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Handryk


Schimmel, l.Vf.u.l.Hf.unreg.w.
geb. 02.04.1989

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig16320021
volljährig16721

Züchter:
Hans-Eberhard Schneider, Domäne Mechthildshausen, Wiesbaden-Erbe
Aufzüchter:
Gestüt St. Stephan, Hans-Eberhard Schneider, Alzey-Framersheim

Gekört 26.10.1991 in Neumünster

www.landwirtschaft.sachsen.de/sgv

Pedigree

Van Deyk EH, Df. 1984 Patricius xx, Db. 1972 Kaiseradler xx, Db. 1957 Nebelwerfer xx
Kaiserwürde xx
Plura Plata xx, F. 1966 Zank xx
Punta Gorda xx
Vanessa PS/SPS, F. 1972 Ibikus, B. 1967 Hertilas
Isolda
Valerie, F. 1964 Impuls
Vilja
Habiana, PS/SPS/ElSt., Sch. 1983 Fabian, Sch. 1972 Donauwind, B. 1965 Pregel
Donaulied
Fawiza, Sch. 1963 Maharadscha
Feine
Hämelschenburg SPS, B. 1974 Ibikus, B. 1967 Hertilas
Isolde
Hymna, R. 1967 Hertilas
Hymnata

Hengstlinie des Patricius xx (Eclipse xx), Stutenfamilie der T14N1 Hymne (Gestüt Webelsgrund)

Eigentümer

1991-1993: Klosterhof Medingen, Burkhard Wahler, Bad Bevensen
1994-1995: Amselhof Walle, Familie Kemmer
seit 1995: Peter Kunath, Zehren/NBL

Stationierung

1992-1994: Leihhengst Familie Kunath - Zehren NBL/Sachsen
1995: Leihhengst Gestüt Neumühl - Beutersitz NBL/Brandenburg
1996-2005: Privathengst Familie Kunath - Zehren NBL/Sachsen
seit 2006: Leihhengst Hauptgestüt Graditz NBL/Sachsen

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung 1992 in Adelheidsdorf

Charakter: 8,00 Schritt: 4,67 (T: 7,00)
Temperament: 7,00 Trab: 7,33 (T: 7,00)
Leistungsbereitschaft: 8,00 Galopp: 6,67 (T: 6,00)
Leistungsfähigkeit: 7,00 Springanlage: 7,0/6,0/7,0
Rittigkeit: 7,25 (T: 7,00) Geländeprüfung: 7,33 / Jagdg. 89,00
Rittigkeitsindex: 101,21 (24.) Springindex: 102,85 (24.)
Gesamtindex: 102,64 Leistungsklasse: II

Turniersporterfolge:


Nachzucht

Exterieur:
Anzahl TöchterTypOberkörperFundamentSchrittTrabGaloppGesamt-
eindruck
Gesamt-
zuchtwert
Widerrist-
abweichung
3710972126 119138112101 1140,0


Gekörte Söhne (2): Sachsenwald, Herkules (Sachsen)

Töchter (79): Dance Parade, Go Go Girl, Sachsenkönigin, Vaelbe, Cynthia, Flair, Amber Queen, Fliederweiss, Reisa, Isola Helena, Isola Halla, Rosenstolz, Lady Sina, Roddia JK, Desgined by, Ravenna XI, Glücksperle, Dark Magic, Nanuschka, Graceful Gift, Special Edition, Lieschen II, Lilienfee, Grace Henrika, u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:108
davon mit Platzierungen:23 (in 2007)
davon in Klasse M. und S.:2


Handryk wurde 1991 anlässlich des Trakehner Hengstmarktes in Neumünster gekört und an den Klosterhof Medingen der Familie Wahler verkauft. „Gezielt auf Reiteignung und Rittigkeit gezogen“, so lautete der Kurzkommentar des Zuchtleiters. „Geschlossener Rahmen mit viel Tiefe; guter Typ mit harmonischer Linierung; neben einem schwungvollen Bewegungsablauf mit besonders hervorzuhebendem Schritt zeigt der Hengst sehr viel Geschick über dem Sprung.“

Der Klosterhof stationierte den Hengst als Pachthengst bei Familie Kunath in Sachsen; jeweils nach Ende der Decksaison ging Handryk zurück auf den Klosterhof und wurde dort ausgebildet. Er hat Turniererfolge in Springprüfungen bis zur Klasse L. Seine Leistungsprüfung legte er nach kurzer Vorbereitungszeit in Adelheidsdorf ab, mit allen Teilindices über 100. Mit einem 24. Platz bei 55 Prüflingen beendete er die Prüfung im guten Mittelfeld, es reichte für die Leistungsklasse II.

