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Kadre Noir (1987-2009)


Braun, o.A.
geb. 01.05.1987

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig16421021
volljährig16721

Züchter:
Otto Langels, Gestüt Hämelschenburg, Emmerthal
Aufzüchter:
Otto Langels, Gestüt Hämelschenburg, Emmerthal

Gekört 1989 Hengstmarkt Neumünster

www.domselshof.de

Pedigree

Upan la Jarthe AA, Db. 1984 Pancho II AA, Sb. 1961 Nithard AA, B. 1948 Kesbeth AA
Nitouche AA
Anisette III AA, B, 1944 Farceur VIII AA
Quenotte AA
Uob de Fondelyn AA, 1964 Flor II AA, F. 1959 Teheran AA
Flore AA
Obri der Fondelyn AA, 1958 Attila AA
Brillante AA
Kleopatra II PS/ES, F. 1972 Ibikus, B., Dr. M 1967 Hertilas, Db., Dr. S 1963 Loretto
Herbstgold
Isolda, F. 1960 Impuls
Isola Madre
Kassiopeia, ES, Df. 1959 Impuls, B. 1953 Humboldt
Italia
Kassandra, F. 1947 Sporn
Kassette

Hengstlinie des Pancho II AA / Nithard AA, Stutenfamilie der T7A1 Kassandra (Gestüt Webelsgrund)

Eigentümer

1987-1989: Otto Langels, Emmerthal
seit 1990: Manfred Keppel, Kerken

Stationierung

1990-1991: Leihhengst Gestüt Jagdschloss Zwiefalten Hessen
seit 1991: Privatbeschäler Domselshof Rheinland

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung 1990 Warendorf

Charakter: 9,0 Schritt: 7,67 (T 8,0)
Temperament: 9,0 Trab: 7,00 (T 7,0)
Leistungsbereitschaft: 8,0 Galopp: 6,67 (T 7,0)
Leistungsfähigkeit: 8,0 Springanlage: 7,67 (T 8,0, FS 5,83)
Rittigkeit: 6,76 (T 8,0) Geländeprüfung: 7,0
Rittigkeitsindex: 116,54 Springindex: 107,22
Gesamtindex: 115,14 (5/19) Leistungsklasse:

Turniersporterfolge:
in Dressur bis Klasse S

Nachzucht

Exterieur:
Anzahl TöchterTypOberkörperFundamentSchrittTrabGaloppGesamt-
eindruck
Gesamt-
zuchtwert
Widerrist-
abweichung
1410395102 83728087 860,2


Gekörte Söhne (0):

Töchter (15): Xandra B, Elfenglanz P, Osterfee, Osterblume, Starlett, Schwalbe-Kassiopeia, u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:31
davon mit Platzierungen:5 (in 2006)
davon in Klasse M. und S.:1


Arabische Blutelemente in der Warmblutzucht stehen seit jeher für Härte, Langlebigkeit, Fruchtbarkeit und Menschenzugewandtheit. Nicht umsonst wirkten auch im Hauptgestüt Trakehnen eine ganze Reihe bis heute noch in ihren Nachkommen präsenter arabischer Vollblüter – es sei nur an Lowelas ox und Fetysz ox erinnert. Und nicht umsonst besteht das Erfolgsrezept der russischen Trakehnerzucht in der regelmäßigen Einkreuzung hart leistungsgeprüfter Araber – hier hat in jüngerer Zeit sicher Pomeranets ox die wichtigste Rolle übernommen.

Allerdings wird es in der heutigen Zeit immer schwieriger, arabisches Blut in die Trakehner Population einzubringen. Zum einen liegt das daran, dass viele Araberzuchten der Welt sich auf alles andere als harte und korrekte „Schaupüppchen“ spezialisiert haben, zum anderen bringt der Araber zu seinen positiven Points auch Merkmale mit, die in der heutigen Sportpferdezucht nicht mehr gewünscht sind. Dazu gehören nicht ausreichende Größe, eine gerade Kruppe, den oft ungünstig angesetzten Hals des „Trinkers der Lüfte“ – und nicht zuletzt häufig die Schimmelfarbe. Durchschlagend, wie sich die meisten Araber vererben, sind diese Nachteile nicht nur ein Phänomen der F1-Generation, sondern ziehen sich oft generationenlang weiter.

