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Saint Cloud


Schwarzbraun, gr.St., kl.Schn., bd.Hf.gefl.w.
geb. 24.04.1988

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig16720321.6
volljährig170

Züchter:
Martha Haasler, Gestüt Alpen, Krs. Moers/Rhld.
Aufzüchter:
Wilhelm Wehrmann, Hameln

Gekört 1990 Neumünster

Pedigree

Neuquen xx, Sch. 1971 Hardicanute xx, B. 1962 Hard Ridden xx, B. 1955 Hard Sauce xx
Toute Belle xx
Harvest Maid xx, B. 1949 Umidwar xx
Hay Fell xx
Nigeria, Sch. 1966 Right Boy xx, Sch. 1954 Impeccable xx
Happy Ogan xx
Nona xx, B. 1957 Oise xx
Naxos xx
SPS Silke, B. 1975 Incitatus, Sb. 1969 Donauwind, B. 1965 Pregel
Donaulied
Isabel IV, R. 1961 Herbstwind
Ilona
Sissi, B. 1954 Wirbelwind xx, B. 1938 Tourbillon xx
Wiener Blut xx
Sylva, F. 1943 Martini
Sonja

Hengstlinie des Neuquen xx, Stutenfamilie der O216A Sylva (Haasler-Alpen)

Eigentümer

1990-1999: Hans Joachim Nagel, Gestüt Webelsgrund
1999-2001: Barbara von Grebel, Schweiz
seit 2002: Jan Bastrup Pedersen und Nils Gröndal, Dänemark

Stationierung

1991: LH Kastl (Fam. Gassner) Altötting Bayern
1992-1994: Privathengst Gestüt Webelsgrund (Nagel) Nds-H
1995: LH Bayerisches HuL Schwaiganger Bayern
1996: LH Gestüt Mühlenort NRW
1997-1998: LH Gestüt Grönwohldhof (Schulte-Frohlinde) SH
1999: Reithengst bei Barbara von Grebel Schweiz
2000-2001: nicht in der Zucht
seit 2002: Skövring Hingstedeport Dänemark

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung 1991 in München-Riem

Charakter: 9,3 Schritt: 8,0 (Pr. 8,0)
Temperament: 8,7 Trab: 9,0 (Pr. 7,5)
Leistungsbereitschaft: 7,7 Galopp: 7,0 (Pr. 8,5)
Leistungsfähigkeit: 6,0 (Pr. 9,0) Springanlage: 5,0/6,25 - 4,7/6,88
Rittigkeit: T 8,3 FR 7,5 Pr 8,25 Geländeprüfung: 7,38
Rittigkeitsindex: 153,94 (1.) Springindex: 101,6 (17.)
Gesamtindex: 137,08 (2./34) Leistungsklasse:

Turniersporterfolge:
in Dressurprüfungen bis Grand Prix

Nachzucht

Exterieur:
Anzahl TöchterTypOberkörperFundamentSchrittTrabGaloppGesamt-
eindruck
Gesamt-
zuchtwert
Widerrist-
abweichung
588099103 89999078 890,2


Gekörte Söhne (6): Manhattan, Eloquent, EH Latimer, Bellheim, Liebestraum, Sole Mio (Hann.)

Töchter (162): Blitzfee, SPS Distanz, Evje, Insterlady III, Kinshasa, La Belle, La Vie, Luana, Michelle, Venus, Werina, Undine XV, Zoe, St. Claire (Hann.), u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:384
davon mit Platzierungen:58 (in 2006)
davon in Klasse M. und S.:4 in S


Als Saint Cloud 1990 in Neumünster der Reservesiegerpreis der Körung zugesprochen wurde, hätte man kaum ein ungleicheres Siegerpaar präsentieren können. Im Vergleich zu dem edlen Schimmel Herzzauber war Saint Cloud sehr groß und mächtig, dunkelbraun und schon damals mit großer Ausstrahlung auftretend. Der Zuchtleiter kommentierte wie folgt: „Trotz des hohen Vollblutanteils ein starker Hengst im typischen Hunterformat, der bei viel Rahmen aufgrund einer großen Schulter- und Kruppenpartie dennoch geschlossen wirkt und eine sehr gute, markante Oberlinie aufzuweisen hat. Korrekt und stark im Fundament mit großem Huf. Stets ausbalanciert in allen drei Grundgangarten, die mit viel Raumgriff, Takt, Schub und Elastizität ausgestattet sind. Auffallend gutes Interieur.“

