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Couleur-Fürst (1987-2007)


Braun, unreg. dchg. Bl. üb. l. Nüst., l. Vf. h. r. Vfsl. a. bd. HF. h. w.
geb. 13.03.1987

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig16620020.5
volljährig17020.5

Züchter:
Gestüt Bönninghardt, G. Heitfeld, Issum
Aufzüchter:
Gestüt Bönninghardt, I. u. Th. Heitfeld, Issum

Gekört 08.12.1989 in Neumünster

Pedigree

Sir Shostakovich xx, Schwb. Rheingold xx, B. Faberge II xx, B. Princely Gift xx
Spring Offensive xx
Athene xx, B. Supreme Court xx
Necelia xx
Sinful xx, B. Grey Sovereign xx, Sch. Nasrullah xx
Kong xx
Satan's Slide xx, B. Precipitation xx
Hell's Fury xx
PS,SPS u. E.St. Couleur, B., L/D Kassiber, Df., VS Ibikus, B., Dr. M Hertilas
Isolda
Kassiopeia, Df., L/D Impuls
Kassandra
Coretta, B, L/D Auftakt, F. Impuls
Arcona
Corvina, B. Boris
Corry

Hengstlinie des Sir Shostakovich xx (Eclipse xx), Stutenfamilie der T14L2 Corry (Gestüt Hunnesrück)

Eigentümer

1987-1997: Gestüt Bönninghardt, Fam. Heitfeld, Rheinland
1998-2006: Gestüt Tannhof, Franz-Josef Dahmen, Rheinland
2007: Gestüt Sportpferde vom Oberhof, Schweiz

Stationierung

1990 - 1997: Leihhengst Trakehner Gestüt Eichenhof Niedersachsen
1998 - 2006: Privatbeschäler Hürtgenwald Rheinland
2007: Privatbeschäler Oberhof/Braunau Schweiz

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung Adelheidsdorf 1990

Charakter: 8,00 Schritt: 7,00 (T) - 5,33 (P)
Temperament: 8,00 Trab: 7,00 (T) - 6,33 (P)
Leistungsbereitschaft: 8,00 Galopp: 8,00 (T) - 7,00 (P)
Leistungsfähigkeit: 7,00 Springanlage: 7,00 (T), 7,00 (P), 5,25(FS)
Rittigkeit: 7,00 (T) - 6,75 (P) Geländeprüfung: 7,67
Rittigkeitsindex: 101,16 Springindex: 98,56
Gesamtindex: 103,09 (36./70) Leistungsklasse: II

Turniersporterfolge:
Platzierungen im Dressur- und im Springsport bis einschließlich Kl. M, LGS 4.001 € Stand 2008

Nachzucht

Exterieur:
Anzahl TöchterTypOberkörperFundamentSchrittTrabGaloppGesamt-
eindruck
Gesamt-
zuchtwert
Widerrist-
abweichung
11146137112 125114108121 130-0,9


Gekörte Söhne (0):

Töchter (13): Carmina Burana II, Dolce Piccolina, Herzbeben, Herzfürstin, Kavalkade VI, Königsfreude, PS Lena V, PSuSPS Linsterblüte L/A, Linsterfee, Ragnit VII, Sheva, Syrah, u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:31 LGS 10115,-€ Stand 2008
davon mit Platzierungen:7 JGS 1937,-€ Stand 2008
davon in Klasse M. und S.:


Prolog: Couleur-Fürst war für die anstehende Wahl zum „Forumshengst des Monats“ vorgesehen – kurz vor dem geplanten Veröffentlichungstermin erfuhren wir bei einer letzten Recherche-Nachfrage, dass der Hengst Mitte September 2007 wegen einer schweren Kolik eingeschläfert worden ist.

Couleur-Fürst war ein Sohn des Sir Shostakovich xx, den Gottfried Hoogen 1984 für die Trakehner Zucht entdeckte und anerkennen ließ. Der athletische schwarzbraune Ire mit dem markanten Ausdruck hatte zuvor vier Rennsaisons absolviert, wo er sich zwar nicht als überragendes Rennpferd (20 Starts in Flachrennen mit zwei Siegen und drei Plätzen sowie sechs Starts in Hindernisrennen mit einem Sieg und drei Plätzen, höchstes GAG je 81 kg) etablierte, jedoch die für die Warmblutzucht ausschlaggebenden Kriterien Härte und Springvermögen demonstrierte. Nach sechs Jahren auf dem Gestüt Vogelsangshof der Familie Hoogen hatten es seine Trakehner Nachkommen bereits vermocht, den Holsteiner Verband vom Talent seiner Nachkommen zu überzeugen. „Sir“, wie er kurz genannt wird, wirkte für x Jahre als Verbandshengst auf der Station Kattrepel, bevor er sein Altenteil auf dem bayerischen Trakehner Gestüt Schwaighof bei Familie Zeisig bezog.