Die französische Reitpferdezucht bedient sich deshalb seit langem schon ausgezeichneter Angloaraber auf dem Weg, die positiven Merkmale des arabischen Einflusses in der Zucht zu verankern. Im Zuge der Umzüchtung zum modernen Reitpferd fanden eine ganze Reihe französischen Angloaraber auch Eingang etwa in die Oldenburger und die Holsteiner Zucht.

Angloaraber sind natürlich auch für die Trakehner als Reinzucht mit dem Anspruch auf blutgeprägte Edelpferde eine Alternative, und so wundert es nicht, dass einige dieser Veredler, die im optimalen Fall die Vorzüge des englischen und des arabischen Vollbluts gleichzeitig weitergeben, auch hier zum Einsatz gelangten.

Kadre Noir ist das Produkt eines solchen französischen Angloarabers – noch dazu aus bestem Stutenstamm gezogen, bei dem sich sowohl seine Mutter als auch seine Großmutter in der Zucht so sehr bewährten, dass beiden der Elitetitel des Verbandes verliehen wurde. Wie so häufig in diesem Zweig der Stutenfamilie, die im Gestüt Webelsgrund ihren Ausgang nahm und von der einige Stuten ins Gestüt Hämelschenburg gelangten, finden wir auch hier die Kombination der beiden überragenden Stempelhengste dieser Gestüte – Impuls und Ibikus. Was natürlich eine Linienzucht in 3./4. Generation auf Impuls zur Folge hat. Des weiteren begegnen wir in Kadre Noirs Pedigree dem großen Pythagoras in 5. Ahnenreihe zweimal.

65,23% Vollblut führt der abzeichenlose Braune in seinen Adern, wobei von der Mutterseite her Pindar xx, Paradox xx und Harun al Raschid ox ihr Scherflein beitragen.

Kadre Noir wurde 1989 von seinem Züchter Otto Langels in Neumünster zur Körung vorgestellt und verließ die Holstenhallen als gekörter Hengst mit der Beschreibung: „Interessant gezogener Brauner in guter Aufteilung; befriedigend im Rassetyp, verfügt er über eine gute, geschwungene Halsung und eine bedeutende Brusttiefe; die Sattellage würde man sich dagegen markanter und die Kruppe etwas länger wünschen. In der Winkelung der Hinterbeine etwas offener als normal und nicht ganz trocken in den Sprunggelenken. Geschmeidig in der Bewegung; mit sehr gutem Schritt und guter Springmanier ausgestattet.“

Schon damals ging er in den Besitz von Manfred Keppel über, deckte aber zunächst als Leihhengst im Gestüt Jagdschloss Zwiefalten bei Manfred Fischer in Hessen, bis das Ehepaar Keppel 1991 den Domselshof begründete.

Kadre Noir legte 1990 im Westfälischen Landgestüt Warendorf eine sehr passable Leistungsprüfung ab, wurde 5. von 19 teilnehmenden Hengsten und lag im Gesamtindex bei über 115 Punkten. Die komfortable Bewertung seines Springens im Training vermasselte der Hengst sich mit einem wenig eindrucksvollen Prüfungsauftritt im Freispringen.

Für den Hengst schloss sich eine Dressurausbildung an, die mit Siegen und Platzierungen bis hin zur Klasse S untermauert wurde. 1997/98 erzielte der Hengst auch Platzierungen im Grand Prix, bis eine Verletzung der erfolgreichen Karriere ein Ende bereitete. Kadre Noir hat eine Lebensgewinnsumme von 1.894 € zu verzeichnen.

