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Shannon


Braun, Schn., L.Vbln. Fleck, bd.
geb. 15.01.1983

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig16219321.3
volljährig164021.3

Züchter:
Fritz-Henning Bähre, Gestüt Webelsgrund, Springe/Deister
Aufzüchter:
Fritz-Henning Bähre, Gestüt Webelsgrund, Springe/Deister

Gekört 1985 Neumünster

www.gut-posewitz.de

Pedigree

Tenor, B Tümmler, Db Heros, F Humboldt
Toga
Tuberose, Hb Burnus AAH
Tuba
Tilsit, Sb, ZL: 13/10 Herzbube, Sb Gunnar
Herbstgold
Tip-Top, Db Totilas
Tatiana
Schatztruhe, B, ZL: 6/5 Kurfürst, B Pregel, Sch Tropenwald
Peraea
Kordilliere, Sb Stern xx
Kordoba
Schwalbentreue, R, ZL: 14/10 Impuls, B Humboldt
Italia
Schwarze Schwalbe, R Traumgeist xx
Schwalbe

Hengstlinie des Humboldt (Perfectionist xx), Stutenfamilie der O35A1a Schwarze Schwalbe (Gestüt Webelsgrund)

Eigentümer

1986-1989: Trakehner Gestüt Rantzau, Rantzau
1990-1999: Bodo und Natascha Klopsch, Gesüt an der Ronneburg, Ronneburg
2000-heute: Solveig Schmitz, Trakehner Gestüt Gut Posewitz, Comburg

Stationierung

1986-1989: Trakehner Gestüt Rantzau Schleswig-Holstein
1990-1995: Privatbeschäler Gestüt an der Ronneburg Hessen
1996-1997: Leihhengst Highwell Stud in Darlington Großbritannien
1998: nicht aufgestellt
1999-heute: Privatbeschäler Trakehner Gestüt Gut Posewitz in Camburg Thüringen

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung Klosterhof Medingen 1986

Charakter: 8,00 Schritt: 6,33 (Training: 7,00)
Temperament: 6,00 Trab: 7,33 (Training: 7,00)
Leistungsbereitschaft: 7,00 Galopp: 6,67 (Training: 7,00)
Leistungsfähigkeit: 7,00 Springanlage: FS: 5,5, Parcours: 6,67
Rittigkeit: 7,00 (Training: 7,00) Geländeprüfung: 7,33
Rittigkeitsindex: 114,45 Springindex: 97,27
Gesamtindex: 111,32 (17./49) Leistungsklasse: II

Turniersporterfolge:


Nachzucht

Exterieur nicht gelistet, da erforderliche Mindestanzahl von 10 beim Trakehner Verband eingetragenen Töchtern nicht erfüllt.

Gekörte Söhne (3): Polarjäger, Donaufeuer, Aventin

Töchter (7): Desdemona, Dobra, Zauberprinzessin, Mara, Saranbande, Petty Pat, Karmina Burana

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:36
davon mit Platzierungen:10
davon in Klasse M. und S.:6


Neben den Familien des Hauptgestüts Trakehnen sind es vor allem die Familien der Dohnaschen Zucht gewesen, die maßgeblichen Anteil am Wiederaufbau der Trakehner Zucht in Westdeutschland besitzen.

31 Mutterstuten eines Gestüts – das war nahezu der gesamte weibliche Zuchtbestand - konnte Alexander Fürst zu Dohna in einem wohl organisierten Treck in den Westen retten.
Es waren die Stuten, die in den beiden Gestütsvorwerken Schlobitten und Prökelwitz beheimatet gewesen waren, wobei Prökelwitz in qualitätsmäßiger Hinsicht die Oberhand hatte.

So haben die Familiendynastien der Kordel, ihrer Tochter J. Kordel, Korinthe, Bea, Oka, auch Glockenblume und Melisse der gegenwärtigen Gesamtzucht weitreichende Einflüsse vermittelt – und dies mit weltweiter Ausstrahlung!

In Schlobitten war die schwarze Saaleck, eine Tochter des Dohnaschen Hauptvererbers Erhabener aus einer Mutter von Bachus, der wiederum ein Sohn des hochedlen, gangstarken Trakehner Hauptbeschälers Americus xx, geboren worden.

Ihre mütterliche Familie zählte zu den eher weniger bedeutenden der damaligen Dohnaschen Zucht, eine damalige Feststellung, die sich in der westdeutschen Zucht ins Gegenteil umkehren sollte.