Sir Shostakovich vererbte meist leichtere Fundamente, die nicht immer ganz korrekt in der Beinstellung waren, und er lieferte meist herbe Typen, was ihm die Skepsis der „typtreuen“ Züchter einbrachte. Seinen Nachkommen wird hohe Leistungsfähigkeit nachgesagt. Bei viel Leistungsbereitschaft und Härte gelten „Sirs“ Nachkommen als nicht immer einfach im Handling. Zuverlässig vererbte „Sir“ große Partien, verbesserte die Galoppade und vor allem das Springvermögen.

Gleich aus dem ersten Fohlenjahrgang wurde 1988 Zampano aus der Zara III von Kastilio-Arminius gekört. Der Hengst wechselte zunächst nach Dänemark, kam vierjährig als Reitpferd zurück nach Deutschland und qualifizierte sich mit einem Sieg im Trakehner Reitpferdechampionat für das Bundeschampionat des Deutschen Reitpferdes. Vor dem Fremdreitertest lag er an erster Stelle, danach beendete er das Championat auf dem vierten Platz. Kurz darauf wurde er in die Ukraine verkauft. Züchterisch wurde der Hengst in Deutschland nicht eingesetzt.

1990 folgte Donaumonarch, Sohn der Donauquelle vom Klosterhof von Morgenglanz-Abendregen, der auf dem Klosterhof Medingen der Familie Wahler neben dem Zuchteinsatz auch im Springen bis zur schweren Klasse überzeugte. Sein gekörter Sohn Tycoon aus der Titania II von Damaskus ist Muttervater der gekörten Hengste C’est bon von Distelzar und Le Rouge von Pret a Porter. Trakehner Donaumonarch-Kinder sind erfolgreich in S-Dressurprüfungen (Grandezzo aus der Ginger III von Banditentraum und Picard aus der Primaballerina von Virgil) sowie im Spring- und Vielseitigkeitssport bis Klasse M. In Hannover bzw. Sachsen stellte er mit Donaudream bzw. Doreen auch S-Springpferde. 114 Donaumonarch-Töchter sind bei verschiedenen Zuchtverbänden eingetragen, 195 Turnierpferde verdienten bis 2006 72.666 € Gewinngelder.

Zwei Jahre später betrat Sir Chamberlain die züchterische Bühne, ein Sohn der Syone von Padparadscha-Welsh Minstrel xx. Der noble Braune legte eine hervorragende Hengstleistungsprüfung als Sieger ab; seine Kinder sind im Dressur- und Springsport bis zur schweren Klasse erfolgreich, Brissago aus der Brisbane von Pamino ShA im Springen sowie Evano aus der Elbe III von Condus und Ictenos aus der Ikone XI von Marlon in der Dressur. Der stark benutzte Hengst stellte bisher die gekörten Söhne Ictenos, Bordos aus der Brindisi von Michelangelo und Houston aus der High Fidelty von Saros xx. 93 Sir Chamberlain-Töchter wurden als Zuchtstuten eingetragen und 33 Sportpferde bei der FN registriert. Bis 2006 belief sich seine Nachkommen-Lebensgewinnsumme auf 42159 €.

Mataro aus der Manjana V von Wolter-Vincent wurde Reservesieger der Körung 1997. Die Hengstleistungsprüfung des in den Niederlanden aufgestellten Hengstes fiel bescheiden aus und der Hengst wurde im Jahr 2000 aus der Zucht abgemeldet.

Die jüngsten gekörten Trakehner-Söhne Sir Shostakovichs sind Best Before Midnight aus der Bergliebe II von Bajar ShA-Gabriel und Chateauneuf aus der Chamonix von Kostolany-Santiago, die beide noch keine stärkere züchterische Nutzung erfahren haben. Beide sind im Sport bewährt: Best Before Midnight ist in L-Springen und M-Dressurprüfungen platziert, Chateauneuf in L-Dressur und M-Springen.

Fünf weitere Sir Shostakovich-Söhne aus Holsteiner Müttern wurden in Holstein, Bayern und beim ZfdP gekört, darunter der bisher nicht in der Zucht eingesetzte Salahudine, der in Dressurprüfungen bis Prix St. Georges siegreich ist, und der holsteinische Reservesieger Seven Valleys.

