamt-
zuchtwert
Widerrist-
abweichung
311079390 57645382 710,1


Gekörte Söhne (1): Marcato

Töchter (40): Trakeningken, Rhea, St.Pr.u.Pr.St.Herzfeder, Lucca v. Steinberg, Sangritta II, Kariere III, Taggi, St.Pr.u.Pr.St. Talussen, Misty, Distelkrone, Gina XIV, Rapunzel V, Herzensgut, Montanara Ma, Gospoja, Georgina IV, Brennessel, Sira VI, Waldsonne, Kerry II, Schnuppe, Rheingold II, Alisa II, Marquise IV, Ucira, Glory Girl, Fleur Elfent., Viviane III, Hermine IV, Markgräfin, Shakira V, Panja XVI, Lilofeee X, u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:56
davon mit Platzierungen:18
davon in Klasse M. und S.:3

Sapros

„Trakehner Adel von höchster Bonität verkörpert dieser großrahmige Sohn des Olympiasiegers Pepel. Sein phantastisches Auge, der Ausdruck und seine souveränes Auftreten lassen keinen Betrachter unberührt. Das hohe Alter und die sehr gute Eigenleistung im Springsport hinterließen zweifelsohne einige Spuren am Exterieur, doch Markanz und Trockenheit dokumentieren seine Härte und Leistungsbereitschaft. Hinsichtlich Abstammung, Eigenleistung und Charisma ist er ein hoch einzuschätzender Beschäler.“

Wohl selten zuvor wurde einem neu in die Zucht eintretenden Vererber eine Beschreibung zuteil wie sie der Zuchtleiter im Anschluss an die Körung des Pythagoras- Urenkels Sapros im Januar 1998 dokumentierte.

In seiner Aura und mit seinem klaren Rassetyp nach klassischen Vorstellungen lässt der eindrucksvolle Rappe Erinnerungen an große Beschälerpersönlichkeiten der Vergangenheit wach werden.

Mütterlicherseits führt er auf die dunkelbraune, 1943 geborenen Pawa zurück, deren Abstammung aufgrund der Kriegsereignisse verloren ging, ihre Herkunft aus dem Hauptgestüt Trakehnen jedoch durch den Brand der einfachen Elchschaufel auf dem rechten Hinterschenkel demonstrierte. Nach Kirow überführt, brachte sie ab 1946 vier lebende Fohlen und wurde bereits 1955 verkauft.

1951 wurde ihre Tochter Sapandja v. Sund geboren, die den jungen Stamm weiter führte. Ihr Vater war ein 1935 geborener Originaltrakehner v. Pilger u.d. Susanne v. Praetor, diente von 1940 – 1944 las Landbeschäler in Rastenburg und danach von 1948 – 1950 als Hauptbeschäler in Kirow.

Der großrahmige, starke, im Dampfroß-Typ stehende Hengst findet durch seine Halbschwester Suska v. Hellespont Anknüpfungspunkte zur westdeutschen Zucht. Sunds Großmutter Summe v. Islam hinterließ mit ihrem Sohn Schachzug v. Dampfroß ebenfalls einen Rastenburger Landbeschäler, der sowohl in Trakehnen als auch später in Kirow auch als Hauptbeschäler eingesetzt wurde.

Sapandja schuf in Kirow eine Familie, die zu den tragenden Säulen der Herde wurde. Zahlreiche Mitglieder der Familie tragen das Prädikat „Elite“ das die höchste Bewertung in sportlicher und züchterischer Hinsicht darstellt und ohne weiteres dem deutschen Elitesystem vergleichbar ist – allerdings mit noch größerer Betonung des Kriteriums Eigenleistung.

So absolvierte Sapros’ Großmutter Soluschka bevor sie ihr züchterische Laufbahn einschlug, eine harte Prüfung auf der Rennbahn. Zwei Jahre stand sie im Rennstall in Baku, bestritt sieben Rennen und errang zwei zweite und einen dritten Platz.

