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Long Deal


Braun, St., bd.Vfsl. u.bd.Hfsl. unreg.w.
geb. 09.03.1988

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig
volljährig16320.5

Züchter:
Wladimir Tscherkesov, Zelinski Raxon, Rostov (RUS)
Aufzüchter:
Gestüt Kirow, Rostov/Don (RUS)

Gekört 2002 Hengstmarkt Neumünster

www.hengststation-geling.de

Pedigree

Alarm III, F. 1970 Neujahr, F. 1953 Neumond, B. 1931 Dampfross
Neumark
Handfeste, F. 1937 Hirtensang, EH
Handgranate
ES Almut, F. 1957, ZL: 14/11 Klingsor, F. 1936 Hirtensang, EH
Konduiramur
Alraune, Sb. 1943 Pythagoras, EH
Alarmierung
Prjacha, B. 1979 Hockey, B. 1973, EH Pomeranets ox, F. 1952 Priboj ox
Mammona ox
Hasa, B. 1957, ES Hrisolit, EH
Sapadnja, ES
Prichot, B. 1963 Piligrim, R. 1944, EH Pythagoras, EH
Alster
Hirurgija, F. 19453 Hasavat, EH
Chrisantema

Hengstlinie des Dampfross, Stutenfamilie der T 15 Fanny (Hauptgestüt Trakehnen)

Eigentümer

Heinz Fromberger, Osterade:

Stationierung

2003: Gestüt Tasdorf Schleswig-Holstein
seit 2004: EU-Besamungsstation Geling / Gestüt Hohenschmark SH

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung keine abgelegt, Anerkennung über Sporterfolge

Charakter: - Schritt: -
Temperament: - Trab: -
Leistungsbereitschaft: - Galopp: -
Leistungsfähigkeit: - Springanlage: -
Rittigkeit: - Geländeprüfung: -
Rittigkeitsindex: - Springindex: -
Gesamtindex: - Leistungsklasse: -

Turniersporterfolge:
35 Platzierungen an 1.-3. Stelle und 44 weitere in Springen Klasse S

Nachzucht

Exterieur nicht gelistet, da erforderliche Mindestanzahl von 10 beim Trakehner Verband eingetragenen Töchtern nicht erfüllt.

Gekörte Söhne (1): -

Töchter (1): -

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:-
davon mit Platzierungen:-
davon in Klasse M. und S.:-


Der Russe Long Deal wurde nach erfolgreicher Karriere im Springsport 2002 vom deutschen Trakehner Verband anerkannt und steht derzeit auf der EU-Besamungsstation im schleswig-holsteinischen Gestüt Hohenschmark den Trakehner Züchtern per FS und TG zur Verfügung. Ebenfalls anerkannt ist der früher in seiner russischen Heimat unter dem Namen Parus bekannte Braune vom Oldenburger Zuchtverband.

Zuchtleiter Lars Gehrmann beschrieb den damals 14-jährigen Hengst bei der Körung in Neumünster wie folgt: „Typvoller, praktischer und beweglicher Hengst, der bei mittlerem Stockmaß noch genügend Rahmen verkörpert, wobei er in der Oberlinie ausdrucksvoller sein könnte. Schönes Vorderpferd mit guter Halsung und korrektem Fundament. Im Trab etwas begrenzt, dabei ausgestattet mit einer guten Galoppade. Die vielen Siege und Platzierungen in Springprüfungen der Klasse S unterstreichen seine Kämpfernatur, Klugheit und Übersicht.“ Nicht ganz zu Unrecht wird der Hengst da wohl als „Springgenie aus russischer Elitezucht“ beworben. Als Sporthengst bringt er Leistungsbereitschaft mit, als Vererber das Blut der schmal gewordenen Leistungslinie des Dampfross.

Long Deal hatte in Deutschland, zunächst unter Otto Becker und später unter Jochen Fromberger, zahlreiche Siege und Platzierungen in Springprüfungen bis zur Klasse S. Über 75 Schleifen, davon eine Menge goldene, aus Prüfungen der höchsten Klasse stecken im Schleifenkasten des Hengstes.

