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Abisko (1987 - 2007)


Braun, w.Sth., schatt. Schn.i.l.Nüst.,l.Hf. w.
geb. 15.04.1987

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig16620320.8
volljährig16921.5

Züchter:
B. Wahler, Klosterhof Medingen, Bad Bevensen
Aufzüchter:
B. Wahler, Klosterhof Medingen, Bad Bevensen

Gekört 1989 in Neumünster

www.wehdenhof.de

Pedigree

Sokrates, Db., Spr. L Patron,R. Tranzyt,R. Akcjonariusz
Tramontana
Palatka,R. Traum
Pochiecha
St.Pr.St. Syggi,F.,ZL: 13/11 Hartung,F. Ilmengrund
Harfe
Synode St., B. Welsh Minstrel xx
Sylva
Abendstille II,Schwb.,ZL.: 7/2 Solstice xx,Schwb. Solar Slipper xx,B. Windsor Slipper xx
Solar Flower xx
Thirty Scents xx Eight Thirty xx
Fragance xx
Abendluft,B.,ZL: 3/3 Donauwind,B. Pregel
Donaulied v. Sch.
Annonce,F. Carajan
E.St. Abiza

Hengstlinie des Patron (Perfectionist xx), Stutenfamilie der O16A1 Abiza (Schickedanz - Kanada)

Eigentümer

1987-1990: Burkhard Wahler, Niedersachsen
1991-1995: Otto Stach, Rheinland-Pfalz
seit 1996: Dr. Bettina Bieschewski, Schleswig-Holstein

Stationierung

1990: Leihhengst Bruchmühlbach-Miesau Rheinland-Pfalz
1991–1995: Privatbeschäler Bruchmühlbach–Miesau Rheinland-Pfalz
1996–2007: Privatbeschäler Wehdenhof Schleswig-Holstein

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung Adelheidsdorf 1990

Charakter: 8,00 Schritt: 8,00 (T), 6,67(P)
Temperament: 8,00 Trab: 7,00 (T), 7,00 (P)
Leistungsbereitschaft: 8,00 Galopp: 7,00 (T), 7,67 (P)
Leistungsfähigkeit: 7,00 Springanlage: 7,00 (T), 8,67 (P), 5,75 (FS)
Rittigkeit: 7.0 (T), 7,0 (P) Geländeprüfung: 7,67
Rittigkeitsindex: 106,45 Springindex: 108,76
Gesamtindex: 109,67 (21./70) Leistungsklasse: II

Turniersporterfolge:
Platzierungen in der Dressur bis einschließlich Kl. L und im Springsport bis einschließlich Kl. M LGS 1812,-€ Stand 2008

Nachzucht

Exterieur:
Anzahl TöchterTypOberkörperFundamentSchrittTrabGaloppGesamt-
eindruck
Gesamt-
zuchtwert
Widerrist-
abweichung
2291105128 93837084 910,4


Gekörte Söhne (1): Travell

Töchter (27): Obiska, Estelle IV, Hexe XI, Veronique II, Alex, Abiska, Isett II, Etienne III, Ventara, Malaquina, Enja II, Aventure, Ivana III, Balista, Santorin II, St.Pr.u.Pr.St. Herzmelodie, History, St.Pr.u.Pr.St. Schattenspiel, Mon Bijou II, Pr.St. Bal Paré, u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:75 LGS 14421,-€ Stand 2008
davon mit Platzierungen:11 JGS 1464,- Stand 2008
davon in Klasse M. und S.:3


Körjahrgang 1989: Kein Körjahrgang, der das Fachpublikum zu Begeisterungsstürmen hinriss: Siegerhengst wurde Preußenprinz, Reservesieger der Consul-Sohn Guter Planet und als einziger Prämienhengst ging Inster Graditz auf dem Ring. Doch im Nachhinein – und dies vor allem unter sportlichem Blickwinkel betrachtet – ein Jahrgang, dessen einzelne Vertreter aufgrund ihrer Leistungsvererbung und zum Teil auch durch ihre Eigenleistung auf sich aufmerksam machten. Zu renommierten Sportvererbern wurden sowohl Sieger- als auch Reservesieger, durch hohe Eigenleistung haben sich Inster Graditz, Partout, Kadre Noir, Velasquez und Polarjäger bewährt. Herzruf und Partout gelten als ausgewiesene Sportpferdevererber.