Insgesamt 105 Töchter Sir Shostakovichs wurden in die Hauptstutbücher verschiedener Verbände eingetragen: Trakehner, Hannoveraner, Oldenburg, Rheinländer, Westfalen und Mecklenburger und Stuten mit dem ZfdP-Brand. Unter seinen Trakehner Töchtern ragt Harmonia IV heraus, eine Tochter der Harmonie XX von Insterfeuer-Patron, die Mutter des gekörten Hohenstein-Sohnes Heartbreaker wurde. Dieser noch junge Hengste deckte nur kurz in Deutschland und steht heute in Dänemark. Seine wenigen Fohlen wurden hoch gelobt und die ersten Töchter mit hohen Bewertungen eingetragen.

Ebenfalls zuchtbewährt ist die doppelt prämiierte Pretty Daughter aus der Perspektiva von Kurfürst-Bilmar, die den gekörten und in M-Dressur platzierten Pretty Dancer von Charly Chaplin sowie die ebenfalls doppelt prämiierte Tuareg-Tochter Pretty Flower brachte, deren Tochter Prettiness von Van Deyk Eintragungssiegerin des Zuchtbezirks Rheinland 2006 wurde.

Sportlich wurden und werden Sir Shostakovichs Kinder erfolgreich in den drei Sparten des klassischen Reitsports erfolgreich bis zur schweren Klasse eingesetzt; 329 Nachkommen wurden bisher bei der FN registriert, die Nachkommen-Lebensgewinnsumme betrug 2006 338.565 €.

Der nach Lebensgewinnsumme in Deutschland erfolgreichste Sprössling in der Trakehner Zucht ist Longchamps aus der Lantana von Patron-Hartung, der unter Martina Loheit (heute Köhncke) im Jahr 2000 Deutscher Vizemeister wurde und an den Olympischen Spielen teilnahm. Bei den 3*-Prüfungen in Cavertitz, Achselschwang und Bonn-Rodderberg konnte sich das Paar im selben Jahr jeweils unter den ersten fünf platzieren. Longchamps Lebensgewinnsumme betrug 14.898 €. In den Vereinigten Staaten etablierte Holly Hepp den aus dem selben Mutterstamm gezogenen Lester Piggott aus der Louisiana II von Tizian-Patron in internationalen Vielseitigkeitsprüfungen auf 3*- und 4*-Niveau. Hier soll auch der Holsteiner Sinjang erwähnt werden, der unter Beeke Kaack am Beginn einer internationalen Karriere im Busch steht: Beim ersten Championatsstart bei der Vielseitigkeits-Europameisterschaft 2007 belegte das Paar einen vielbeachteten 11. Platz in der Einzelwertung und lieferte damit das drittbeste deutsche Ergebnis ab! Auch die Holsteiner Salt’n Pepper und Admiral von Schneider sind derzeit auf 3*-Niveau hochplatziert.

In schweren Springprüfungen konnten die Trakehner Nachkommen Donaumonarch, Hakunamatata aus der Honey III von Habicht-Grimsel und das Medinger Auktionspferd Better Be Good aus der Brittannia von Hartung-Ramzes AA überzeugen. Derzeit sind außerdem die Holsteiner Nachkommen Shirley, Sinead und Santano weisen aktuelle Platzierungen in schweren Springen auf.

In schweren Dressurprüfungen gibt es bisher keinen erfolgreichen Trakehner Nachkommen, wohl aber Nachkommen mit anderen Bränden: Neben dem erwähnten gekörten Holsteiner Salahudine sind mit aktuellen Erfolgen die Holsteiner Sir Salvador und La Diva sowie der bis Grand Prix Special international hochplatzierte Sauvignon zu nennen. 14 weitere Trakehner-Nachkommen von Sir Shostakovich konnten sich in M-Prüfungen aller drei Sparten etablieren.

Bei der Betrachtung der ersten sechs Generationen des Pedigrees von Sir Shostakovich fallen einige Linienzuchten ins Auge: Nasrullah findet sich in 4.-3., sein Vater Nearco zusätzlich über seinen Sohn Dante in 5. Ahnenreihe, der Dark Ronald-Sohn Dark Legend in der 5.-6. Generation, die Stute Double Life in der 5.-4., Blenheim 6.,5.,-5. und sein Vater Blandford zusätzlich zweimal in der 6 Ahnenreihe, ebenso wie Fairway und Swynford.