Über ihren Vater Ostrjak wird weiteres international renommiertes Leistungsblut zugeführt. Der prägende Vererber, der der Kirower Zucht über Jahre hinweg seinen Stempel aufdrückte, führte väterlicherseits über Ossian auf den großen Trakehner Hauptbeschäler Pilger zurück, der sich unter seinen „Hauptbeschälerkollegen“ den klangvollsten Namen im Hinblick auf die Lieferung von erstklassigen Dressurpferden machte. Herausragendes Beispiel ist Felix Bürkners überlegener Dressurstar Herder. Ostrjak startete in jungen Jahren in 17 rennen und errang drei Sieger und zehn Platzierungen. Mütterlicherseits ist er zudem eng verbunden mit dem in deutscher Zucht als Leistungsvererber hoch verehrten Sporn v. Pythagoras. Über seinen Enkel Blesk und den großen Biotop – bereits als Urenkel- hat sich’s ein wertvolles Erbe auch in deutscher Zucht verzweigt.

Sapros’ Mutter Saponka bringt die Einflüsse des Englischen Vollblüters zum Tragen. Ihr Vater Plafon xx entstammt erstklassigen Graditzer Linien. Faktotum xx gewann das Derby der sozialistischen Republiken und wirkte danach in den Sportpferdezuchten Osteuropas. Sein Vater Harlekin xx, ebenfalls Derbysieger, führt über Fels xx das Blut der Ausnahmestute Festa xx v. St. Simon xx und weiter den erstklassigen Hannibal xx, den Siegfried Graf von Lehndorff gemeinsam mit Chamant xx, Nuage xx, Dark Ronald xx und Herold xx zu den fünf Vollblütern zählt, die sich in Graditz von 1866 – 1922 am besten bewährt haben.

Sapros zählt zu Pepels letztem Jahrgang; die züchterische Laufbahn von Elena Petruschkovas Weltmeisterschafts- und Olympiadressurpferd ging 1980 zu Ende. Seine Vaterlinie war in Kirow durch den Pythagoras- Sohn Piligrim begründet worden. Der 1944 geborenen Rappe wurde zu einem der bedeutendsten Träger der russischen Trakehner Zucht. Lassen wir ihn von A. Warnawski, bedeutender russischer Hippologe und langjähriger oberster Leiter der dortigen Trakehner Zucht, kommentieren:

„Man erkannte die hervorragenden Eigenschaften dieses Pferdes und bemühte sich um einen planmäßigen Aufbau seiner Linie. Piligrim- Blut wurde in vier Staatsgestüten, die sich in ihrer geografischen Lage und den klimatischen Verhältnissen deutlich unterschieden, planmäßig gesammelt. Recht bald zeigten sich die hervorragenden Leistungseigenschaften der Piligrim- Nachkommenschaft im Sport. Seine Kinder entsprachen bei ihrer ersten Bewertung im alter von zwei Jahren der Elite- Klasse und zwar in allen Merkmalen, die zur Bonitierung zählen:
Absatmmung, Typ, Exterieur, Maße, Leistungsfähigkeit und Vererbung. Piligrim, das letzte Fohlen der Alster v. Ararad, erinnerte im Exterieur und Körper an seinen Vater, war jedoch größer und stärker. Er wurde als Spitzenbeschäler im Haupt- Trakehnergestüt ‚S.M. Kirov’ eingesetzt. Hier stand er von 1947 bis 1963 und lieferte 227 Zuchtpferde, darunter 30 Mutterstuten und 10 Beschäler für Kirow. Ungeachtet, dass die Zuchtvoraussetzungen damals nicht immer befriedigten – besonders während der ersten fünf bis sechs Jahre nach dem Krieg – hinterließ Piligrim im Vergleich zu anderen Beschälern die größere Zahl an bedeutenden Zuchtpferden. Die besten Produkte ergaben Paarungen mit Stuten der Pilger- und Parsival- Linien und auch mit Vollbluttöchtern.“

