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Ocamonte xx


Fuchs, St. m. Strich bis Mitte Nasenr., r. Vf. m. Krfle., r. Hfsl. unreg. w. m. Krfl., Sichelhaare a. ganzen Körper
geb. 29.04.1989

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig
volljährig16719021

Züchter:
Gestüt Fährhof, Sottrum b. Bremen
Aufzüchter:
ders.

Gekört 23.08.1998 in Zweibrücken

www.gut-ludwigsburg.net/cm/docs/index.php?id=49

Pedigree

Surumu xx, F., 1974 Literat xx, B., 1965 Birkhahn xx, Sb., 1945 Alchimist xx
Bramouse xx
Lis xx, B., 1960 Masetto xx
Liebeslied xx
Surama xx, R., 1970 Reliance II xx, B., 1962 Tantieme xx
Relance III xx
Suncourt xx, Db., 1952 Hyperion xx
Inquisition xx
Ocana xx, Sb., 1975 Le Haar xx, F., 1954 Vieux Manoir xx, B., 1947 Brantome xx
Veille Maison xx
Mince Pie xx, B., 1949 Telérifique xx
Cannelle xx
Ornata xx, Sb., 1969 Neckar xx, Sb., 1948 Ticino xx
Nixe xx
Olympia xx, B., 1963 Krakatao xx
Ondulation xx

Hengstlinie des Herold xx über Birkhahn xx, Stutenfamilie der E8 Bustler Mare

Eigentümer

1989-1993: Gestüt Fährhof, Niedersachsen
1994-2007: Landgestüt Zweibrücken, Rheinland-Pfalz
seit 2008: Kurt-Jürgen Carl, Schleswig-Holstein

Stationierung

1994-2007: Landbeschäler Zweibrücken Rheinland-Pfalz
seit 2008: Privatbeschäler Waabs Schleswig-Holstein

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung keine (Eigenleistung im Rennsport)

Charakter: - Schritt: -
Temperament: - Trab: -
Leistungsbereitschaft: - Galopp: -
Leistungsfähigkeit: - Springanlage: -
Rittigkeit: - Geländeprüfung: -
Rittigkeitsindex: - Springindex: -
Gesamtindex: - Leistungsklasse: -

Turniersporterfolge:
im Rennsport 2-4jährig 11 Starts, dabei 4 x Sieger und 4 x platziert, GAG 80 kg, Gewinnsumme 17.384 €

Nachzucht

Exterieur nicht gelistet, da erforderliche Mindestanzahl von 10 beim Trakehner Verband eingetragenen Töchtern nicht erfüllt.

Gekörte Söhne (1): Windhofs Zenith AA

Töchter (23): PSuSPS Marinesse, PS Ocarella (RPS), PS Odine (RPS), Ohla (ZfdP), Osira (ZfdP), Otega (RPS), u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:65
davon mit Platzierungen:13 (in 2007)
davon in Klasse M. und S.:2 (in 2007)


Am 29. April 1989 wurde Ocamonte xx im bekannten Vollblutgestüt Fährhof in Sottrum nahe Bremen geboren. Der Fuchshengst zeichnete sich durch großen Rahmen und für einen Vollblüter beachtliche Knochenstärke aus. Zweijährig wurde er zunächst ins Training genommen und absolvierte zwei Starts, wobei er einmal siegte und einmal platziert war. Dreijährig ging er aus fünf Starts einmal als Sieger und dreimal platziert hervor, in seiner letzten Rennsaison als Vierjähriger wurde er viermal an den Start gebracht und holte zwei Siege heim. Sein höchstes GAG betrug 80 kg, 17.793 Euro brachte Ocamonte an Gewinngeldern nach hause. Nach der Rennsaison wechselte er in den Besitz des Landgestüts Zweibrücken. Am 20. Januar 1994 erfolgte in Standenbühl seine Körung für die Landespferdezucht in Rheinland-Pfalz. Bis Anfang 2008 wirkte er als Zweibrücker Landbeschäler. Dort wurde er auch zum Reitpferd „umgeschult“ und zeigte sich talentiert. Anläßlich der Dressur-Weltmeisterschaften in Mannheim 1997 präsentierten die sechs süddeutschen Landgestüte eine große Gestütsquadrille mit 30 Landbeschälern. Nur ein Vollblüter war darunter: Ocamonte xx! Dr. Hans-Dieter Nebe, Gestütsleiter in Zweibrücken, beschrieb ihn im Jahr 1998 wie folgt: „Der Zweibrücker Landbeschäler besticht nicht nur durch sein optimales Interieur, sondern vor allem durch seinen überragenden Bewegungsablauf (,,,). Seine ersten Nachkommen auch aus der Trakehner Zucht sind in diesem Jahr unter den Sattel gekommen und überzeugen durch Interieur und Typ sowie durch Schritt, Trab und Galoppiervermögen.“