Sir Shostakovichs Vater Rheingold war ein hervorragendes Rennpferd, das in mehreren Rennzeiten viele große Erfolge feierte – er holte jeweils den zweiten Platz bei den Champagne Stakes in Doncaster, den Dewhurst Stakes in Newmarket 1971, beim Englischen Derby in Epsom und den King George VI and Queen Elizabeth Diamond Stakes in Ascot 1972 und er siegte 1973 im Prix Ganay in Longchamp und beim Hardwicke Stakes in Ascot. Sein bedeutendster Erfolg ist der Sieg im Prix de l'Arc de Triomphe in Longchamp 1973 unter der Jockeylegende Lestor Piggot

Vater des Rheingold war der Faberge II, der vom Nasrullah-Sohn Princely Gift abstammte. Von Princely Gift stammen auch die in der Trakehner- und Warmblutzucht eingesetzten Deadly Nightshade (Vater von Chopstick und Schneekönig) und Rubicon. Auch Mytens, Likoto, Kronenkranich, Narew und Oglio sind bekannte Vollblüter aus der Nasrullah-Hengstdynastie, die in der Trakehnerzucht eingesetzt wurden bzw. werden. Auch der in der Holsteiner Zucht eingesetzt und im internationalen Springsport hochbewährte französische Schimmel Silbersee stammt von einem Vollblüter aus der Nasrullah-Linie.

Die Mutter von Sir Shostakovich, Sinful, stammte vom Nasrullah-Sohn Grey Sovereign aus einer Tochter des Precipitation. Dieser ist in der Warmblutzucht durch seinen Sohn Furioso hervorgetreten, dessen in Frankreich gezogene Söhne Mexico (Großvater u. a. des mehrfachen Springderby-Siegers Champion du Lys), Futuro und vor allem Furioso II auch in der deutschen Warmblutzucht vor allem als Springvererber Furore machten.

Interessant auch ein Blick auf die Stutenfamilie, der Sir Shostakovich entstammt: Auf seine dritte Mutter Hell’s Fury geht auch der Vollblüter Condrieu zurück, dessen Holsteiner Sohn Marius zu den derzeit besten Vielseitigkeitspferden der Welt gehört. Die mütterliche Halbschwester der Hell’s Fury, Lady Angela, ist Mutter des Nearco-Sohnes Nearctic, der wiederum Vater des Kentuck-Derby-Siegers und bedeutenden Vollblutvererbers Northern Dancer ist.

Die Mutter des Couleur-Fürst war die hochdekorierte hellbraune Couleur aus der Zucht von Hans-Werner Paul im schleswig-holsteinischen Rethwisch. Die mittelgroße, elegante Stute wurde 1979 in Traventhal mit den Noten Typ 9, Gebäude 9, Regelmäßigkeit 8, Schwung 9, Gesamteindruck 9 eingetragen – damit holte sie sich den ersten ihrer vielen Titel ab, sie wurde Siegerstute der Vierjähringen bei dieser Eintragung. Außerdem wurde sie mit der Verbands- und der Staatsprämie bedacht. Im selben Jahr wurde sie bei der 1. Bundesschau des Deutschen Reitpferdes in Handorf mit dem 1d-Preis ausgezeichnet, bei der 2. Bundesschau in Verden 1992 erhielt sie den 1b-Preis und den 1a-Preis mit der Familiensammlung der Coretta. Zahlreiche weitere Auszeichnungen folgten, wie der 1a-Preis bei der 3. Landesschau des Zuchtbezirks Rheinland in Sonsbeck 1981, der 1b-Preis und der 1a-Preis in der Familiensammlung der Coretta bei der 2. Trakehner Bundesschau in Verden 1982, der 1b-Preis sowie mit der Familiensammlung der Coretta der 1a-Preis und das Reservechampionat bei der 2. Bundesschau des Deutschen Reitpferdes in Verden 1983 oder der 1b-Preis bei der DLG-Ausstellung in Frankfurt 1984 sind nur die wichtigsten dieser bewegungsstarken, auffällig gezeichneten Qualitätsstute.

Das erste Fohlen der Couleur war der 1979 geborenen Memphis-Sohn Lombard, der in Springprüfungen bis zu Klasse L erfolgreich eingesetzt wurde. Nach einem weiteren Hengstfohlen von Braunsberg wurde Couleur von ihrem Züchter an das bekannte rheinische Trakehnergestüt Bönnighardt der Familie Heitfeld in Issum verkauft. Dort fohlte sie 1981 einen Fuchshengst von Aron, der unter dem Namen Caanitz in Neumünster gekört wurde. Caanitz deckte auf dem Gestüt der Familie Gunia in Uslar und wurde im Springsport eingesetzt. Im Alter von nur acht Jahren ging der bis M platzierte Hengst an einer Brustfellentzündung ein. Er erreichte eine Lebensgewinnsumme von 3.381 € und hinterließ 22 eingetragenen Töchter und 55 registrierte Sportpferde, von denen fünf Platzierungen in M-Springen und eines, Kadenz aus der Königsinsel von Inselkönig, in S-Springen erfolgreich waren. Die Caanitz-Tochter Traversale aus der Treuburg III von Kopernikus stellte das S-Dressurpferd Troubadour von Humanus und wurde Großmutter des in Österreich gezogenen und gekörten Münchhausen-Sohnes Tassilo W. Herbstjagd III aus der Herbstfahrt von Marengo kann auf zwei bis M erfolgreiche Kinder verweisen: Herbstfeuer von Humanus bewährte sich im Dressurviereck, Hindenburg von Schneesturm siegte 2005 als Sechsjähriger im Trakehner Springpferdechampionat beim Bundesturnier in Hannover und ist inzwischen hochplatziert bis M/A. Polarblume II aus der Polarknospe von Maharadscha stellte mit Toledo von Timber ebenfalls ein in der schweren Klasse bewährtes Dressurpferd.