1994 verkauften Wahlers den Hengst an den Amselhof Walle, von wo aus er als Pachthengst ans Gestüt Neumühl im brandenburgischen Beutersitz ging. Dann erst gelang es Familie Kunath, ihren lieb gewonnenen und züchterisch hoch geschätzten Hengst käuflich zu erwerben. Seither deckt er im Sächsischen im Natursprung, und erst seit 2006 verbringt er seine Decksaison im Hauptgestüt Graditz, wo er über die Besamung breiteren Einfluss nehmen kann.

Handryks Pedigree strotzt vor Rittigkeits- und Dressurvererbern. Van Deyk, Fabian und Ibikus haben selbst Erfolge in Prüfungen bis S und höher errungen, Donauwind und Ibikus gelten als Prototypen der Rittigkeitsvererbung. Auffälliger Linienzuchtfaktor ist das Auftreten des Ibikus auf Vater- und Mutterseite jeweils in 3. Generation. Auch Impuls begegnet uns in 4./5. Ahnenreihe mehrfach.

Über den herrlichen Patricius xx fließt englisches Vollblut ein, über Pregel und Maharadscha finden wir arabische Elemente in passender Dosierung. Gut vertreten in Handryks Pedigree sind auch die Garanten der Größenvererbung. Schon Patricius xx war alles andere als klein, Fabian reichte an die 1.75-m-Marke heran und auch Hämelschenburg und ihre Tochter Habiana sicherten über imponierende eigene Größe eine entsprechende Vererbung ab.

DER VATER

Handryks Vater ist der „Hengst des Jahres“ 2004, der Elitehengst Van Deyk. Der Halbblüter mit den Erfolgen bis in die Regionen der Großen Dressur erfreut sich noch immer bester Gesundheit und deckt auch 24-jährig im Gestüt St. Stephan in Framersheim bei seinem Züchter Hans-Eberhard und seiner langjährigen Reiterin Dorothee Schneider. Friederike Winkler hat ihn für die Trakehnerfreun.de hier
bereits ausführlich portraitiert.

DIE MUTTER

Auch Handryks Mutter Habiana trägt den Elitetitel des Trakehner Verbandes, ist zudem doppelt mit Verbands- und Staatsprämie ausgezeichnet. Nicht umsonst, denn die große Schimmelstute zählt von Pedigree, Eigenleistung und Nachzucht her zur ersten Sahne der Nachkriegszucht. Hans-Eberhard Schneider hat die Stute gezogen und sie 1990 tragend von Van Deyk an Sybille Kellermann ins hessische Homberg verkauft, wo sie bis zu ihrem Tod 1999 weiteren acht Fohlen das Leben schenkte.

Habiana war eine Tochter des Fabian, der sich unter Dr. Reiner Klimke als Dressurpferd vorzüglicher nationaler Klasse einen Namen zu machen wusste. Mit seiner Blutkombination Donauwind/Maharadscha galt der in Birkhausen gezogene Schimmelhengst stets als nächster Verwandter des in den USA zu höchsten olympischen Meriten gekommenen Springwunders Abdullah. Mütterlicherseits war Fabian zudem ein Halbbruder des in Deutschland und den USA züchterisch bewährten Grimsel-Sohnes Falke. Als Donauwind-Sohn dürften ihm Leistungsvermögen und Leistungsbereitschaft bereits in die Wiege gelegt worden sein, die nötige Härte steuerte sicher der auf einer englischen Vollblutfamilie basierende Stutenstamm mit dem nötigen Quentchen Araberblut bei. Fabian hinterließ der deutschen Trakehnerzucht in 16 Deckeinsatzjahren 31 Töchter.

Habianas Mutter Hämelschenburg stammte, wie ihr Name schon andeutet, aus dem Gestüt der Familie Langels. Habiana war ihr letztes Fohlen in Deutschland, bevor sie in ein englisches Gestüt weiterverkauft wurde. Die staatsprämierte Hämelschenburg, eine sehr große und rahmige Stute aus dem FN-Leistungsstutbuch A, entstammte der interessanten Paarung von Dreiviertelgeschwistern. Sowohl ihr Vater Ibikus als auch ihre Mutter Hymna waren Produkte des Hertilas aus Impuls-Töchtern. Ein schlagender Beweis für die leider zu spät zutage getretene erstklassige Vererbung und hohe Wertschätzung des Pindar xx-Enkels Hertilas, der in gerade mal einer Decksaison vor seinem Verkauf in den S-Dressursport ganze drei Nachkommen zeugte …

Hymna, u.a. Mutter des S-Dressurpferdes Horaz v. Falke und des M-Dressurpferdes Hymnatus v. Ibikus, vertritt den Stutenstamm der Hymne aus dem Gestüt Webelsgrund, einen Zweig der umfangreichen Halensee-Familie des Hauptgestüts Trakehnen.