195.000 Mark legte Hans Joachim Nagel für den Hengst an und stellte ihn im ersten Jahr als Leihhengst auf der Station Gassner in Kastl bei Altötting/Bayern auf. Hier wirkte zuvor der legendäre Webelsgrunder Kassius segensreich – was den Bogen zu Nagel schließt, denn der hatte Webelsgrund käuflich erworben … Für Saint Cloud ging es weiter nach München-Riem zur Hengstleistungsprüfung. Mit exorbitantem Rittigkeitsindex von 154 Punkten setzte der Hengst sich trotz mehr als mäßiger Vorstellung im Springen an die 2. Stelle des 34 Hengste umfassenden Starterfeldes.

Beim Championat, wo er keine Chance gegen den überragenden Kennedy hatte, der später verdienstvolle Amatcho wiederum keine Chance gegen ihn, litt seine Vorstellung mit Helmar Bescht unter der unverständlichen Wertung einer Richterin – das Endergebnis mit dem 2. Platz hinter Kennedy stimmte dann aber wieder.

Saint Cloud wurde von Anfang seiner Zuchtkarriere an wie kaum ein anderer Hengst protegiert. Er deckte eine kaum vorstellbare Anzahl an Stuten, seine Fohlen qualifizierten sich reihenweise für Fohlenchampionate bis zu nationaler Ebene. Kein Wunder, dass dabei die sportliche Ausbildung des Hengstes selbst ein wenig auf der Strecke bleiben musste. Finanzielle Probleme seines Besitzers führten dazu, dass Saint Cloud zum Wanderer zwischen den Stationen wurde – Webelsgrund, Schwaiganger, Mühlenort waren da nur einige. Apropos Schwaiganger, das gerade immer wieder durch Ankäufe und Anpachtung von guten Trakehner Hengsten von sich reden macht: Seinerzeit war Saint Cloud nach Jahren der Abstinenz der erste Trakehner nach dem Tod des Flaneur-Bruders Mahdi, der im Bayerischen Haupt- und Landgestüt wieder eine Beschälerbox bezog.

Auch reiterlich war ihm alles andere als eine geradlinige Karriere beschieden. Viele Reiter nahmen in seinem Sattel Platz, und nicht jeder kam mit diesem Hengst zurecht. Viele haben Saint Cloud zu den verschiedensten Anlässen vorgestellt – und er war stets kooperativ, aber zum Strahlen brachte den Hengst kaum jemand. Es brauchte schon einen Grönwohldhof, damit Saint Cloud unter Karin Rehbein beweisen konnte, was in ihm steckt. Es blieb ihm auch nicht viel Zeit, schon in seiner ersten Grand-Prix-Saison stand er in der Spitzengruppe der Platziertenlisten auf den renommierten Turnieren Deutschlands. Und als die Trakehner Welt sich gerade zu freuen begann, dass Donnerhalls Nachfolger den Trakehnerbrand trug – da war es auch schon vorbei. Nagel veräußerte sein Juwel an die Schweizer Dressurreiterin Barbara von Grebel, die sich mit Saint Cloud einen Olympiastart erhoffte. Doch auch sie musste ihren Traum begraben – so gut wie Karin Rehbein kam sie mit dem Halbblüter nicht zurecht. Bald war der Hengst völlig aus der Dressurszene – und bedauerlicherweise auch aus der Zucht – verschwunden. Immerhin hatten Saint Cloud die Auftritte seiner Dressurkarriere eine Lebensgewinnsumme von 8.920 € eingebracht.