1985 gebar Couleur Concordia II von Patron, deren Sohn Callumed M von Wettsport in Dressurprüfungen der Klasse A und Springen der Klasse L erfolgreich war. Ihre Solo xx-Tochter Cornetta II wurde ebenfalls im Gestüt Bönninghardt züchterisch eingesetzt und lieferte neben zwei L-Dressur- und einem L-Springpferd Corwetta von Timber, die Platzierungen in M-Springen vorweisen kann.

Im folgenden Jahr brachte Couleur die ein Jahr ältere Vollschwester des Couleur-Fürst: Contessa wurde in Springprüfungen bis zur Klasse M erfolgreich eingesetzt.

Eine weitere Couleur-Tochter ist die Staatsprämienstute Courabess von Guter Planet, die die beiden in L-Dressuren startenden Cartier M von Biotop und Cartier von Monteverdi stellte.

Die wohl bedeutendste Tochter der Couleur dürfte die doppelt prämiierte Couracia von Caprimond sein, deren Sixtus-Sohn Couracius 2003 Reservesieger der Körung wurde und auf dem Gestüt Hörstein stationiert ist. Chopard, ein Vollbruder der Couracia, war in Dressurprüfungen bis zur Klasse L platziert.

1994 erhielt Couleur eine Auszeichnung der besonderen Art: Als erste Stute erhielt sie vom Trakehner Verband den Titel „Elitestute“, der in jenem Jahr eingeführt wurde und überdurchschnittliche Vererbungs- und Eigenleistungen von Zuchtstuten honorieren soll. Überflüssig zu erwähnen, dass Couleur auch in das FN-Leistungsstutbuch Abteilung D eingetragen ist.

Couleurs Vater war der im schweren Vielseitigkeitssport erprobte Kassiber, der bereits als Muttervater des Vivus in dessen Portrait ausführlich beschrieben wurde. Mütterlicherseits stammt Couleur aus der Coretta von Auftakt. Coretta war im Mutterleib nach Rethwisch gekommen und begründete dort einen qualitätvollen, blühenden Familienzweig. Sie war eine nur mittelgroße, aber mit viel Tiefe ausgestattete Braune und brachte in acht Zuchtjahren sieben Fohlen, darunter fünf Stuten. Vier davon fanden Eingang in die Trakehner Zucht: Das erste Fohlen war Concordia von Karwendelstein, die im Springsport bis Klasse L platziert war und mit dem Bajar Sh.A.-Sohn Cord ein erfolgreiches M-Springpferd stellte. Ansonsten blieb sie züchterisch unbedeutend. Nach Couleur fohlte Coretta deren Vollschwester Corona III, die in den Zuchtstätten Wäldershausen (Fam. Quandt) und Bönninghardt (Fam. Heinen) eingesetzt wurde. Ihr Sohn Chasseur von Flaneur wurde in L-Dressurprüfungen eingesetzt, während der Mahagoni-Sohn Corelli auf diesem Niveau auch in Springprüfungen platziert war. Coronas Rubicon xx-Tochter Calgary ist Mutter des Caprimond-Sohnes Catani K, der nicht für die Trakehnerzucht anerkannt ist. In den nordrhein-westfälischen Landespferdezuchten und beim ZfdP ist der typvolle Braune gekört und kann auf Nachkommenerfolge in der Dressur bis zur Klasse M verweisen. Die bedeutendste Corona-Tochter ist die doppelt prämiierte und mit dem Elitetitel ausgezeichnete Contessa V von Michelangelo, deren Interconti-Sohn Contis 2006 in Neumünster gekört wurde. Die vierte Coretta-Tochter in der Zucht war Cordula VII von Schiwago, die mit Copelia von Bartholdy und Costarica von Patricius xx zweimal die Siegerstute der Zentralen Stuteneintragungen des Zuchtbezirks Schleswig-Holstein in Traventhal stellte, bevor sie im englischen Gestüt Holme Grove für die weitere Verbreitung der Familie sorgte. Cordula ist Urgroßmutter des gefragten Hörsteiner Nachwuchsvererbers Cadeau von Silvermoon.