Unter ganz besonders deutlichen sportlichen Aspekten stand wohl auch die Körung des Sokrates-Sohnes Abisko aus der Abendstille v. Solstice xx. Etwas unauffällig im Auftreten, hinsichtlich Geschlechts- und Rassetyp noch längst nicht ausgereift und auch im Fundament nicht der Korrekteste, befriedigte er sehr in seinen ausgeglichenen, energischen und taktsicheren Grundgangarten. Sein Züchter und Besitzer Burkhard Wahler stellte ihn nicht zum Verkauf und knüpfte wohl größere Hoffnungen an einen sportlich verheißungsvollen Karrierestart des jungen Hengstes, wohlbegründet durch die Abstammung, die in enger verwandtschaftlicher Beziehung Leistungspferde für die internationale Laufbahn hervorgebracht hatte. Zudem war Abiskos Vater Sokrates Hauptvererber auf dem Klosterhof und gleichzeitig ein Sportler mit einer außergewöhnlichen Vielseitigkeit bei allen Anforderungen – in dieser Hinsicht besaß er Vorbildfunktion.

Sein Vater

Der Vogelsangshof der Familie Hoogen im niederrheinischen Kervenheim ist Ursprungs- und Pflegestätte einer erheblichen Anzahl von zuchtprägenden Trakehner Hengsten und Stuten, die zudem häufig zu Linienbegründern bzw. Stammüttern wurden. So geschehen auch mit dem großen, imponierenden Rappen Patron, den Gottfried Hoogen als Jährling im polnischen Gestüt Kadyny entdeckte, später kören ließ und ihn bis zu seinem Tode im hohen Alter von 32 Jahren auf Station hielt.

Mit dem Urenkel des Tempelhüter–Sohnes Sandor konnte zugleich ein Erhalter der Linie des legendären Hauptbeschälers eingesetzt werden, die sich in westdeutscher Zucht bisher lediglich über Abendstern v. Poseidon verzweigt hatte. Sokrates sollte neben dem Körsieger Mackensen der zweite Patron-Sohn werden, der die väterliche Linie am Leben hielt. Der besonders großrahmige und bedeutend aufgemachte Dunkelbraune stammte mütterlicherseits aus der Familie der Sylva v. Martini, die zu jener Zeit zu den wertvollsten Gründerstuten der westdeutschen Zucht zählte. Die DLG-prämierte Fuchsstute vertrat die traditionsreiche Zucht des Familie Haasler im niederrheinischen Alpen und verdeutlichte durch ihre Blutführung über Welsh Minstrel xx ein häufig erfolgreich durchgeführtes Zuchtkonzept des bekannten Züchterhauses. Bei Sokrates trat als mütterlicher Großvater der Springvererber Hartung hinzu, ebenfalls eine Entdeckung des Vogelsangshofes.

Mit einem Gesamtindex von mehr als 125 Punkten demonstrierte Sokrates nicht nur Sportlichkeit auf hohem Niveau sondern in der Bewertung der Einzelkriterien eine vorbildliche Mehrfachbegabung. Eigenschaften, die der Hengst später auch unter dem Sattel in seiner sportlichen Karriere bestätigte, die auch dazu beitrugen ihm den Titel Elitehengst zu erringen. Sicherlich wurde der hochklassige Sportpferdevererber viel zu früh nach Brasilien abgegeben, er hätte weiterhin wichtige züchterische Impulse vermitteln können.

Seine Mutter

Aus einem der seltensten gleichwohl wertvollsten und bewährtesten Stutenstämme der Gesamtzucht kommt Abisko mütterlicherseits. Die Familiebegründerin, Treckstute Arbeitgeberin, war aus der kleinbäuerlichen Zucht Ostpreußens hervorgegangen, die das Herz der großen Warmblutzucht bildete. Ihr Vater Alaskafuchs kam aus dem berühmten Gestüt Weedern der Familie von Zitzewitz und zählte zu den erfolgreichsten Remonteerzeugern der Provinz. Auch in weiterer Generationenfolge führte Arbeitgeberin bestes und bewährtes Blut, häufig erfolgreich in der Stellung von Remonten.