Allzuviel gedeckt hat der Hämelschenburger in seinem Leben allerdings nicht. Ob es an der ungewohnten Blutführung liegt oder am nicht allzu ausgeprägten Trakehner Typ? An Bewegungsvermögen, Springmanier, Eigenleistung und Charakter jedenfalls kann es nicht liegen. Noch steht der Hengst auf dem Domselshof Züchtern zur Verfügung – und in Zeiten, in denen zu enge Blutführung kritisiert wird und der Ruf nach Blut groß ist, bietet sich hier eine echte Alternative, an der man wahrlich nicht achtlos vorbeisehen sollte …


DER VATER

Kadre Noirs Vater Upan la Jarthe, ein abzeichenloser Dunkelbrauner, der 1984 in der französischen Dordogne gezogen wurde, begeisterte Otto Langels schon in ganz jungen Jahren. Da war zum einen die hervorragende väterliche Abstammung, dazu die eigene noble Erscheinung, schließlich noch gute Bewegungen und, last but not least, durfte man auch Springvermögen erwarten. Langels kaufte den Jährling an und zog ihn in seinem Gestüt Hämelschenburg auf. 1986 wurde Upan als bester Vertreter seiner Rasse in Darmstadt-Kranichstein bei den Arabern gekört, 1988 legte er in Medingen eine gute Leistungsprüfung ab.

So äußerte sich der Trakehner Zuchtleiter denn bei seiner Anerkennung auch wie folgt: „Der noble, langlinige Beschäler ist ohne Zweifel ein besonders wertvoller Vertreter seiner Rasse. Drei gute Grundgangarten, überzeugendes Springvermögen. Hohe Lernfähigkeit und Reitqualität. Beeindruckende Gelassenheit.“

Upan la Jarthes Vater Pancho II ist in Deutschland alles andere als ein Unbekannter. Insgesamt fünf seiner Söhne wirkten in deutschen Warmblutzuchten mit mehr oder weniger Erfolg. Der Rappe Paladin x deckte einige Jahre auf der Station Werner Schockemöhle in Oldenburg und ging dann nach Hannover, seine Kinder galten als edel, hielten aber in Bezug auf die Leistung nicht immer, was man sich von ihnen versprochen hatte. Trotzdem hinterließ er ein Grand-Prix-Dressurpferd wie Palamos (Tilman Meyer zu Erpen) und ist außerdem Muttervater des Oldenburger Siegerhengstes Glorieux, der beim Bundeschampionat 1988 den Trakehner Caprimond schlagen konnte. Panther x lieferte bei Ludwig Kathmann im oldenburgischen Holtrup den monumentalen Beschäler Pascha, dessen gekörter Sohn Petit Prince (Ellen Bontje, Sven Rothenberger) Olympiapferd wurde. Panchero x, ein brauner, drahtiger Hengst, der zwei Jahre im Beritt von Ralf Ehrenbrink mehrere Platzierungen in Vielseitigkeitsprüfungen erringen konnte, fiel in Rheinland-Pfalz mit noblen, wüchsigen und gängigen Fohlen auf.

Neben Upan la Jarthe hat auch der Pancho-II-Sohn Matcho x Bedeutung für die Trakehnerzucht erlangt. Matcho war 1982 Sieger der Adelheidsdorfer Hengstleistungsprüfung und ein Jahr später Anglo-Araber-Champion auf der Internationalen Araberschau in Verden. Er ging mit viel Hoffnungen seitens der Hannoverschen Zuchtleitung auf Station, und in fünf Deckzeiten stellte er 22 gekörte Söhne, darunter der Körsieger Maurice und der HLP-Rittigkeitssieger Mister A, sowie 25 Staatsprämienstuten – selbst in Hannover keine Alltäglichkeit. Matchos Tochter Malve war Siegerstute der Ratje-Niebuhr-Schau, Marschfee und die Rheinländerin Mara errangen Klassensiege auf der Bundesschau Verden 1990. Für die Trakehnerzucht hinterließ Matcho den aus einer Vollschwester zu Arogno gezogenen Amatcho, dessen bekannteste Nachkommen bisher Michael Jungs Vielseitigkeitsstute Miss Meller und der interessante Jungbeschäler Canzler sein dürften.