2002 schließlich zog der Hengst erneut um. Jan Bastrup Pedersen, in Dänemark alles andere als ein Unbekannter, nahm nun im Sattel von Saint Cloud Platz, Niels Gröndals Støvring Hingstedeport sorgt sich seither um den züchterischen Einsatz des Ausnahmevererbers, der mittlerweile auch für die dänische Warmblutzucht anerkannt und per TG in Deutschland verfügbar ist.

Saint Cloud, obschon Halbblüter und aus einer blutgeprägten Stutenfamilie stammend, hat rein äußerlich nicht den Nimbus eines Blütertyps. 67,97% Vollblut – und noch immer bringt er die besten Fohlen aus Blut führenden Müttern. Sein Pedigree kann man getrost als outcross bezeichnen, denn in den ersten fünf Generationen ist es frei von Inzuchten und Linienzuchten.


DER VATER

Der 1971 geborene Schimmel Neuquen xx wurde von Gräfin Batthyany in ihrem französischen Gestüt gezogen. Neuquen lief 2- bis 4-jährig auf der Bahn und erzielte bei 19 Starts fünf Siege und zehn Plätze. Seine Gewinnsumme beträgt 44.850 DM, sein höchstes GAG lag bei 86,5 kg. 1975 wurde Neuquen xx vom Trakehner Verband anerkannt – mit der Beurteilung: „Pompöser Schimmel im Typ des irischen Blüters mit hartem, energischem Leistungsausdruck. Enorme Partien, vor allem in Schulter und Kruppe. Etwas steiler Vorderfuß, langes Hinterbein. Raumgreifende Bewegungen aus sehr aktiver Hinterhand.“ Martha Haasler sicherte sich den 1.71 m Stock großen Vertreter bester Vollblutlinien für ihr Gestüt Alpen im Rheinland.

Neuquen ist ein Sohn des Iren Hardicanute, der die Phalaris-Linie der Vollblutzucht vertritt. Dieselbe Linie ist – auf Trakehner bezogen – u.a. auch verantwortlich für den Marbacher Vielseitigkeitsvererber Stan the Man xx, von dem mit Laurel ein erstklassiger Beschäler zur Verfügung steht. Hardicanutes Vater Hard Ridden ist ein Halbbruder zum in Holstein eingesetzten Freeman xx und außerdem der Muttervater eines der erfolgreichsten Vollblutvererber der jüngeren Geschichte: Chromatic xx wurde im irischen Kildare, wo auch das weltberühmte Nationalgestüt zu Hause ist, aus der Red Harmony gezogen.

Neuquens Mutter Nigeria hat Right Boy zum Vater, der vor allem mit dem in Oldenburg eingesetzten By Rights bekannt wurde. Nigeria entstammt einer äußerst prominenten Vollblut-Stutenfamilie, als deren Hauptexponentin man wohl Nella da Gubbio bezeichnen kann. Nella da Gubbios Tochter Najade v. Ticino ist u.a. Mutter des Derby- und Union-Siegers Niederländer v. Ticino, der der westfälischen Zucht den selbst springsporterprobten, nicht unumstrittenen Leistungsvererber Ben Shirin schenkte.

Nella da Gubbios Tochter Nereda v. Tourbillon ist die Mutter des Nizam v. Ticino, der sich in der hannoverschen Zucht mit seinem Sohn Sudan xx im Landgestüt Celle ein Denkmal setzte. Nella da Gubbios berühmteste Tochter Nereide v. Laland ist die Mutter des Nuvolari v. Oleander – auch er in Warmblutkreisen kein Unbekannter.

Nella da Gubbios Enkelin Nixe v. Arjaman u.d. Nanon v. Graf Isolani ist nicht nur Mutter des überragenden Rennpferdes Neckar v. Ticino und als solche von großer Bedeutung für alle Warmblutzuchten; sie ist außerdem Mutter des in Holstein und Hannover eingesetzten Nautilus v. Alizier und über ihre Tochter Nanne v. Nuvolari Großmutter des in Bayern eingesetzten Negresco v. Migoli und des in Hannover bewährten Novum v. Tabriz.