Am 23. August 1998 wurde Ocamonte xx im Rahmen der Vorauswahlreise für den Hengstmarkt im Landgestüt Zweibrücken von der Körkommission des Trakehner Verbandes gemustert und erhielt die Anerkennung für die Trakehner Zucht.

„Großrahmiger Vollbluthengst mit bedeutenden Gebäudepartien hinsichtlich Schulter, Sattellage und Beckenkonstruktion. Abgeklärt im Auftreten und ausgestattet mit drei guten Grundgangarten, von denen besonders der Trab für einen Vollblüter hinsichtlich Rhythmus und Schwingungsgrad sehr positiv auffällt. Im Gebäude weitgehend korrekt. Im Springen sachlich, vermögend und mit viel Übersicht.“ Mit diesen Worten empfahl Lars Gehrmann, Zuchtleiter des Trakehner Verbandes, diesen Hengst den Züchtern. „In der Form, in der Ocamonte xx sich präsentierte, ist er ohne Zweifel eine Bereicherung für die VB-Auswahl der Trakehner Züchter“, so Gehrmanns Resümee.

In vierter und fünfter Ahnenreihe führt Ocamonte xx den Jahrhunderthengst Ticion, und zwar über den Derbysieger und mehrfachen Championvererber Neckar und die auf der Rennbahn und in der Zucht hocherfolgreiche Mutterstute Liebeslied. Interessanterweise sind diese beiden 5/8-Geschwister, denn Neckars Muttervater Arjaman und Liebeslieds Großmutter Legation sind Kinder des legendären Graditzer Herold, der sowohl im Rennsport als auch in der Vollblutzucht Geschichte schrieb. Weitere Inzuchten treten in den ersten fünf Generationen von Ocamontes Pedigree nicht auf – wohl führt es aber klangvolle Namen der Vollblutzucht, auf die nachfolgend einzugehen sein wird.

Ocamontes Vater Surumu ist deutsche Turf-Legende. Der im Gestüt Fährhof bei Bremen gezogene Fuchshengst ging in neun Rennen an den Start. Drei davon konnte er gewinnen – darunter das Union-Rennen und das Deutsche Derby 1977, das er überlegen mit sieben Längen Vorsprung für sich entschied. Zweimal platzierte er sich an zweiter Stelle, unter anderem im Aral-Pokal, außerdem wurde er Dritter im Gelsenkirchener Hoffnungspreis. Über 190.000 Euro hatte er gewonnen, als er fünfjährig seine Beschälerbox auf dem Fährhof bezog, sein GAG wurde mit 99,5 kg angegeben. Skeptiker zweifelten an Surumus Zuchtwert, da ihm Weichheit unterstellt wurde – Dreijährig hatte er seine Rennsaison nach dem Aral-Pokal vorzeitig wegen einer „inneren Störung“ beendet, vierjährig nur einen Start absolviert und war fünfjährig nach einer Verletzung von der Rennbahn abgetreten. Die Skeptiker sollten sich irren! Das Gestüt Fährhof glaubte an sein Zuchtprodukt – und wurde dafür mit grandiosen Erfolgen in Zucht und Rennsport reich belohnt!