Auffallend in Long Deals Pedigree ist nicht nur die große Anzahl der in der russischen Zucht als Elitehengste und -stuten geführten Ahnen, sondern auch die Blutleere. Wie viele andere russische Trakehner führt auch Long Deal in den ersten vier Generationen keinen englischen Vollblüter; eine Tatsache, die aufgrund des edlen Erscheinungsbildes der Hengste bei der Anpaarung oft außer Acht gelassen wird – was sich nicht selten in recht gewöhnlichen Zügen bei den Fohlen rächt. Präsent – und auch das hat Long Deal mit vielen seiner russischen Beschälerkollegen gemein – ist hier aber das arabische Vollblut, bei Long Deal in sportlich und züchterisch wohl kaum mehr zu übertreffender Qualität in Form von Pomeranets ox und seinem Vater Priboj ox. Gemeinsame Ahnen finden wir in Long Deals Pedigree erst in der vierten Ahnenreihe, nämlich die in der russischen Zucht als Elitehengste geführten Originaltrakehner Hirtensang und Pythagoras.

Der Vater

Long Deals Vater Alarm III gehört zu den wenigen Hengsten deutscher Zucht, die sich weit nach Kriegsende in der russischen Trakehnerzucht einen Namen machen konnten. Im Übrigen war Alarm sozusagen ein Globetrotter in Sachen Zucht – er deckte in der ehemaligen DDR, im russischen Gestüt Kirow und in Bayern.

Über seinen Vater Neujahr ist er nicht nur ein Enkel des in Trakehnen geborenen Marienwerder Landbeschälers Neumond, sondern auch ein Enkel der Hirtensang-Tochter Handfeste, die die drei Jahre ältere Vollschwester der im Westen eingesetzten Handschrift war. Als solche gehörte Handfeste zu einer der ältesten Trakehner Hauptgestütsfamilien, nämlich der der in der Türkei geborenen und 1787 eingestellten Araberstute Fatme ox. Hauptexponentin dieses Zweiges in Westdeutschland war Handschelle v. Polarstern u.d. Handelskammer v. Ararad, aus deren Zweig Beschäler wie Prusso, Handelsherr, Händel, Horrido, Lombarde, Hagedorn, Halifax und vor allem Habicht hervorgingen.

Alarms Mutter Almut, eine Fuchsstute mit 1.60 m Stockmaß und einer 19.0-Röhre, gehört zu den außergewöhnlichsten Stuten in der ehemaligen DDR. Die im Brandenburgischen gezogene Tochter der Familienbegründerin Alraune (Familie T10G) wurde nicht nur mit 85 Punkten ins Stutbuch eingetragen, sie ist auch Mutter der Prämienstuten Anmuth (v. Karneol), Altesse (v. Karneol) und Alveole (v. Ramses) sowie der Staatsprämien- und Elitestute Altea (v. Ralf), die in 19 Zuchtjahren 17 Fohlen brachte und Mutter der Hengste Altan II (v. Vers I) und Altgold (v. Opal) sowie der Prämienstuten Altena (v. Inster Graditz) und Alternative (v. Vers I) wurde. Alarms Halbschwestern brachten ebenso wie deren Töchter mehrere gekörte Hengste, die sich in der Hengstprüfungsanstalt Neustadt/Dosse durch vordere Plätze bzw. einen Leistungssieger (Antritt v. Opal) im Vergleich mit anderen Warmblütern auszeichneten – eine Tatsache, die die Erbsicherheit der Stutenfamilie unterstreicht.

Klaus Roericht erinnert sich an dieses außergewöhliche Juwel: „Alarm III entstammte der Stutenfamilie der Tiberius'sche 165, die sich in 17 Generationen auf das Jahr 1782 in Trakehnen zurückführen lässt. Seine Großmutter Alraune, die am 18.4.1943 in Trakehnen von Pythagoras aus der Rappstute Alarmierung geboren wurde, kam am 13.3.1945 laut Original-Fohlenschein, unterschrieben von Dr. Ehlert, von Berlin/Mecklenburg als Zweijährige zu Herrn Wilhelm Schulze, Barsikov bei Neustadt/Dosse. Dieser züchtete mit dem Hengst Klingsor, der durch einen erfolgreichen Ausreißversuch den Abtransport nach Russland „versäumte“, die 1957 geborene Stute Almut. Klingsor stammt von Hirtensang aus der Konduiramur v. Fahnenträger, aus der Zucht von Zitzewitz-Weedern.