Pancho II war lange Hauptbeschäler im französischen Staatsgestüt Pompadour und stammte von Nithard AA, einem in der internationalen Sportpferdezucht sehr geschätzten Vererber. Nithards Vater Kesbeth ist Vollbruder zu Kesbera, die über ihre Tochter Kesseybiss Großmutter des Kallistos wurde. Mehr zu dieser Abstammung und zu den züchterischen Verdiensten des Nithard wurde bereits bei der Besprechung von Kallistos’ Sohn Konvoi geschrieben. Ergänzend bleibt nur noch zu erwähnen, dass Upan la Jarthes Mutter Uob De Fondelyn nochmals Dénousté ins Pedigree mit einbringt.

Kadre Noir entstand bereits aus einem Probesprung des zweijährigen Upan la Jarthe. Mit Stradivari, ebenfalls aus einer Ibikus-Tochter gezogen, stellte Otto Langels 1991 den zweiten Sohn dieses Angloarabers in Neumünster zur Körung. Stradivari blieb zunächst Reithengst und bewährte sich in Springprüfungen bis zur Klasse M. Ab 1995 deckte Stradivari in der Trakehnerzucht und hat sich mit den beiden hervorragenden Söhnen K2 (Siegerhengst 2001) und Key West, beide im Gestüt Brettachthal aus der Kateja v. Inschallah gezogen und somit auf der Mutterseite mit angloarabischem Blutanschluss, und einigen guten Prämientöchtern hervorragend eingeführt.

In Westfalen, wo Upan la Jarthe von 1990 bis zu seinem Tod 2004 vom Landgestüt Warendorf aus deckte, wurden die Söhne Ulysses (Mv. Francisco I) und Up to date (Mv. Zeus) gekört.

17 Töchter des französischen Angloarabers listet das Trakehner Stutbuch, darunter die Prämienstute Sacre Coeur, eine Vollschwester des Stradivari. Sie war Eintragungs- und SLP-Siegerin sowie Siegerstute des Norddeutschen Stutenchampionats. Garonne AA, eine reine Angloaraberin a.d. Grandezza IV AA v. Pasteur xx / Gazal I ox, wurde Mutter des M-Dressurpferdes Gardist v. Donaufeuer.

Im Sport ist neben den beiden Hengsten Kadre Noir und Stradivari noch der Trakehner Wallach Fordon a.d. Famata v. Matador aufgefallen, er sammelte unter dem Patronat von TSF über 3.000 € Gewinngeld in Springprüfungen bis zur Klasse M.


DIE MUTTER

Ursula Guttmann schrieb 1959 nach einem Sommer im Gestüt Rantzau über die Originaltrakehnerinnen, die sie dort antraf: „Die etwas schüchternen Stuten Kokette, Tochter des Cancara, und Kassette, Tochter des Arabers Harun als Raschid, lassen sich von der zutraulichen Suska herführen. Sie leben fast unzertrennlich in Rantzau zusammen. Abends, auf der Weide, wenn es langsam grasend dem Stall zugeht, bleiben sie abseits, die Herde der jüngeren Stuten anführend, für sich. Die letzten Sonnenstrahlen spielen auf ihrem glänzenden Haar – dem dunklen Rotbraun der Kokette, dem satten Braun der Suska und dem silbrigen Gelbweiß der Kassette. Ein unvergesslicher Farbenklang von Mahagoni, Bronze und Elfenbein vor dem lichten Blaugrau eines hohen holsteinischen Abendhimmels.“

Im Gegensatz zu ihrer nahen Verwandten Kokette (die beiden Stuten teilten die mütterliche Großmutter Kaiserkrone v. Parsee xx) ist es der 1937 geborenen Kassette mit sechs guten Töchtern in der Zucht gelungen, eine sehr breite Stutenfamilie im Westen zu begründen. Die größte Bedeutung kommt in dieser Familie sicher Kassettes Tochter Kassandra v. Sporn und ihrer Enkelin Kantilene v. Traumgeist xx zu. Es gibt kaum ein renommiertes oder größeres Trakehnergestüt in Deutschland, das nicht mindestens einen Zweig dieser umfangreichen Stutenfamilie pflegt.