Als Vererber zeigte Surumu bald seine Klasse – 1985, 1986 sowie von 1989 bis 1992 war er Champion-Deckhengst in Deutschland, dazwischen war er Vize-Champion, und auch als Vater erfolgreicher Mutterstuten war er mehrfach Champion, nämlich 1991, 1994, 1996, 1997, 1999 und 2003. In Deutschland wurden seine Söhne Acatenango (1985), Mondrian (1989) und Temporal (1991) Derbysieger, Osorio, der später als enger Verwandter mütterlicherseits zu Ocamonte erwähnt wird, siegte im italienischen Derby 2003. Auch Platini war ein bedeutendes Rennpferd; er siegte in mehreren Gruppe 1-Rennen, darunter im Großen Preis von Mailand und im Großen Preis von Düsseldorf. Die überragende Alte Zeit siegte im Preis der Winterkönigin, im Schwarzgold-Rennen und im Preis der Diana, außerdem war sie Derby-Zweite 1988. 1987 war Winwood Derby-Zweiter. Bedeutende Rennpferde aus Surumu-Töchtern sind Hurricane Run von Montjeu, Sieger im Irischen Derby und im Prix de l’Arc de Triomphe 2005, Lomitas von Niniski als Derby-Zweiter 1991 und vielfacher Gruppe 1-Sieger, Monsun von Königsstuhl, Derby-Zweiter 1993, Sieger im Europa-Preis 1993 und 1994 sowie mehrfacher Champion-Deckhengst in Deutschland und Vater der Derbysieger Samum (2000), Shirocco (2004) und Schiaparelli (2006), der Derbysieger 1996 Lavirco von Königsstuhl sowie Pik König, ebenfalls von Königsstuhl und Derbysieger 1992. In der Zucht war Acatenango Surumus Thronfolger, der selbst mehrfach Champion-Deckhengst war und mit Nicaron (2005), Borgia (1997) und Lando (1993) bereits drei Derbysieger in Deutschland und mit Blue Canari (2004) einen weiteren in Frankreich stellte. Lando lief auch erfolgreich in Italien und in Japan. 1995 siegte er im Japan-Cup in Tokio; mit fast 2,9 Millionen Euro Gewinnsumme ist er das erfolgreichste Rennpferd Europas.

Kinder und Enkel Surumus waren und sind auch im Turniersport erfolgreich: Der westfälische Eventer Free Easy NRW von Florestan I stammt aus Surumus Tochter Irun xx aus der Ilana von Windwurf. Der im Mitbesitz des DOKR stehende Buschcrack hat unter Simone Deitermann bereits auf CIC3*-Niveau gesiegt und war mehrfach hochplatziert. Acatenangos Sohn Ankor xx aus der Angelita von Gay Mecene war unter Christina Korte hochplatziert in CIC2*-Prüfungen. Sorico xx, Sohn des Acatenango und der So Rarely von Arctic Tern, ist ebenfalls in 2*-Prüfungen platziert.

Einige Söhne und Enkel von Surumu und Acatenango fanden auch Eingang in die Trakehnerzucht: Der für das Geländepferde-Bundeschampionat qualifizierte Ostermond vom Surumu-Sohn Tempeltanz in Schwaiganger, Bandoliero von Surumu und Concepcion von Acatenango in Warendorf, Wörthersee von Acatenango im Gestüt Gorlo und Kanudos von Acatenango im Gestüt Schlossäcker seien hier stellvertretend erwähnt. Leider erfolgte ihr Einsatz in der Trakehner Zucht nur spärlich, so dass kein abschließendes Urteil über ihre Vererbung möglich ist. Die Nachkommen von Ostermond und Wörthersee sind noch zu jung, um sportliche Leistung nachweisen zu können. Kanudos’ Nachkommen verbuchten bisher in allen Disziplinen bis zur Klasse M Erfolge: Seine württembergische Tochter Kavea hat Dressurprüfungen bis M/B gewonnen und konnte sich in M/A platzieren, seine brandenburgische Tochter Lamour hat Springprüfungen der Klasse M/B gewonnen. Kassandra, ebenfalls württembergisch gebrannt, kann Platzierungen in Vielseitigkeitsprüfungen bis CIC2* vorweisen. Bandoliero wurde in Westfalen am stärksten eingesetzt; unter seinen Nachkommen ragt Borsalino hervor, der über 12.000 Euro in Dressurprüfungen gewann. Aus Sachsen-Anhalt stammt Bandolieros Sohn Bar-le-Duc, der in Springprüfungen bis M/A hochplatziert ist. Insgesamt wurden fast 200 Nachkommen bei der FN registriert, die bis 2007 63.556 Euro Lebensgewinnsummen zusammentrugen. Der ebenfalls in Westfalen eingesetzte Concepcion hatte nur sehr wenige Nachkommen.