Nixes Tochter Naxos v. Ticino, die rechte Schwester also des Neckar, ist nicht nur (über ihre Tochter Nostrana v. Botticelli) Großmutter des Nebos v. Caro, sondern (über ihre Tochter Nona v. Oise) Großmutter von Neuquens Mutter Nigeria.

Neuquen xx stand von 1976 bis 1988 im Gestüt Haasler und wechselte anschließend in den Besitz von Familie Busse, die mit diesem Vollblüter ihre Hengsthaltung Altenbach eröffneten. Neuquen war bis zu seinem Tod 1994 Leihhengst des Landgestüts Celle auf verschiedenen Stationen. Die Beurteilung des Trakehner Zuchtleiters Anfang der 90er Jahre zur Nachzucht dieses Vollblüters lautete: „Seine Kinder tragen den Stempel des Vaters mit ihren großen Körperpartien und hoher Leistungsveranlagung für alle Disziplinen des Turniersports. Vereinzelt sind sie etwas empfindsam.“ Wohl wahr – denn Schlitten fahren kann und konnte man mit Neuquens Nachkommen nicht. Aber wenn man sie auf seiner Seite hatte, belohnten sie einen mit schier grenzenlosem Leistungswillen.

Gekört wurde außer Saint Cloud bei den Trakehnern auch Neuquens hannoversch aus einer Darling-Stute gezogener Sohn Newcomer, und zwar zunächst beim ZfDP und dann auch in Hannover. Newcomer war mit Andreas Dibowski in schweren Vielseitigkeitsprüfungen erfolgreich, von 1994 bis 2001 erzielte er u.a. in Schenefeld, Warendorf, Cavertitz und Luhmühlen 58 Platzierungen und 26.505 DM an Gewinngeld.

Nostradamus, ebenfalls hannoversch a.d. Euploia v. Eiger I gezogen, war siegreich und hochplatziert in Dressurprüfungen bis zum St.-Georgs-Preis.

13 Töchter des Neuquen xx wurden im Trakehner Hauptstutbuch eingetragen, darunter die züchterisch bereits bewährten Stuten Lausanne a.d. Lindenblüte IV v. Borusse und Libelle XXXII a.d. Luna XIV v. Ibikus. Neuqens beste Tochter in der Zucht dürfte die 1977 geborene Schimmelstute Chiusa sein. Sie stammt aus der Curiosa v. Insterfeuer und vertritt die schmale Stutenfamilie S30A der Czagda (zu Salm-Salm/Anholt). Chiusa ist Mutter des Charly Chaplin v. Mackensen, der mit Christoph von Daehne jahrelang bis zum Grand Prix erfolgreich in Dressurprüfungen war und später aufgrund seiner Eigenleistung und seiner Nachzucht zum Elitehengst ernannt wurde. Chiusa ist auch Mutter des Körungs-Reservesiegers von 1983, Chopin v. Waldzauber, der nach bestandener Leistungsprüfung in Adelheidsdorf 1985, drei Deckjahren und einer eingetragenen Tochter 1987 als Reitpferd verkauft wurde.


DIE MUTTER

Die im Gestüt Alpen der Familie Haasler gepflegte Stutenfamilie der Sylva v. Martini u.d. Sonja v. Pirol war stets Garant für blutgeprägte, ungewöhnlich gezogene und meist im Sport sehr erfolgreiche Pferde – dabei eine ganze Reihe wertvoller Beschäler für die Zucht. Sylva, 1943 im ostpreußischen Kreis Tilsit-Ragnit geboren, war in 2./3. Generation auf Pirol ingezogen, erhielt 1953 in Köln anlässlich der DLG-Ausstellung einen Ia-Preis und hinterließ der Zucht in 17 Zuchtjahren 14 Fohlen. Drei Töchter der Fuchsstute setzten die Familie fort.