Habiana selbst war Siegerin ihrer Leistungsprüfung in Medingen, wobei sie auch sehr gute Noten im Springteil erzielte – und gar nicht so selten weiß ihre Nachzucht auch mit den bunten Stangen umzugehen. Die Stute wurde von Hans-Eberhard Schneider dressurmäßig bis auf M-Niveau ausgebildet, bevor sie in die Zucht ging. Neben dem gekörten Handryk brachte Habiana u.a. noch die dreifach prämierte Habsburg, das Auktions- und S-Dressurpferd Hattrick und die Prämienstuten Haiti II und Hand in Love.

Die 1990 geborene Habsburg, ähnlich bedeutend wie ihre Mutter, hatte den wenig beachteten und kaum bekannten Fahnenträger II zum Vater. Dieser dunkelbraune Grandezzo-Sohn a.d. Fiona V v. Siegbert, gezogen im Gestüt im Niedern im hessischen Gedern, wurde 1984 als Future gekört und verließ die züchterische Bühne 1991 mit einer Ausbeute von fünf eingetragenen Töchtern. Habsburg dürfte sein Meisterstück sein, sie ist in der Zucht von Pieter Smeets, Kleve, mittlerweile Mutter der gekörten Hengste Herzog von Nassau (Neumünster 2005) und Hamilton (Neumünster 2007), beide von Distelzar. Habsburgs Tochter Hippo’s Hillary v. Artistic Rock stellte beim Hengstmarkt 2007 den Körkandidaten Halléluja v. Lehndorff’s. Mit Habsburg und ihren Töchtern Hippo’s Hillary und Heavenly begegnen wir der derzeitigen Trakehner Bundes-Siegerfamilie.

Habianas Sohn Hattrick v. Van Deyk, der im Züchterstall noch Hennessy hieß, ging als eine der Preisspitzen über die Auktion im Klosterhof Medingen, ging im Bundeschampionat mit und ist mittlerweile im Stall Böckmann in Hamburg zu einem S-Dressurpferd gereift. Prämienstute Haiti II v. Van Deyk war Reservesiegerin ihrer Eintragung in Hessen, ging unter Dorothee Schneider im Bundeschampionat der 5-jährigen Dressurpferde platziert und steht noch heute in der Zucht. Auch Hand in Love, eine Tochter des nur zögerlich von den Züchtern angenommenen Vollblüters Hand in Glove xx, hat Prämienqualität, ging erfolgreich im Bundeschampionat und gehörte mit der Mutter zur Ib-prämierten Familiensammlung der hessischen Landesschau 1998. Habianas letztes Fohlen, eine 1999 geborene Tochter des Van Deyk, kommt nach Meinung der Züchterin in ihrer Qualität an Handryk oder Habsburg heran, wird jedoch nicht züchterisch eingesetzt, da Sylvia Kellermann ihre Zucht aufgegeben hat.

Sylvia Kellermann, eine gute Reiterin, die ihre Pferde stets selbst ausbilden konnte, hat Habiana durchaus auch an andere Hengste angepaart, es gibt Nachzucht von Guter Planet und Windfall etwa, aber sie kam doch immer auf Van Deyk zurück – das passte bei dieser Stute einfach am besten.

DIE NACHZUCHT

Handryk ist außer bei den Trakehnern auch für Hannover, alle süddeutschen Zuchtverbände, für Sachsen-Anhalt und Brandenburg anerkannt. Bis 2005 hat er sich nur im Natursprung in Sachsen und Brandenburg vererben können, erst seit seiner Stationierung im Hauptgestüt Graditz steht der Hengst auch in der Besamung.

Inzwischen sind zwei Söhne gekört, bei den Trakehnern Sachsenwald und in Sachsen Herkules. Sachsenwald stammt aus der Prämienstute Samantha III v. Inkognito, über den in der Stutenfamilie der Italia hier im Portal einiges zusammengetragen wurde. Samanthas Mutter ist keine geringere als Peter Kunaths Zuchtperle Souveräne v. Altan II, die Mutter des S-Dressurpferdes Sachsenkönig und der Prämienstute Sachsenkönigin. Sachsenwald machte bei seiner Körung sehr positiv auf sich aufmerksam, fiel dann jedoch lange wegen eines Hufbeinbruchs aus. Trotzdem schaffte der Hengst die Leistungsprüfung erfolgreich und erfährt heute seine reiterliche Ausbildung im Gestüt Trouillé in Niedersachsen.