Weitere Söhne von Surumu und Acatenango wurden in anderen Warmblutpopulationen eingesetzt, die teilweise auch mit Einzeldeckgenehmigung in der Trakehnerzucht eingesetzt wurden bzw. werden. Stellvertretend seien hier der für Hannover und Bayern anerkannte Lokator von Surumu, dessen sporterfolgreichster Nachkomme der Trakehner Lu-Lu aus der Lajana von Habicht mit Dressurerfolgen bis M/B ist, und der Surumu-Sohn Rivero in Oldenburg genannt, der mit Parimera, Roony und Red Zac bis zur Klasse M erfolgreiche Springpferde stellt. Ganz frisch in Oldenburg und Hannover anerkannt ist der Acatenango-Sohn Desirao.

Surumu entstammt der legendären Vollblut-Hengstlinie des Herold, die auf den bedeutenden Eclipse, Ururenkel des einflussreichsten Stammvaters der englischen Vollblutzucht, Darley Arabian, zurückgeht. Herolds Vater, Dark Ronald, wurde 1913 von Burchard von Oettingen, der zuvor Landstallmeister in Trakehnen gewesen war, in Großbritannien für 500.000 Goldmark für die Preußische Gestütsverwaltung angekauft. Vor allem über Herold entwickelte sich diese Hengstlinie zu einer der bis heute einflußreichsten der deutschen Vollblutzucht. In den ersten dreizehn Hengstgenerationen führt Surumu allein neun Gruppe-I-Sieger, darunter die Sieger im Deutschen Derby Birkhahn, Alchimist und Herold sowie die Englischen Derbysieger Lord Clifden, Whalebone und Waxy.

Surumus Vater Literat ging nach seinen Siegen im Henckel-Rennen und im Union-Rennen als Favorit ins Deutsche Derby 1968, brach jedoch auf halber Strecke nieder und wurde schließlich Fünfter.. In der Zucht lieferte Literat neben Surumu die bedeutende Liranga, deren Söhne von sich reden machten: Ihr Il de Bourbon-Sohn Lagunas gewann unter anderem den Preis des Winterfavoriten und das Deutsche Derby, während Lirung von Connaught bei 17 Starts 12mal siegte und fünfmal im Geld war; er siegte in hochdotierten Rennen wie dem Prix du Haras de Fresnay-Le-Buffard - Jacques Le Marois in Deauville / Frankreich, im Grossen Amdahl Deutschland-Pokal in München und im Henckel-Rennen in Gelsenkirchen und erzielte Preisgelder von 893.431 DM, mehr als doppelt so viel wie Lagunas, der 404.125 DM zusammengaloppierte. Lagunas’ Tochter Artemis VII wurde auch in der Trakehner Zucht eingesetzt: Von Tycoon brachte sie TSF Amazing Grace, die unter Malin Hansen Platzierungen in Vielseitigkeitsprüfungen bis CIC2* sammelte. Lisette Ahrens etablierte auf diesem Niveau den Lagunas-Sohn Izikus xx.