Corettas Vater war der Impuls-Sohn Auftakt, der mütterlicherseits der Familie der Alwina angehört, aus der auch der hier bereits beschriebenen Arc de Triomphe hervorging. Auftakt konnte die männliche Linie nicht erhalten – sein einziger gekörter Sohn Perlenkönig aus der Pellerine von Hansakapitän wurde recht früh gelegt und hinterließ kaum Nachzucht. Auftakt war ein großer und sehr solider Fuchshengst. 1965 wurde er Siegerhengst der Körung in Neumünster, ging aber bereits nach zwei Decksaisons im Verbandsgestüt Hunnesrück an Darmverschlingung ein. Unter seinen 16 eingetragenen Töchtern sind unter anderem die aus Corettas Großmutter Corry gezogenen Candy, deren Habicht-Sohn Orlof in den Niederlanden gekört wurde. Auf ihn gehen die international erfolgreichen KWPN-Springpferde Newton und Maroon (Wout Jan van der Schans) sowie Markus Fuchs’ Siegerpferd vom Großen Preis von Aachen 2004 und Weltcupsieger 2001, Tinka’s Boy, zurück. Eisblume II von Auftakt aus der Erika von Pregel brachte mit Elbe II von Condus die Mutter der beiden erfolgreichen S-Dressurpferde Evano von Sir Chamberlain und Enim Pascha von Zauberklang; Enim Pascha war auch für die Trakehner Zucht gekört. Auch Kasimir von Ivernel, der sich 2007 als fünfjähriger für das Bundeschampionat des Deutschen Dressurpferdes qualifizierte, geht auf eine Auftakt-Tochter zurück. Zwei Auftakt-Töchter brachten jeweils ein hocherfolgreiches S-Springpferd: Koda aus der Korda von Hansakaptiän ist Mutter der Konda von Coktail, Riga II aus der Regina von Altan brachte Romanze XIII von Ergo. Romanze vererbte ihr Talent an ihren Sohn Renoir von Suchard, der die Trakehner Farben aktuell in schweren Parcours’ vertritt.

Corettas Mutter Corvina wurde im Ostpreußengestüt Hunnesrück gezogen. Sie war eine kleine, recht leichte braune Stute, die nach zwei Fohlen von Hessenstein an Hans-Werner Paul verkauft wurde. Insgesamt brachte sie in elf Zuchtjahren neun Fohlen – alle ihre Töchter wurden ins Trakehner Hauptstutbuch eingetragen, drei ihrer fünf Söhne erhielten das Prädikat „gekört“.

Die in Hunnesrück gezogene Tochter Corpora von Hessenstein vertrat die Familie auf dem Gestüt Eichenhof der Familie Gunia. Ihr Sohn Cohinoor von Kopernikus war in schweren Dressurprüfungen erfolgreich.

Corvinas Tochter Cosmea war eine vielseitig veranlagte Donauwind-Tochter, die sich in den drei klassischen Reitsportdisziplinen auf L-Niveau bewährte. Züchterisch konnte sie die Linie jedoch nicht weiterführen.

Anders Cosima II von Habicht: Sechs ihrer Kinder können Platzierungen in Dressur und Springen vorweisen, darunter der Bartholdy-Sohn Cocteau, der 7.333 € in schweren Dressurprüfungen gewann. Ihre Tochter Confetti von Giorgio Armani ist Mutter des M-Dressurpferdes Concha von Tanzmeister I.

Der erste gekörte Sohn der Corvina war der Donauwind-Sohn Cornelius, ein bewegungsstarker, solider und korrekter Brauner, der im Typ etwas schlicht wirkte. Zwei seiner Söhne wurden gekört, jedoch beide nach Kanada verkauft. In Deutschland tat sich Cornelius als Lieferant von patenten Reitpferdemodellen und auch einiger erstklassiger Töchter hervor. Mit der Kassio-Tochter Larthi brachte er das S-Dressurpferd Legat und die hochklassige Lillemor, deren Baluster-Sohn Limor-L in internationalen Vielseitigkeitsprüfungen CCI* erfolgreich ist. Johanna V von Cornelius aus der Johannisnacht II von Ikarus ist Mutter der M-Dressurpferde Jivaro von Koran und Jalou von Rockefeller. Kornernte aus der Kornweihe von Kassio stellte das S-Dressurpferd Komedo von Waldzauber. Insgesamt stellte Cornelius 21 eingetragenen Töchter und 23 FN-registrierte Nachkommen mit einer Gewinnsumme von 8.308 €. Nach acht Deckeinsatzjahren auf dem bayerischen Gestüt Nannhofen wechselte er nach Österreich, wo er zwei Jahre später an Kreislaufschwäche einging.