Mit Kassandra vom hochbewährten Stutenmacher Sporn hielt diese Stutenfamilie im Gestüt Webelsgrund Einzug. 1.50 Stockmaß hatte die 1947 geborene Fuchsstute mit der schmalen Blesse, und Dr. Fritz Schilke trug sie mit den Noten 3,4,2/2,4 ins Stutbuch ein. In 19 Zuchtjahren bis zu ihrem Tod 1970 schenkte sie 15 Fohlen das Leben, darunter den gekörten Hengsten Kadett, der Dressurerfolge bis Klasse M hatte, Kapitän, der Landbeschäler in Celle wurde, Karneol, der in die Tschechei ging, und Kassius, den man getrost in die Galerie der „verkannten Genies“ einreihen darf. Kassandras Sohn Karneval II ging Springen bis Klasse L, ihr Sohn Kassim wurde unter dem Namen Immanuel Olympia-Dressurpferd der DDR.

Sechs Töchtern schenkte Kassandra das Leben, fünf davon wurden – ausnahmslos auf Schauen hoch dekoriert – zu bewährten Nachfolgerinnen ihrer verdienstvollen Mutter in der Zucht: Kantate v. Humboldt war Landesschau-Teilnehmerin, im FN-Leistungsstutbuch D eingetragen und u.a. Großmutter der hochbewährten Kanconette. Kassia v. Impuls brachte die Beschäler Kassio und Kaspar. Kassiopeia, DLG- und Landesschau-Teilnehmerin, Elitestute des Verbandes, machte sich als Mutter u.a. der Beschäler Kastor, Kassiber und Kastilio einen Namen. Karavelle v. Impuls, ebenfalls auf einer Landesschau gezeigt, ist Großmutter des Banditentraum-Vaters Kiebitz. Kaprice II v. Impuls schließlich, Prämienstute mit Landes- und Bundesschauplaketten an der Boxentüre und einer Eintragung ins FN-Leistungsstutbuch D im Papier, ist die Mutter des Beschälers Karneval und der Stute Karben, deren Sohn Karon Vater von Caprimond wurde und deren Tochter Kapstadt Mutter von Kostolany wurde.

Mit der in der Neujahrsnacht 1959 geborenen Kassiopeia, einer 1.60 m großen Dunkelfuchsstute mit melierter Mähne, hielt die Stutenfamilie Einzug im Gestüt Hämelschenburg von Otto und Jutta Langels. Kassiopeia war 1964 anlässlich der DLG-Ausstellung in Hannover Ib-Preisträgerin. 1972, schon im Besitz der Familie Langels, wurde sie auf der Landesschau Niedersachsen/Berlin in Hannover Ia-Preisträgerin und Siegerstute. Auf Hämelschenburg brachte die posthum 2003 mit dem Elitetitel des Verbands geadelte Impuls-Tochter nach dem Körsieger von 1968, Kastor v. Pergamos (Ldb. in Marbach), zwei weiteren Pergamos- und einem Solling-Fohlen in anderen Zuchtstätten 1971, 1972 und 1973 noch erstklassige Fohlen des Hämelschenburger Reitpferdemachers Ibikus, bevor sie 14-jährig auf der Weide tödlich verunglückte.

Kassiber ging erfolgreich in Dressur- und Springprüfungen bis Klasse L sowie in Vielseitigkeitsprüfungen bis Klasse M. Nach acht Zuchtjahren in Deutschland, aus denen der gekörte Amadeus und 24 eingetragene Töchter hervorgingen, verließ er 1982 seine Heimat in Richtung Australien, wo er bereits 1983 Landesmeister in der Vielseitigkeit wurde.