Während sein gleichaltriger Bruder Wipas nach erfolgreicher Sportlerkarriere ab 1980 in der Kirower Zucht eingesetzt wurde, blieb Sapros dieser Weg vorerst verwehrt. 15 Jahre lang wurde er im Sport hart geprüft: Mit zahlreichen Erfolgen auf höchster Ebene demonstrierte er Härte, Leistungsbereitschaft und auch und dies vor allem ein unerschütterliches Interieur. Stets ging eine besondere Aura von ihm aus.. und dies bis zum heutigen Tag.

Als der Trakehner Grandseigneur Gottfried Hoogen – immer auf der Suche nach neuen Genen und wertvollen Eigenschaften und vor allem mit dem Herzen beim russischen Trakehner- ihn in Russland entdeckte, war es die häufig so strapazierte „Liebe auf den ersten Blick“, die ihn den Hengst erwerben ließ. Doch nicht nur solche Gefühle, sondern auch die Visionen eines großen Pferdemannes.

Als Sapros in Alsfeld anlässlich seiner Körung vorgestellt wurde, verfielen seiner Ausstrahlung und seinem strahlendem Adel zahlreiche Beobachter – vom unerfahrenen Laien bis zum erfahrenen Hippologen.

Sapros erfreute sich danach auf dem Vogelsangshof des Zuspruchs zahlreicher Stuten. Die ersten Jahre zählte er zu den am höchsten frequentierten Vererbern.

Auch wenn der alte Heros in züchterischer Hinsicht – vor allem im Hinblich auf Erhaltung und Verbesserung von Bewegungsqualitäten – nicht alle Anforderungen erfüllt hat, so tragen doch viele seiner Kinder seine unverwechselbare Typprägung, so wie es ein großer Hippologe formulierte „........trägt die Merkmale vollendeter Züchtung an sich!“.

Seine Nachkommen befinden sich im besten Alter, man wird noch von ihnen hören- in den richtigen Händen natürlich. Zuchtwertindices hin oder her, niedrig oder hoch....

Seine ältesten Kinder sind 2007 achtjährig; im Jahre 2006 waren es drei Sapros- Kinder, die am Beginn einer erfolgreichen Sportlerkarriere stehen und die ersten erfolge in M- und S- Prüfungen verbuchen konnten:

Hip Hop Star W a.d. Hexe v. Symbol behauptet sich in Springprüfungen bis S, Shalimar a.d. Sira v. Sir Chamberlain bestreitet Dressurprüfungen auf M- Niveau, Piena a.d. Pomona II v. Mackensen ging hochplatziert aus M- und S- Fahrprüfungen hervor. Dies sind erste Anzeichen für die Sportlichkeit seiner Vererbung, weitere Beweise werden folgen, denn Sapros- Nachzucht befindet sich im sprichwörtlichen „besten Alter.“

Sein Sohn Marcato a.d. hochprämierten Marchesa v. Kosmonaut ox, der besten Vollblutaraber- Tochter der Zucht, wurde gekört. – ein ungemein athletischer, nobler, im Exterieur beeindruckender Gleichgewichtshengst. Zum günstigen Kurs erwarben ihn die amerikanischen Trakehner Freunde und freuten sich diebisch.... Dort angekommen gilt ihm hohe Begehrlichkeit!

Zucht – und insbesondere Pferdezucht profitiert von Geduld und dem sprichwörtlichen „In Generationen denken“. Von solchem Denken wird auch Sapros profitieren, denn seine Gene sind so wertvoll und in ihrer Eigenleistung ebenso wirkungsvoll dokumentiert, dass noch Einiges an sportlichen und züchterischen Impulsen zu erwarten ist – und sei es aus der zweiten Reihe, sprich der zweiten und dritten Generation.


Text: Erhard Schulte