Bemerkenswert ist auch die Literat-Tochter Tolima xx aus der Tonella von Sicambre. Selbst mit einem GAG von 86 kg ein ordentliches Rennpferd, lieferte sie mit ihrem Caracol-Sohn Tombos xx ein über vier Rennzeiten erfolgreiches Rennpferd, das unter anderem mit seinen Siegen im Henckel-Rennen und im Union-Rennen sowie dem zweiten Platz im Preis des Winterfavoriten überzeugte. Tolimas Sohn Tocuyo xx von Busted wurde in der Warmblutzucht eingesetzt; seine Tochter Caline de Grand'Pre ist derzeit eines der erfolgreichsten in der Schweiz gezogenen Springpferde. Bei den Europameisterschaften der Jungen Reiter in Schaffhausen 2005 belegte sie unter der Schweizerin Faye Schoch Platz 13 in der Einzelwertung und den 5. Rang mit der Mannschaft, im darauffolgenden Jahr in Athen reichte es im Einzel für Platz 18, während das Paar mit dem Team Europameister der Jungen Reiter wurde! Anfang 2007 wechselte Caline de Grand'Pre in den Beritt von Pierre Kolly, der die Stute weiterhin international herausbringt.

Für die Trakehnerzucht erlangte Literats Sohn Bonito xx eine gewisse Bedeutung. Bonito hatte seine Leistung in Flachrennen und Jagdrennen über sechs Rennsaisons unter Beweis gestellt. Sein höchstes GAG in Flachrennen betrug 96,5 kg, in Hindernisrennen sogar 100 kg. Bonito war das erfolgreichste Hindernisrennpferd Deutschlands 1981! In der bayerischen Landespferdezucht wurde Bonitos Sohn Bordolino gekört. Der aus einer Tochter des Angolarabers Colorado x stammende Vererber, der aus der bekannten Oldenburger Weissena-Familie stammt, demonstrierte seine Vielseitigkeit mit Erfolgen in Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen bis zur Klasse M. Ebenso wie Bonitos vom Trakehner Verband gekörter Sohn Inster Graditz aus der Issandra von Kassius war er Teilnehmer am Bundeschampionat des Deutschen Geländepferdes. Der drahtige, schicke Prämienhengst Inster Graditz ging erst zwölfjährig durch Herzschlag ein. Er hinterließ je einen gekörten Sohn in der sächsischen und in der Trakehner Zucht, 56 in Sachsen, Bayern und beim Trakehner Verband eingetragene Töchter sowie 81 FN-registrierte Sportpferde, deren Gewinnsumme 2007 34.832 € betrug. Der gekörte Sir Graditz stammt aus der Elitestute Susi von Cesar und war unter dem Briten Andrew Davies sehr erfolgreich im Springsport. Bei der Sunshine-Tour 2006 sorgten die beiden mit mehreren Siegen und hohen Platzierungen für Furore. Altena II von Inster Graditz aus der Altea von Ralf ist Mutter des zweiterfolgreichsten siebenjährigen Springpferdes in Deutschland 2006, Altenbach TSF von Sanssouci, der das derzeit erfolgreichste Trakehner Springpferd mit Siegen und Platzierungen bis Klasse S*** ist. Vollschwester Altena I ist Mutter der Nerv-Tochter Altana. Deren Waitaki-Sohn Altinus konnte sich zum Bundeschampionat der sechsjährigen Geländepferde 2007 qualifizieren und war gegen Ende der Saison auch in einer Springprüfung der Klasse M/B platziert. Lugowen, Tochter des Inster Graditz und der Liesken von Mangan xx, stellte in der Trakehner Zucht den gekörten Hengst Lowelas von Hockey, der 2006 beim 70-Tage-Test in Marbach mit gleichmäßig hohen Bewertungen in Dressur und Springen Platz drei belegte.