Siegburg v. Fol Ami xx bewährte sich als Mutter der Hengste Siegel v. Handelsherr und Siegbert v. Garamond (selbst bis M-Dressur erfolgreich) sowie mit dem M-Springpferd Sherry VI v. Handelsherr und dem M-Dressurpferd Sigismund v. Gunnar. Siegburgs Tochter Siebenbürgen v. Handelsherr wurde auf der bayerischen Landesschau 1973 mit Ia prämiert und setzte die Familie mit zwei Töchtern fort. Siegburgs Tochter Siena v. Kongo ist Mutter der DLG-Ausstellungsstute Sixtina v. Tornado I. Siegburgs Tochter Signora IV v. Frohsinn wurde Mutterstute in Luxemburg.

Synode, als Zwilling geboren und noch dazu aus einer Doppelbedeckung von (Altrek xx) und Welsh Minstrel xx stammend, blieb mit 1.52 m Stockmaß zu klein und ist nur Stutbuchstute. Doch ihre sieben Fohlen aus sieben Bedeckungen bis zu ihrem frühen Tod im Alter von 13 Jahren waren vom Feinsten. Syoni II v. Frohsinn brachte vor ihrem Wechsel in die hessische Warmblutzucht vier Trakehnerfohlen, darunter das M-Spring- und L-Vielseitigkeitspferd Satchmo v. Schöngeist. Synus v. Hartung ging erfolgreich im Springsport bis Klasse M. Syggi v. Hartung, staatsprämiert und zweimal auf rheinischen Landesschauen prämiert, ist Mutter der ebenfalls staatsprämierten Ausstellungsstute Synfonie II v. Insterfeuer, des Elitehengstes Sokrates v. Patron und der im Klosterhof Medingen züchterisch bewährten Sarabande VI v. Patron. Syone v. Padparadscha schließlich ist nicht nur leistungsgeprüft, staatsprämiert und auf Ausstellungen ausgezeichnet, sondern auch Mutter des interessanten Beschälers Sir Chamberlain v. Sir Shostakovich xx.

Sissi v. Wirbelwind xx stand 19 Jahre in der Haasler’schen Zucht und brachte 16 Fohlen, darunter das S-Dressurpferd Sioux IV v. Absalon, die L-Springpferde Siciliano und Sister, beide v. Altrek xx, und der in den USA gekörte Hengst Sigurd v. Pergamos. Sissis Tochter Sylveline v. Famulus wurde Mutter des S-Dressurpferdes Schirokko v. Maharadscha, des M-Dressurpferds Stechlin v. Flaneur und der Stute Sally v. Pregel. Sally ist Mutter des gekörten Scharnhorst v. Kassio, der später als S-Dressurpferd in die USA ging, und der Serafina v. Damaskus, deren Sohn Serafino v. EH Tenor im Reitinstitut von Neindorff in Karlsruhe mit seiner herrlichen Piaffe-Passage-Tour echte Werbung fürs Trakehner Pferd machte.

Sissis Tochter Sirikita v. Absalon wurde Mutterstute in Belgien. Sissis Tochter Silke, staatsprämiert und auf Ausstellungen gezeigt, wurde 1975 von Incitatus geboren. Incitatus war ein abzeichenloser schwarzbrauner Donauwind-Sohn aus fast unbekannter Stutenfamilie mit dem Carajan-Vater Herbstwind, dem Paradox xx-Sohn Heinfried und dem Dampfross-Sohn Eklatant im mütterlichen Pedigree. Incitatus legte eine sehr gute Hengstleistungsprüfung ab und gewann über 40.000 Mark im Sport. Seine Kinder wiesen gute Rittigkeitsmerkmale auf – gleichwohl blieb Incitatus mit nur 28 eingetragenen Töchtern in 23 Zuchtjahren sehr begrenzt in seinem Einfluss auf die Zucht. Silke wurde 1978 mit den Maßen 1.65/20.8 und der Bewertung 8,7,6/7,8 eingetragen.