Mit Härte, Energie und in vorbildlicher Leistungsbereitschaft hatte die 1941 geborene Saaleck den Treckwagen bis ins Hannoversche gezogen. Kurze Zeit später fand sie bei dem Züchter des olympischen Siegers Nurmi, Hans Paul im holsteinischen Rethwisch, eine neue Heimat und verheißungsvolle züchterische Wirkungsstätte.

Gemäß ostpreußischer Tradition, wo sich die ostpreußische Warmblutstute Trakehner Abstammung auf allen Gebieten zu bewähren hatte, behauptete sie sich sowohl in der Zucht mit 10 lebenden Fohlen in 14 Zuchtjahren, als auch in der täglichen Arbeit im Ackergespann, vor dem Wagen und an den Wochenenden auch auf den ländlichen Turnieren der Umgebung.
Drei ihrer Töchter waren in der Lage bedeutende und weit verzweigte Familien zu begründen: Auf ihre Burnus- Tochter Schwedenmädel führt beispielsweise der in Dänemark als sportlicher Spitzenvererber hoch angesehene Schwedengruß zurück..

Dem Zweig der Totilas- Tochter Serenade gehören Hengste wie Sastor oder Seeräuber an.
Weitaus bedeutungsvoller entwickelte sich jedoch der Familienzweig, den Serenades Vollschwester Schwalbe zu entwickeln wusste.

Die DLG- preisgekrönte Saaleck- Tochter war ein langes Leben lang Mittelpunkt der Rantzauer Stutenherde und Aushängeschild der gesamten Zucht. „Schwalbe- Pferde“ haben sich angeschickt, unübersehbaren gesamtzüchterischen Einfluss zu nehmen.

Während ihre Töchter Schwadron v. Gondolier, Scherezad v. Marusk ox und Schwinge v. Habicht in und über Rantzau das Erbe ihrer Mutter weit verbreiteten, unternahm es Schwalbes kleine, leichte, dabei in Typ und Adel jedoch entzückende Schwarze Schwalbe v. Traumgeist xx im Gestüt Webelsgrund ihre eigenen Dynastie zu formen.

Anlässlich der Körungen in Neumünster standen allein vier Siegerhengste aus ihrer direkten Familie im Rampenlicht: Schwalbenfreund im Jahre 1975, Santiago im Jahre 1980, Seigneur im Jahre 1986 und ganz aktuell mit Songline ein Spitzenpferd seltener Machart; gleichzeitig Preisrekordler in fast fünfzigjähriger Neumünsteraner Hengstauktion.

Die erwähnten Spitzenhengste und so mancher weiterer Gekörter aus dem „ Schwarze Schwalbe“- Erbe repräsentiert den Zweig der Blutlinie, die durch Schwalbenlied- Schwalbenburg- Schwalbenlust und Schwalbenspiel im Gestüt Hämelschenburg auf sicherem, da besonders qualitätvollem Fundament ruht.

Am 15. Januar 1983 wurde im niedersächsischen Springe aus der Schwarze Schwalbe- Enkelin Schatztruhe v. Kurfürst ein Hengstfohlen geboren, das mit seiner Großmutter Schwalbentreue v. Impuls den Webelsgrunder Zweig der mütterlichen Familie vertrat.
Unter dem Namen Schirmherr betrat er zwei Jahre später das Körparkett in Neumünster und wurde Reservesieger - nicht unumstritten übrigens, denn mit 162 cm Stockmaß zählte er bereits damals zu den Hengsten, deren geringe Größe den Zuchtverantwortlichen eher bedenklich erschien.

Als Shannon wurde er vom neuen Besitzer, dem Trakehner Gestüt Rantzau aufgestellt. Das traditionsreiche Gestüt war damals noch auf der Suche nach neuen bewährten Genen. Shannon erfüllte in dieser Hinsicht hohe Ansprüche: Vater Tenor galt als Erhalter der alten, auch unter sportlichen Gesichtspunkten wertvollen Humboldt- Linie. Die Mutter stammte aus einem Hause, das zu jenem Zeitpunkt bereits als elitär beschrieben werden kann: Schatztruhe war Vollschwester des bewegungsstarken Schlehdorn, der nach Mexiko veräußert wurde, aber auch eine mütterliche Schwester zur Saint Tropez- Mutter Schwarzach und dem M- Dressur erfolgreichen Schwalbenprinz v. Polargeist.

Mit Shannons Vollschwester Schöner Tag hatte Schatztruhe zudem die Begründerin einer neuen Linie im Gestüt Schralling hervorgebracht, deren Töchter, in Front die Siegerstute Schöner Morgen, häufig Zentrale Eintragungen, Landesschauen und Bundesschauen beherrschten. Auch Leonie Bramalls häufig in S- Konkurrenzen siegreicher und hochplatzierter Showtime v. Polarpunkt zählt zur Dynastie.