Literats Vater, der Alchimist-Sohn Birkhahn, war ein Sohn der französischen Stute Bramouse, die mit Alchimists Vater Herold außerdem den bedeutenden Bürgermeister brachte. Bürgermeister war bei 39 Starts 21mal siegreich und in weiteren bedeutenden Rennen hochplatziert; so etwa wurde er Zweiter im DDR-Derby und im Großen Preis von Nordrhein-Westfalen, wo er nur dem Derbysieger Niederländer den Vortritt lassen musste. Noch erfolgreicher auf der Bahn war Birkhahn, der zweijährig in die damalige Ostzone verkauft wurde, wo er eine glänzende Rennkarriere begann. Bei 22 Starts siegte er 16mal, unter anderem im DDR-Derby und im Deutschen Derby in Hamburg, wohin er mit Ausnahmegenehigung reisen durfte. Sein Zuchteinsatz in der DDR war verhalten, dennoch erwies er sich als eines der erfolgreichsten Vaterpferde. 1959 wurde er im Austausch gegen Asterios, der fortan in Graditz wirkte, an das Gestüt Schlenderhan abgegeben, wo seine große Vererberzeit begann, die bis zu seinem Tod durch Herzversagen im Jahr 1965 andauerte. 1965,1967 und 1970 war er das erfolgreichste Vaterpferd Westdeutschlands. Von ihm geht eine bedeutende Hengstlinie in der Vollblutzucht aus, auf seine Töchter gehen bedeutende Renn- und Zuchtpferde wie die Vollbrüder Gallileo und Black Sam Bellamy, Alpenkönig, die Halbbrüder Lando und Laroche, Priamos, Tiger Hill, Slip Anchor sowie die Vollgeschwister Samum, Salve Regina und Schiaparelli zurück.

Auch die Warmblutzuchten wurden vom Birkhahn-Blut stark beeinflusst. In der Trakehnerzucht begründete Swazi xx von Herero aus der Birkhahn-Tochter Sayonara eine bedeutende Hengstlinie der jüngeren Zuchtgeschichte, die auf Swazis Sohn Consul aus der Elitestute Cornau von Lothar aufbaut. Der letzte lebende Consul-Sohn, Guter Planet, sowie der von Consuls bedeutendstem Sohn Rockefeller stammende Elitehengst Benz sind bereits in dieser Hengstdatenbank erfaßt. Der Kaiseradler-Sohn Patricius xx stammte aus einer Birkhahn-Enkelin und konnte über seine gekörten und im Dressurviereck bis zur schweren Klasse erfolgreichen Söhne Goldino und Elitehengst Van Deyk eine aufstrebende, sportbetonte Hengslinie begründen, deren populärste Vertreter derzeit Dorothee Schneiders Grand Prix-Senkrechtstarter Kaiserkult von Van Deyk und der Kimora von Gajus sowie Michael Jungs Buschcrack Grafenstolz vom Van Deyk-Sohn Polarion aus der Gipsy Lady von Camelot sind. Erwähnenswert ist auch Birkhahns Sohn Blauer Reiter xx, dessen Sohn Revlon Boy die beiden für die Trakehner Zucht anerkannten Hengste Stravinsky xx (erfolgreich in schweren Dressurprüfungen) und Betel xx (erfolgreich in schweren Springen) stellt.

Noch einflussreicher war für die Trakehner Zucht jedoch Birkhahns Bruder Bürgermeister, dessen Sohn Pasteur xx über seine Söhne Mahagoni und Elitehengst Michelangelo die neben der Arogno/Flaneur-Hengstlinie derzeit am weitesten verbreitete Vererberdynastie begründete. Cornus, Kostolany, Elitehengst Maizauber, Showmaster und Elitehengst Tuareg vertreten diese Hengstlinie bisher in unserem Hengstregister.