NACHZUCHT

Aufgrund der starken Förderung des Hengstes in der Zucht bereits in jungen Jahren gibt es eine ganze Menge Nachkommen des Saint Cloud. Vor diesem Hintergrund mag man zwar nicht gerade behaupten, dass sechs gekörte Söhne, 162 in verschiedenen Stutbüchern eingetragene Töchter und 384 eingetragene Turnierpferde mit einer Gewinnsumme von 94.747 € ein Pappenstiel seien, aber in gewisse Relation zur Zahl seiner Fohlen sollte man diese Werte schon setzen – gerade in einer Population, in der es nur sehr wenige Hengste mit aussagekräftigen Fohlenzahlen gibt …

Zumindest lautete die Bewertung des ersten Fohlenjahrgangs durch den Zuchtleiter seinerzeit wie folgt: „Die weitgehend sehr wüchsigen Saint-Cloud-Fohlen verfügen über eine gewünschte Aufteilung mit großer, schräger Schulter, mächtiger Kruppe, viel Körpertiefe und einem mittellangen Hals, der bisweilen etwas tiefer angesetzt ist als normal. Besonders sportlich im Auftreten mit lockeren, geschlossenen und bergauf getragenen Bewegungen, die sich frei aus der Schulter entwickeln können. Im Fundament meist sehr stark und besonders gut bemuskelt in der Hinterhand.“

Liebestraum, ein Prämienhengst aus der Zucht von Alfons Gradl, Chieming, stammte a.d. Larissa v. EH Sokrates, die mit zwei Töchtern die Familiensammlung der bayerischen Landesschau 1994 gewann. Liebestraum begann eine viel versprechende Dressurkarriere bei Dorothee Schneider mit Finalplatzierungen im Bundeschampionat und machte trotz geringen Einsatzes auch mit einigen hervorragenden Kindern züchterisch von sich reden. Viel zu früh setzte ein tragischer Unfall seinem Leben ein vorzeitiges Ende.

Mit dem inzwischen zum Elitehengst proklamierten Latimer dürfte sich der Kronprinz der kleinen Neuquen xx-Linie in der Trakehnerzucht gefunden haben. Latimers Mutter Lara v. EH Caprimond ist eine Tochter der Liebestraum-Mutter Larissa, war Klassensiegerin und Mitglied der siegreichen Familiensammlung bei der Landesschau Bayern 1994. Latimer ist nicht nur selbst bis in die höchsten Klassen im Dressursport erfolgreich, er ist mittlerweile auch Vater von sechs in der Trakehnerzucht gekörten Söhnen (Illux, Karolinger I und II, Immenhof, Finckenstein und – last, but not least – Hibiskus) und einer Reihe hervorragender Töchter.

Bellheim stammte aus Saint Clouds erstem Fohlenjahrgang, ist ein Sohn der Blitzgold v. Donauwind und vertritt die erlesene Blitzrot-Familie. Bellheim war erfolgreich bis zur Klasse M – sowohl im Dressur- als auch im Springsport – und ist ein Halbbruder des in Intermédiaire-Prüfungen erfolgreichen Brazil v. Lehndorff’s. Obwohl Bellheim wenig deckte, lieferte er bereits einige erfolgreiche Sportpferde, darunter den bis zur M-Dressur erfolgreichen Jardin.

Eloquent a.d. Elvira v. Seeadler aus der Zucht des neuen Gestütsleiters von Hohenschmark, Frank Bangert, und dem Besitz von Dr. Günther Löhr vertritt die Farben des Saint Cloud sehr erfolgreich im Parcours, wo er Erfolge bis zur Klasse S verzeichnen kann. Die Mutter Elvira ist über den zu Lebzeiten verkannten, aber mit erstklassigen Töchtern aufwartenden Habicht-Sohn Seeadler, den nach Australien abgegebenen Flugsand-Sohn Kämpfer und den Carajan-Vater Herbstwind alles andere als „en vogue“ gezogen. Sie vertritt die von Lenski’sche Stutenfamilie der Adamas ox-Tochter Elfe. In den USA hat Eloquents Sohn Bellissimo a.d. Berolina v. EH Tivano Erfolge in Dressurprüfungen bis St. Georg.