Corvinas Habicht-Sohn Coktail deckte nur sieben Jahre in Deutschland, ehe er nach Australien verkauft wurde. Auch er zeichnete sich durch Korrektheit und vor allem durch seine Bewegungsqualität aus, die er auch weitergab; dabei war er wohl seiner Zeit voraus – die heute so gesuchte Knieaktion wurde ihm damals angekreidet. Für die Trakehner Zucht wurde in Deutschland kein Sohn von ihm gekört, der im Ponymaß stehende Belvedere aus der Belle Lune von Sleipnir wurde jedoch für die Reitponyzucht anerkannt. 44 registrierte Coktail-Nachkommen gewannen 27.377 €, darunter das S-Springpferd Konda aus der Koda von Auftakt und fünf bis zur Klasse M erfolgreiche Springpferde. Die bekannteste der insgesamt 35 eingetragenen Coktail-Töchter dürfte Peru II sein, deren gekörter Mahagoni-Sohn Peron die Mannschafts-Bronzemedaille und den 6. Platz der Einzelwertung in der Dressur bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 gewann. Peru ist außerdem Urgroßmutter des gekörten und mittlerweile auch im schweren Dressursport erfolgreichen Sixtus-Sohnes Peron Junior. Raikah von Coktail aus der Randi von Postmeister brachte den gekörten Van Deyk-Sohn Rastenberg und seiner in M-Dressuren platzierten Vollschwester Rhamina S, Gothewind von Coktail aus der Goldstück von Hessenstein ist Großmutter des im internationalen Grand Prix-Sport erfolgreichen designierten Elitehengstes Solero von Hyllos. In den USA wurde der in Hunnesrück gezogene Coktail-Sohn Martini aus der Maranja von Tannenberg gekört. Martini war bis Grand Prix erfolgreich.

Der dritte gekörte Sohn der Corvina war ihr letztes Fohlen: Corvin von Schwärmer. Auch er verließ Deutschland nach acht Deckeinsatzjahren; in Österreich wurde er außerdem im Dressursport bis zur Klasse S erfolgreich herausgebracht. Der schicke Rappe konnte 37 eingetragene Töchter und 42 registrierte Sportpferde stellen, die 29.021 € gewannen. Seine Tochter Fenitza aus der Farina IX von Heiltrank brachte davon in schweren Springprüfungen den Löwenanteil ein – 22.603 € stehen auf ihrem Konto zu buche. Zwei weitere Nachkommen waren in M-Springen platziert. Die Nachkommen von Corvins Töchtern waren meist im Dressurviereck zu hause, Schwalbenfee aus der Schwartau von Traumgeist xx brachte das S-Dressurpferd Salou von Atoll, Freya XII aus der Fatima von Malachit ist Mutter des Palermo von Leonardo, der ebenfalls Erfolge in S-Dressuren hatte. Corvins Tochter Komtess V aus der Komtesschen von Hessenstein stellte mehrere prämiierte Töchter und wurde Elitestute.

Der Vater Corvinas war der stämmige Rappe Boris, der neben Corvina mit Donaulied eine weitere Spitzenstute lieferte. Donaulied, die mit dem Elitetitel ausgezeichnet wurde, wurde mit Danube, Donaustein und dem Hauptvererber Donauwind dreifache Hengstmutter und eine der wichtigsten Säulen der Donna-Familie. Corvinas Mutter ist die Altan-Tochter Corry, die einen eigenen Familienzweig innerhalb der Familie ihrer noch in Trakehnen gezogenen Mutter Corrida schuf. Unter Corrys Kindern waren der in Vielseitigkeitsprüfungen der Klasse M erfolgreiche Postmeister-Sohn Cairo, das M-Springpferd Corramin von Stern xx und acht Zuchtstuten, darunter neben Corvina die Prämien- und Elitestute Cornau von Lothar, die sich über den Leistungsvererber Consul von Swazi xx und die Reitpferde-Bundeschampioness und spätere Dressurqueen Corna von Illuster ihren Ehrenplatz in der Trakehner Geschichte gesichert hat. Auf Cornau gehen auch die gekörten Hengste Checkpoint, Cornus und Connery zurück.