Bis 1966 wurde Almut nicht züchterisch genutzt und sollte in diesem Jahr, um nicht in schlechte Hände zu kommen, zum Schlachter gehen. Sie wurde durch einen Zufall, den Blick eines echten Pferdekenners, gerettet und von Professor Schwark nach Kölsa vermittelt. Ihr zweites Fohlen von Neujahr, dessen Vater Neumond wie auch seine Mutter Handfeste dem Hauptgestüt Trakehnen entstammten, war Alarm.

Ab einem Lebensalter von 13 Jahren brachte Almut in zwölf Zuchtjahren elf lebende Fohlen, darunter sechs Hauptstammbuchstuten, von denen vier die Staatsprämie erhielten. Almut war einmalig einsatzbereit unter dem Reiter wie auch im Wagen und wie alle Klingsor-Töchter bis ins hohe Alter fruchtbar, zäh, schnell und nicht ermüdbar.“

Über Alraune und Handgranate fließt in Alarms Pedigree traditionell schweres Trakehner Rappenblut ein, auch die Mutter von Hirtensang bringt schweres Blut mit – so ist denn Alarm auch als Verstärker anzusehen. In Ganschow traf der Hengst da nicht auf die optimal passende Stutengrundlage, denn auch hier war viel, vor allem polnisches Erhalterblut zu finden. Das russische Gestüt Kirow suchte mit diesem Hengst vor allem das in Russland begehrte Dampfross-Blut zu verbreiten, aber auch hier wurden ihm viele von schweren Erbelementen geprägte Stuten zugeführt. Am besten passte der Hengst wohl in Großwaltersdorf, wo viele Stuten mit Edelblut der Trakehner Fuchsherde standen. Den Lebensabend verbrachte Alarm im bayerischen Gestüt Schralling, wo ihm noch einige edle Stuten zugeführt wurden.

Alarm III hinterließ der Zucht drei gekörte Söhne und über 50 Trakehner Stuten, davon acht Staatsprämienstuten. Seine Tochter Danilea IV ist die Großmutter von Der Dürer. Aus derselben Stutenfamilie stammen außerdem die S-Springpferde Altenbach TSF v. Sansscouci und Allenstein v. Nerv sowie der inzwischen bereits bis zur Klasse M im Springen erfolgreiche Austerlitz v. Schenkendorf, ein Halbbruder der Allenstein.

Die Mutter

Long Deals Mutter Prjacha, die neben dem Springpferd Long Deal mit Priboj auch einen im internationalen Dressursport erfolgreichen Sohn brachte, ist eine Tochter des wohl legendärsten russischen Trakehnerhengstes Hockey. Der 1973 geborene und 1995 in Dänemark gestorbene Braune ist eine Zuchtlegende, die Inkarnation des russischen Erfolgsrezepts, nämlich der Anpaarung leistungsgeprüfter Araber an Trakehner Mutterstuten.

Hockey war einer der ganz wenigen Hengste, die an der russischen Leistungsprüfung, den Rennen, scheiterten – so kam Hockey schon dreijährig zum Zuchteinsatz. Er relativierte sein Versagen später mit Erfolgen in Dressurprüfungen höherer Klasse. In seiner Laufbahn hat der Hengst wohl 350 Fohlen im Natursprung gezeugt – eine reife Vitalitätsleistung. Dabei soll er von Charakter und Temperament so unkompliziert gewesen sein, dass sogar siebenjährige Kinder mit ihm umgehen konnten.

Hockey hat über 40 Nachkommen in der Sport-Weltrangliste Dressur und Springen stehen, am bekanntesten in unseren Breiten natürlich die Söhne Almox Prints, Perechlest und noch immer Podchod sowie die Enkel Biotop, Rathbawn Valet, Chromogen und natürlich Long Deal. Die Zahl seiner in der Zucht weltweit eingesetzten Kinder und Enkel ist Legion, allein 17 seiner Söhne tragen in verschiedenen Ländern der Welt den Elitetitel.