Manhattan schließlich a.d. Manou v. EH Leonardo, ein Halbbruder der zuchtaktiven Stuten Mareau v. Matador, Mantilla v. Sir Chamberlain und Manna II v. Abdullah, vertritt die kleine, aber feine Stutenfamilie der Maricca (siehe unter Stutenfamilien im Portal). Manhattan ging nach seiner Körung zunächst nach Sachsen-Anhalt, wo er auch seine Hengstleistungsprüfung als 5. von 25 Teilnehmern absolvierte. Der Hengst hat Siege und Platzierungen in Dressurpferdeprüfungen bis zur Klasse M und war 2003 zum Bundeschampionat der 5-jährigen Dressurpferde qualifiziert. Auch in Österreich konnte Manuela Mayer-Berndonner ansprechende Erfolge mit dem Hengst im Turniersport erzielen.

Sole Mio a.d. Wiva Lanka v. World Cup I/Lugano I ist in Hannover gekört.

Eine Reihe von Saint-Cloud-Töchtern konnte in der Trakehnerzucht bereits von sich reden machen: Bellheims Vollschwester Blitzfee vom Staufferhof legte eine ausgezeichnete Stutenleistungs¬prüfung ab; wie ihr Bruder wurde sie in Temperament und Umgänglichkeit mit Höchstnoten bewertet. Für die Zucht lieferte sie die im Gestüt St. Vitus in Günzburg genutzte Blitzblut v. Lokator xx. Evje a.d. Elbana v. Isotop ist Mutter der Etoscha v. Elvis, deren Rappscheck-Tochter Eilun Feer v. Karolinger I in der Fohlenkollektion des Hengstmarktes 2007 für Furore sorgte.

Luana, nahe Verwandte zu Liebestraum und Latimer, landete im Gestüt Sommerlade und wird im Zuge der Insolvenz von dort aus weiterverkauft. Werina a.d. Wippe III v. Traumdeuter aus der Zucht von Bernhard Groeneveld, deren Tochter Wunderschön v. Cadeau ebenfalls nach Sommerlade ging, stellte dieses Jahr im Besitz von Erin Raili ein gut bewertetes Hengstfohlen v. Imperio. Insterlady III a.d. Istria IV v. Impressionist aus der Zuchtstätte Feige in Baden-Württemberg ist Mutter der Inster’s Indira v. EH Münchhausen, die als Klassensiegerin der Zweijährigen und II. Reservesiegerin der Gesamtschau bei der baden-württembergischen Landesschau 2005 für Furore sorgte. Zenith v. Monteverdi a.d. Zoe v. Saint Cloud war nicht nur Beste Vierjährige der Eintragung in Rheinland-Pfalz/Saarland, sondern vertrat die Trakehner Farben auch mehr als würdig bis ins Finale der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde in diesem Jahr.

Auch im Sport sind bzw. waren eine Reihe von Saint-Cloud-Kindern erfolgreich. Herausragend natürlich der kleine Braune Salino a.d. Sindi v. Kassius, er hat die ****-Prüfung in Burghley unter Hans-Heiner Held absolviert und ist aktuell mit Tochter Melanie im Jugend-Bundeskader. Mit Saint Chevalier a.d. Satasco v. Santiago war Franz Hörmiller recht erfolgreich, heute geht der Wallach erfolgreich im kleineren ländlichen Sport. Auch Antheus a.d. ElSt. Arktis v. Flaneur, einer Vollschwester der Vererberlegende Arogno, ging erfolgreich im Vielseitigkeitssport bis Klasse M/S.

Sir Schröder a.d. Stella XII v. Atoll wurde beim Bundesturnier 2002 Nachwuchs-Springpferdechampion.

Neben dem erwähnten gekörten Latimer, den Theresa Wahler als Nachfolger ihres bewährten Caprimond erfolgreich bis Klasse S in der Dressur vorstellt, hat auch Solist Dressurerfolge bis St. Georg.

Saint Clouds Nachkommen sind aber nicht nur unter der Trakehner Flagge erfolgreich, schließlich ist der Hengst auch für die hannoversche Zucht anerkannt. Hier stellte er neben dem gekörten Sole Mio u.a. zwei Verdener Auktionspferde und 14 Elitefohlen.


Text und ©: Karin Schweiger
Fotos: Beate Langels, Hengstbuch, unbekannt