Auch die mütterliche Abstammung Literats verdient Beachtung; seine Vollschwester Liberty brachte von Dschingis Khan die Schwarzgold-Siegerin Licata, die später Großmutter des erwähnten überragenden Lando und seines Halbbruder, des Derbysiegers Laroche von Nebos, wurde. Lis, die Mutter von Literat und Liberty, war selbst ein außergewöhnliches Rennpferd und siegte unter anderem im Schwarzgold-Rennen und im Preis der Diana, ebenso wie ihre Mutter Liebeslied vom Jahrhunderthengst Ticino. Auch der Derbysieger Lebos von Nebos war ein Urenkel der Liebeslied. Vater der Lis war Masetto, aus dessen Mutterlinie in der Warmblutzucht bewährte Vererber wie Marcio, Makuba, Marsilio oder Maigraf stammen. Marsilio von Masetto bewährte sich auch in der Trakehnerzucht: Seine Tochter Cecilie aus der Celia von Gunnar ist Mutter des gekörten Trakehner Hengstes Cembalo von Catarakt sowie des in Oldenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt anerkannten Rockefeller-Sohnes Chopard. Cecilies Mahon-Tochter Celia II ist Mutter des im Dressursport bis zur schweren Klasse erfolgreichen Elitehengstes Chardonnay von Rockefeller.

Surumus Mutter, Surama, gelangte im Mutterleib ins Gestüt Fährhof: Walther Jacobs hatte ihre 17jährige Mutter Suncourt vom englischen Derbysieger Hyperion, die selbst siegreich Rennen gelaufen war, in Newmarket für sein Gestüt erworben. Sie war tragend von Reliance II, der das französische Derby gewann und Zweiter im Prix de l’Arc de Triomphe war. Suncourt hatte in England den Princely Gift-Sohn Tesco Boy und den Worden II-Sohn Red Admiral gebracht, die beide nach erfolgreichen Rennlaufbahnen in Japan Champion-Deckhengste wurden. Surama brachte für das Gestüt Fährhof nicht nur Surumu – ihre Tudor Melody-Tochter Sumba war Mutter des Sugunas von Lagunas, der mehrere Gruppe-2-Rennen gewann, Surata von Lagunas ist Großmutter des Sumitas von Lomitas, der in einigen Gruppe-1-Rennen als Zweiter über die Ziellinie kam. Aus Surumus Mutterlinie ging übrigens auch der Orsini-Sohn Marduk hervor, der besten dreijähriges Rennpferd in Deutschland 1974 war und mehrere Gruppe 1-Rennen gewann, wie beispielsweise das Deutsche Derby und zweimal den Großen Preis von Baden. Auch seine Vollschwester Mata Hari siegte in Rennen der Gruppe I.

Ocamonte entstammt aus einem Zweig der Vollblutfamilie Nr. 8, der über die 1956 in Frankreich gezogene Dunkelbraune Ondulation nach Deutschland kam.

Ihr Vater Ocarina stammte von Bubbles, der in der Reitpferdezucht als Muttervater des Kaiseradler xx bekannt ist, der unter anderem den wertvollen Reitpferde-Vererber Patricius xx stellte, dessen Sohn Elitehengst Van Deyk bereits ein Portrait in dieser Datenbank erhalten hat. Bubbles war ein sehr erfolgreicher Vollblutvererber; unter seinen Kindern ragten der Prix de l’Arc de Triomphe-Sieger Eclair au Chocolat, der französische Derby-Sieger Magister und der Gruppe 1-Sieger Guersant heraus. Ocarinas Mutter war eine Tochter des Brantôme. Nach einer herausragenden Rennlaufbahn mit zwölf Siegen bei 14 Starts, darunter auch der Sieg im Arc, bewies er sich als hervorragender Vererber, obwohl seine Zuchtlaufbahn während des Zweiten Weltkriegs begann. Daher deckte er auch einige Jahre in Deutschland, wohin er als Kriegsbeute gelangt war.

Ondulations Mutter Frisette war ein Vollschwester der bekannten Kirschfliege. Vater dieser Stuten war wiederum Brantôme, so dass dieser bei Ondulation in 3./2. Ahnenreihe steht. Während Frisette in Frankreich gezogen war, stammt Kirschfliege aus der Zeit, als ihre Eltern gegen Kriegsende im deutschen Staatsgestüt Altefeld standen, weshalb ihre Nachkommen nicht in Frankreich starten durften. Kirschfliege hat sich als Vererberin ein Denkmal gesetzt, denn sie ist eine der nur vier Stuten, die bisher zweimal den Sieger des Deutschen Derbys stellten: 1954 hatte Kaliber von Wirbelwind die Nase vorn, der im selben Jahr auch das Österreichische Derby gewann, 1956 eiferte ihm sein Halbbruder Kilometer von Alizier nach, der bereits im Henckel-Rennen und im Union-Rennen als Erster über die Ziellinie gegangen war. Beide Hengste wurden von Hein Bollow pilotiert.