Herkules, ein 1998 geborener Brauner aus einer Roccadero-Mutter, gilt seit seiner Qualifikation für die Bundeschampionate 2002 und 2003 sowie dem guten Abschneiden beim Süddeutschen Championat als „Vorzeige-Sachse“. Schon beim 30-Tage-Test fiel der mit seinen taktsicheren Grundgangarten und seiner Versammlungsfähigkeit beeindruckende Hengst als Sieger im Teilbereich Dressurveranlagung auf. Neben seiner Beschälertätigkeit im Landgestüt Moritzburg wird Herkules weiter dressurmäßig gefördert und hat mittlerweile Erfolge bis in Intermédiaire-Prüfungen.

79 Töchter des Handryk sind in den verschiedenen Zuchtbüchern eingetragen, 14 davon tragen den Titel einer Staatsprämienstute, eine Tochter ist im FN-Leistungsstutbuch A eingetragen. Zu den wichtigsten Töchtern dieses Hengstes in der Trakehnerzucht zählen Sachsenkönigin, eine Vollschwester des S-Dressurpferdes Sachsenkönig und Siegerstute der Zentralen Eintragung 2005 der Neuen Bundesländer, Dance Parade a.d. Dancing Girl v. EH Caprimond, die 2004 Beste Vierjährige in den Neuen Bundesländern war, und Go Go Girl a.d. Gondola III v. EH Grossist, Beste Vierjährige 2005.

Über hundert Kinder des Handryk sind bei der FN als Turnierpferde eingetragen, insgesamt haben sie bislang eine Nachkommen-Lebensgewinnsumme von 42.172 Euro auf deutschen Turnierplätzen erstritten. Dabei darf man nicht vergessen, dass Handryk bis vor zwei Jahren nur im Natursprung auf einer von den Zentren der Zucht abgelegenen Station wirkte.

Am erfolgreichsten ist Sachsenkönig a.d. Souveräne v. Altan II, der mit Katrin Bettenworth bis zum Grand Prix in der Dressur erfolgreich ist. Sein Vollbruder Sachsenglanz geht mit Stephanie Klassen S-Dressur. Überhaupt Stephanie Klassen – sie hat eine ganze Armada von Handryk-Nachkommen, die sie erfolgreich auf Turnieren startet. Auch El Chico a.d. Ephra v. Altan II geht S, während Escado a.d. Evita XIII v. Sonnenstrahl Schleifen aus Nachwuchsprüfungen sammelt.

Zu Handryks im Dressurviereck erfolgeichen Nachkommen zählt auch sein gekörter sächsischer Sohn Herkules, der bis Intermédiaire siegreich ist. O’Hara a.d. Ouvertüre v. Ephor geht S-Dressur in Frankreich. Auch Cefir a.d. Cella v. Grossist geht unter Nicole Löffler Dressur erfolgreich bis M, Hanka a.d. Handhabe v. Altan II konnte Rick Klaassen bis S fördern. Realist a.d. Roxilane v. Sonnenstrahl, ein brillantes, aber sicher nicht ganz einfaches Pferd, hat M-Erfolge im Viereck. Gaspaccio a.d. Gondola III v. Inkognito ist amtierender Baden-Württemberger Jugendmeister in der Dressur.

Fabel, aus einer Altan II-Mutter gezogen, lehrt die Konkurrenz im Parcours bis Klasse M das Fürchten. Selbstgänger, aus einer Caprimond-Tochter gezogen, macht in Großbritannien mit Springerfolgen von sich reden. L’Etoile a.d. Lorita v. Altan II ist unter seiner Besitzerin Sandra Freericks amtierenden Trakehner Geländepferde-Champion.

Handryks Nachkommen haben in aller Regel hohe Rittigkeit von ihrem Vater geerbt, dabei sind sie klar im Kopf und leistungsbereit, das alles sehr vielseitig. Sicher ein Erbteil seiner Mutter, die ja selbst und deren Nachkommen durchaus Springtalent haben. Die meisten Handryk-Kinder sind umkompliziert und bieten sich reiterlich an. Viele sind wohl etwas spätreif.

Der Zuchtleiter äußerte sich seinerzeit zu seiner Vererbung wie folgt: „Handryk traf auf eine recht unterschiedliche Stutengrundlage, die er aber hinsichtlich mehrerer Exterieurkriterien oft verbessern konnte. Die Fohlen haben meist schöne, offene Gesichter, wobei die Hälse zuweilen etwas großzügiger formiert sein könnten. Bemerkenswert viel Körper mit entsprechend Breite und Tiefe. Der Widerrist könnte ausgeprägter sein. Auffallend ist die Gehfreude und der schwungvolle Ablauf besonders im Trab.“

Text © Karin Schweiger 2008 (mit Unterstützung von Melanie Heine)
Fotos: Jutta Bauernschmitt, Hengstbuch, online-HVP