Dr. Schilke maß der tiefen noblen, gängigen und im vielseitigen Arbeitseinsatz bewährten Fuchsstute eine solch hohe züchterische Bedeutung zu, dass er sie umgehend in die Herde des neu gegründeten Ostpreußengestüts Hunnesrück aufnahm. Hier war Arbeitgeberin in der Lage ihrem Stamm eine sichere Grundlage zu schaffen. Ihre Tochter Abendrot v. Absalon wechselt dann zu Beginn der 60er Jahre in das neu geschaffenen Verbandsgestüt Birkhausen über und setzte dort die erfolgreiche Familientradition fort. Mit Maharadscha angepaart brachte sie die Schimmelstute Abiza, deren züchtersicher Erfolgsweg auch als Mutter des Olympiahelden Abdullah und seines auf höchstem internationalen Niveau ebenfalls hart geprüften Halbbruders Amiego zählt inzwischen zu den besonders erfolgreichen Kapiteln im Buch großer Sportpferdemütter.

Abizas Tochter Annonce blieb in Birkhausen der westdeutschen Zucht erhalten und stellte mit der Donauwind-Tochter Abendluft eine enge Verwandte zum Sportlerstar Abdullah, die jedoch nach lediglich drei Fohlen aus der Zucht ausschied. Eines der Fohlen war Abendstille, die über ihren Vater Solstice xx selten vertretene Vollblutgene amerikanischer Herkunft mitbrachte. Leider genügte sie hinsichtlich ihrer Fruchtbarkeit den gestellten Anforderungen nicht: Lediglich 2 Fohlen in 7 Zuchtjahren stellen eine unbefriedigende Bilanz aus.

Seine Nachzucht

Abisko wirkte zunächst bei Otto Stach im rheinland-pfälzischen Bruchmühlbach-Miesau, in jenen Jahren eine Zentrale dortiger Sportpferdezucht. Die Zahl der ihm zugeführten Stuten blieb überschaubar, auch hinsichtlich der Qualität seiner Partnerinnen blieben seine Chancen begrenzt .Schließlich entdeckte Dr. Bettina Bieschewski ihn für ihr Gestüt Wehdenhof in der wunderschönen Holsteinischen Schweiz. Mehrere gute Chancen mit wertvollen und auch hervorragend gezogenen Stuten wusste er zu nutzen: Die hochprämierte Tänzerin v. Consul der Hessischen Hausstiftung in Panker brachte den prämierten Travell von ihm. Der großrahmige, noble und bedeutende Abisko-Sohn gilt in der dänischen Zucht als ein bewährter Vererber. Auch die prämierten Töchter Herzmelodie, Schattenspiel und Bal Paré legen ein gutes Zeugnis für die gute Vererbung des Sokrates-Sohnes aus.

Insgesamt sind es lediglich 25 Töchter, die sein Erbe tragen – ein Umstand, den es auch unter dem Gesichtspunkt der Zuführung selten vertretener und dennoch sehr bewährter Gene zu bedauern gilt. In einer ganz besonderen Hinsicht hätte es der nunmehr betagte Hengst verdient, vermehrt eingesetzt zu werden. Sein Interieur ist lupenrein, ausgewogen in jeder Phase in vorbildlicher Einstellung zur Arbeit hat er alle gestellten Aufgaben immer bewältigt. – Und so dient er auch heute noch seinen Besitzern als heiß geliebtes, wohl umsorgtes und immer wieder bewährtes Reitpferd. Auf dem Wehdenhof ist ihm das Dasein eines wahren Paschas sicher.

Epilog

Anfang November 2007 starb Abisko ganz plötzlich im Alter von 20 Jahren. Er erfreute sich bis zum Schluss bester Gesundheit, war fit und munter, und hatte auch noch Spaß an gelegentlichen Ritten ins Gelände. Sein plötzlicher Tod, wahrscheinlich aufgrund einer Hirnblutung, hat Familie Bieschewski sehr getroffen. Er war für sie der Mittelpunkt ihres kleinen Gestüts und vor allem Familienmitglied.

Text und ©: Erhard Schulte
Fotos: Trakehner Hengstbuch 1990, HP des Hengsthalters