Am 13. März 1987 wurde Couleur-Fürst auf dem Gestüt Bönninghardt der Familie Heitfeld in Bönninghardt bei Issum im Rheinland geboren. Der auffällig gezeichnete Braune wurde bei seinem Züchter als Hengstanwärter aufgezogen und schaffte die Zulassung zum Hengstmarkt im Oktober 1987; „vorläufig nicht gekört“ lautete jedoch zunächst sein Ergebnis, da er der Kommission noch zu unreif erschien, doch nur sechs Wochen später erhielt er am 8. Dezember 1989 doch das Urteil „gekört“.
Couleur-Fürst kam zunächst als Leihhengst in das Gestüt Eichenhof der Familie Gunia, wo er auch auf seine Hengstleistungsprüfung vorbereitet wurde, die er im Herbst 1990 in Adelheidsdorf bestand. In den folgenden Jahren wurde Couleur-Fürst sowohl im Springen als auch in der Dressur bis zur Klasse M gefördert; Siege und Platzierungen in M/B- und M/A-Springen sowie in M/B-Dressurprüfungen stehen in seinem Scheckheft, seine Lebensgewinnsumme beläuft sich auf 4.000 €. 1998 verkaufte Familie Heitfeld den Hengst an Franz-Josef Dahmen aus Hürtgenwald, der den Hengst fortan auf seinem Gestüt Tannhof aufstellte. Anfang Januar 2007 wurde der 20jährige Vererber an das Gestüt Oberhof in der Schweiz verkauft, wo er weiterhin im Natursprung deckte. Nur acht Monate später, im September 2007, wurde er wegen einer schweren Kolik eingeschläfert.

Groß waren die züchterischen Chancen nicht, die Couleur-Fürst in seinen achtzehn Deckeinsatzjahren erhalten hat; bisher wurde keiner seiner Söhne gekört; dreizehn Töchter wurden bis 2007 eingetragen, darunter immerhin drei Staatsprämienstuten, von denen eine, Linsterblüte, zusätzlich ins FN-Leistungsstutbuch Abteilung A eingetragen wurde. Die auch mit der Verbandsprämie ausgestattete Linsterblüte aus der Linsterblume von Tenor-Insterruf war Reservesiegerstute ihrer Eintragung im Zuchtbezirk Rheinland. Königsfreude aus der Königstreue von Caanitz-Inselkönig brachte von Humanus das Reitpferd Kasimir, der beim Trakehner Bundesturnier 2003 im Reitpferdechampionat der dreijährigen Hengste startete, wo er in der Einlaufprüfung und im Championat jeweils Dritter wurde. Zwei Töchter des Couleur-Fürst werden in der Springpferde-Sektion des GP-Zuchtprogramms des Trakehner Verbandes geführt: Ragnit aus der Rhapsodie V von Kopernikus-Hessenstein und Kavalkade, Vollschwester der bereits erwähnten Königsfreude. Die beiden GP-Stuten sind mit ihren zweieinhalbjährigen Söhnen im Lot für die Körung in Neumünster 2007 vertreten: Ragnit stellt einen Sohn aus dem ersten Jahrgang des Siegerhengstes In Flagranti, Kavalkade einen Vertreter des ersten Jahrgangs des S-Springhengstes Long Deal. Couleur-Fürst-Töchter wurden meist mit guten Bewertungen eingetragen; sein Exterieur-Zuchtwert 2006 war mit 130 Punkten klar überdurchschnittlich; besonders hinsichtlich Typ – als Sir Shostakovich-Sohn nicht unbedingt zu erwarten – und Oberkörper wusste er zu verbessern; bei den Grundgangarten fällt besonders die hohe Bewertung des Schritts auf, während die Galoppade der Töchter diese Halbblüters fast durchschnittlich bewertet wurde.

Bei der FN wurden bisher 29 Nachkommen als Turnierpferde registriert, die bisher eine Nachkommen-Lebensgewinnsumme von 6.405 € zusammentrugen; einer davon, Rebell aus der Resonanz IV von Timber-Kopernikus, konnte sich in Dressurprüfungen der Klasse M platzieren und erzielte bisher eine Lebensgewinnsumme von 2.763 €. In Österreich wurde der Couleur-Fürst-Sohn Indigo registriert. Er ist unter Kirsten Löcker platziert in internationalen Vielseitigkeitsprüfungen bis CIC** und hat auch 3*-Prüfungen in der Wertung beendet. Sieben weitere Nachkommen sind in Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen der Klasse L erfolgreich.




Text und ©: Friederike Winkler
Fotos: Trakehner Hengstbuch 1990, www.trakehnergestuet-tannhof.de, www.sportpferde-vom-oberhof.ch/