Hockeys Vater Pomeranets ox ist in Russland nicht weniger Legende als sein großer Sohn. Er war mehrfach Araber-Champion der UdSSR und hatte als solcher nur begrenzten Einsatz in der Trakehnerzucht, brachte aber dennoch u.a. den Vielseitigkeitschampion Paket und die Mütter der Olympiapferde Topki und Espadron. Auch Pomeranets’ väterlicher Halbbruder Topol ox genießt sowohl in Russland als auch in der westlichen Welt einen guten Ruf. Normativ ox, eine Ausnahmeerscheinung in der heutigen Zucht, stammt aus einer Topol-Mutter, Kosmonaut ox, bei Gottfried Hoogen hochbewährt, stammt von demselben Topol-Sohn Naftalin wie der Muttervater des hoffnungsvollen und sporterprobten Halbarabers Brioni.

Hockeys Mutter Hasa war eine Elitestute, wie man kaum eine findet, der ein solcher Titel mehr zusteht. 15 Fohlen brachte diese Ausnahmestute, von ihren sieben Töchtern erhielten sechs ebenfalls den Elitetitel. Vier Söhne der Hasa wurden zu Elitehengsten gekürt. Aus deutscher Sicht die wertvollsten Kinder der Hasa dürften neben Hockey der hocherfolgreiche Springhengst Herson, Vater des derzeit sehr gefragten Springgenies Heops, und die Stute Tichonja sein. Tichonja ist die Mutter des Trafaret, der sich in der Zucht der früheren DDR sehr bewährte, und die Mutter des Grand-Prix-Dressurpferdes Topot, der seinerseits Vater des S-Springpferdes Granit ist.

Hasas Vater Chrisolit, ein viel zu früh eingegangener Hengst seltener Qualität, stammte von dem noch in Trakehnen geborenen Chitrez, dessen Mutter Tropenzone (v. Pirol) eine Halbschwester zu Tropenwald und Tropennacht war und Mutter der Jonasthaler Mutterstute Tropenglut und der in Trakehnen aufgestellten Mutterstute Trotzköpfchen sowie der Hengste Trotzkopf (Ldb. Marienwerder) und Trotha (Ldb. Georgenburg) wurde.

Hasas Mutter Sapadnja konnte in Russland eine eigene Familie begründen, sie ist auch Urgroßmutter des bei Gottfried Hoogen wirkenden Klassebeschälers Sapros.

Aber nicht nur die Vaterseite von Long Deals Mutter bringt russisches Leistungsblut en masse, auch auf der Mutterseite finden wir mit Piligrim einen Hengst, der den Kenner durch die Zähne pfeifen lässt. Piligrim, 1944 geborener Sohn des Pythagoras und der Ararad-Tochter Alster, ist kein Geringerer als der Vater der russischen Dressurlegende Pepel. Mit der erst kürzlich verstorbenen Elena Petushkova im Sattel sorgte der Rappe mit seiner eleganten, leichtfüßigen Art dafür, dass den Deutschen bei der Olympiade im eigenen Land die goldene Dressursuppe versalzen wurde. Aus der Nachzucht dieses Weltklasse-Dressurpferdes ragt in unseren Breiten natürlich der herrliche Springhengst Sapros heraus.

Die Nachzucht

Long Deals älteste Nachkommen in der Trakehner Reinzucht werden in diesem Jahr dreijährig – man darf also gespannt sein auf das erste Auftreten seiner Töchter bei den Eintragungen. Bisher sieht es so aus, als ob er seinen Kindern viel Trakehner Typ mit trockener Textur und starker Bergaufgaloppade mitgibt. Als Zuckerl obendrauf tragen die meisten auch noch die dunkle Jacke.

Im Jahre 2005 wurden allein vier Long Deal-Fohlen im Rahmen des GP-Programms des Verbandes geboren, 2006 qualifizierten sich fünf Kinder des Russen für das Fohlenchampionat in Holstein. Familie Ernst vom Gut Altenrade in Rendswühren stellte allein drei davon aus Müttern ihrer Ilonka-Familie, die von Lars Gehrmann als „absoluter Sportstamm“ beschrieben wurde und aus der zum Beispiel die Elitestute Ilvica und der Hengst Impetus stammen.

Text und ©: Karin Schweiger
Fotos: www.trk-base.com, Homepage des Hengsthalters