Hervorragende sportliche Referenzen demnach, die Shannon mitbrachte und die er auch in seiner HLP dokumentierte: Gesamtindex von mehr als 110 und Leistungsklasse II.
Als Dreijähriger eher spätreif und noch längst nicht ausgereift war sein Abschneiden in der Abteilung „Springen“ eher enttäuschend, doch eine vorbildliche Arbeitseinstellung bei lupenreinem Interieur wurden besonders herausgestellt.

Als „ In Rasse- und Geschlechtstyp herausragender Vertreter seiner Rasse mit sehr guter Zuchtqualität. Abstammungsmäßig sehr konsolidiert gezogen. Bei mittlerer Größe in betont großem Rahmen stehend, etwas lang in der Verbindung. Bedeutend und korrekt im Unterbau. Im Gang geregelt und raumgreifend.“ So beschreibt ihn das Hengstbuch und dokumentiert damit auch Merkmale, die durch seine wertvolle Blutführung vorgegeben sind.

In Rantzau kam Shannon trotz zweijährigem Aufenthalt in den Genuss der größten züchterischen Chancen seines Lebensweges, die er auch zu nutzen wusste:
Mit der Rantzauer Spitzenstute Polartraum v. Schiwago fiel der später bis S- erfolgreiche Dressurhengst Polarjäger, der trotz einer gewissen Spannungsgeladenheit im gesamten Habitus und der Bewegungsdarstellung den Nimbus eines Gangvererbers genießt.
Der zweite gekörte Sohn Donaufeuer stammt aus der Habicht- Tochter Domina, die mit Dernier cri einen nationalen Dressurhelden mit zahlreichen Erfolgen stellte. Auch Donaufeuer wurde in seinem züchterischen Wert vielleicht nicht erkannt, so dass wertvolle Gene verloren gingen.

Unter Shannons wenigen Töchtern ragt die hochprämierte Desdemona heraus, die in ihrem Typ, ihren vornehmen Manieren und in ihrer Bewegungsstärke auf Schauen bezauberte.
Die züchterische Karriere von Shannon fiel in die Jahre der Auflösung des Gestüts Rantzau, ein Ereignis, das ein Handicap hinsichtlich einer breiteren Einflussnahme des jungen Vererbers bedeutete.

Das Ehepaar Klopsch erwarb ihn für ihr neu gegründetes Gestüt an der Ronneburg im hessischen Ronneburg. Heiß geliebt und von den neuen Besitzern mit viele Engagement gemanagt, führt die Laufbahn an neuem Standort doch leider keineswegs zu einem Ansturm von Gaststuten.

Ein zweijähriger Deck- Aufenthalt als Leihhengst im nordenglischen Darlington führt ebenfalls zu keiner breiteren züchterischen Einflussnahme.

Wie es einem in allen Merkmalen seines Interieurs nahezu vorbildlichem Hengst schlussendlich zukommt: Shannon bleibt im Familienbesitz und residiert nun bereits seit dem Jahre 2000 im Trakehner Gestüt Gut Posewitz im thüringischen Camburg. “Wir sind nicht nur Partner, wir sind Freunde.“ Und „Es ist der elegante Grandseigneur, der uns mit seiner Ausstrahlung, seinem Charakter und seiner Persönlichkeit begeistert!“ - Diese Zitate beschreiben die Beziehung seiner Besitzer zu ihrem Hengst besonders treffend!

Shannon ist betagt mittlerweile, dennoch lodert immer noch das Feuer seiner Rasse in ihm. In Rassetyp, Adel und Schönheit stellt er sich als besonders typischer Vertreter der alten Zucht dar, die 2007 ihr 275jähriges Jubiläum begeht.

Trotz seiner geringen Nutzung hat Shannon 10 von L bis S platzierte Nachkommen gestellt: Polarjäger in S, Donaufeuer und Hurry Up in M- Dressuren, Aberdeen und Störtenbecker in Springen derselben Ebene und Avellino in Fahrprüfungen auf M- Niveau.
Auch damit hat der alte Hengst die Anforderungen erfüllt, die man an einen Repräsentanten seiner Rasse stellt: Er hat Härte, Leistungsbereitschaft und Sportlichkeit demonstriert - dies nicht zuletzt durch einen erheblichen Teil seiner überschaubaren Nachkommenschar, der sich bis zur höheren Ebenen erfolgreich im Sport behauptet.

Text und ©: Erhard Schulte