Kleopatra II war Prämien- und Staatsprämienstute, eingetragen mit der Traumbewertung 2,1,2/1,1, wurde 1995 ebenfalls zur Elitestute gekürt, hat Reitpferdeprüfungen gewonnen und war Reservesiegerin der Landesschau. In 18 Zuchtjahren wurde sie Mutter von 16 Fohlen, darunter die gekörten Hengste Kleostro v. Herzbube, der Dressurerfolge bis Grand Prix erzielt hat, Klabautermann v. Enrico Caruso, der Hunterchampion in den USA wurde, Klavigo, der in die Niederlande ging, und natürlich Kadre Noir. Kleopatras Kinder Kleon v. Arogno und Klemens v. Enrico Caruso haben Dressurerfolge bis Klasse M.

Die Töchter Kleeblatt v. Falke, hochprämiert auf der Bundesstutenschau 1983 und inzwischen Mutterstute in den USA, Klaviga v. Enrico Caruso, Klasse Tout v. Kostolany, Kleo’s Beste v. Kostolany und Kleo’s Double v. Kostolany tragen alle den Prämientitel des Verbandes. Selbst in Reitpferdeprüfungen siegreich waren Klaviga, Kleo’s Beste und Kleo’s Double; Kleo’s Beste war Siegerin, Kleo’s Double Reservesiegerin ihrer Stutenleistungsprüfung.

Kastilio, das letzte Fohlen der Kassiopeia, ging schon als Jungpferd in die Domäne Mechthildshausen zu Hans Eberhard Schneider, unter dessen Fittichen er nicht nur Sieger der Hengstleistungsprüfung wurde, sondern auch bis zur Klasse S Erfolge im Dressursport hatte, bevor er 13-jährig in die USA verkauft wurde.


NACHZUCHT

Kadre Noir hat auf dem Domselshof einen besonderen Status, denn der Grand Seigneur genießt täglich auf den großzügigen Weiden sein „Rentnerdasein“, steht aber weiterhin für den züchterischen Einsatz zur Verfügung, um seine wertvollen Gene in der Zucht zu verankern – außer bei den Trakehnern ist er auch für die süddeutschen Zuchtverbände zugelassen. Seinen Nachkommen gibt Kadre Noir in aller Regel hohe Rittigkeit und Dressurveranlagung weiter.

Ein Sohn als Nachfolger in der Zucht blieb ihm bislang verwehrt, doch 15 Töchter tragen sein Blut in der Trakehnerzucht weiter.

31 Kinder des Kadre Noir im Sport listet das FN-Jahrbuch, fünf davon haben Erfolge ab Klasse L, alle im Dressursport. Am erfolgreichsten ist bisher Gordon, ein 1991 geborener Wallach, mit Erfolgen bis Klasse M und 1.135 € Gewinnsumme. Als Sohn der Goldene Au v. Schwalbenflug ist Gordon (gezogen von Deti Scheuermann) ein Halbbruder des Vielseitigkeitspferdes Grand Prix und der beiden M-Dressurpferde Genius v. Swazi xx und Gaukler v. Finley M. Mit reichlich Erfolgen auf L-Ebene eifern Gordon seine väterlichen Halbgeschwister Tradino a.d. Tradition v. Iglesias, Osterfee a.d. Osterglück v. Unkensee und Tonius a.d. Trixi v. Karon nach.

Starlett v. Kadre Noir geht im berühmten Trakehner Viererzug der britischen Erfolgsfahrerin Karen Bassett mit. Der hessisch gebrannte Kandeur ist erfolgreich in Dressurprüfungen bis Klasse M.


Text und ©: Karin Schweiger
Fotos: Hengsthalter

Epilog vom 30. Mai 2009:
Der Grandseigneur des Domselshofs musste nach einer Kolik eingeschläfert werden. Er zählte zwar nicht mehr zum zuchtaktiven Hengstbestand, sondern durfte in vollen Zügen sein „Rentnerdasein“ genießen. Nun musste Familie Keppel sich für immer von dem 22-jährigen Braunen verabschieden. Eine schwere Kolik ließ nur die Möglichkeit, den Hengst von seinen Leiden zu erlösen.