Frisette und Kirschfliege waren Töchter der Curl Paper, ebenso wie die Stratford-Tochter Permavon. Permavon war die dritte Mutter des Frontal-Sohnes Windesi, der auch für die Trakehner Zucht anerkannt war. Dieser außergewöhnlich schöne Hengst wurde der auf dem Rittergut Sievernich der Familie Schwecht gezogen, woher auch der Grand Prix-Hengst Solero TSF stammt. Windesi war nach seinem DLG-Sieg 1976 in der Gruppe Spezialrassen einige Jahre Warendorfer Landbeschäler. Sein rheinischer Sohn Weltruf war ebenfalls Landbeschäler in Warendorf; über 100 Windesi-Töchter wurden als Zuchtstuten bei verschiedenen Verbänden eingetragen, und über 200 Sportpferde wurden bei der FN registriert. Seine Nachkommen-Lebensgewinnsumme 2007 betrug 212.374 Euro. Aus einer Tochter von Windesis Mutter Windlette stammte der Frontal-Sohn Windhauch, der zunächst vier Jahre auf die Rennbahn ging und in 26 Starts sechs Siege und neun Plätze holte. Danach war er auch in schweren Dressurprüfungen erfolgreich und wurde für mehrere Zuchtverbände gekört. Seine Gewinnsumme aus dem Rennsport betrug 9.700 Euro, im Dressursport gewann er nochmals 2.080 Euro. Sein züchterischer Einsatz blieb begrenzt; der gekörte Angloaraber Windgold war Sieger seiner Hengstleistungsprüfung trotz Altersabzug, heute ist er im Dressursport bis zur Klasse M erfolgreich. 17 Töchter und 35 Sportpferde von Windhauch wurden registriert, die Nachkommengewinnsumme liegt bei 3.083 Euro.

Neben Ondulation hatte Frisette zwei weitere Töchter: Kalte Welle von Blue Peter brachte die auf der Rennbahn erfolgreiche Wirbelwind-Tochter Kajüte, deren Sohn Kadett von Firestreak siegreich war im Mülheimer Berberis-Rennen, in der Badener Meile und im Preis der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf. Von Obermaat gebar Kajüte Kommodore, der im Großen Preis von Hessen in Frankfurt und zweimal im Kölner Frühjahrs-Ausgleich gewann. Kommodores Vollschwester Kockpitt brachte es auf das für eine Stute außergewöhnliche höchste GAG von 90 kg. Zu ihren größten Erfolgen zählten die Siege im Kölner Frühjahrs-Stutenpreis, im Mülheimer Preis der Diana und im Otto-Schmidt-Rennen in Hamburg. Eine weitere Frisette-Tochter war Louvette von Alizier, die Siegerin im Prix de Pomone in Deauville war.

Ondulation brachte die auf der Rennbahn geprüfte Edellic-Tochter Dark Wave und die Alizier-Tochter On Dit. 92 kg betrug ihr höchstes GAG, das sie unter anderem mit Siegen im Kölner Frühjahrs-Stutenpreis, im Preis der Diana in Mühlheim sowie im Neusser Stuten-Preis und dem zweiten Platz im Schwarzgold-Rennen erzielte.

Ondulations Krakatao-Tochter Olympia ist Ocamontes dritte Mutter. Auch sie war mit 86 kg GAG ein überdurchschnittliches Rennpferd. Beim Neusser Stutenpreis 1966 kam sie als Zweite über die Ziellinie. Ihr Vater Krakatao war ein in England gezogener Nearco-Sohn, der die Bahn mit einem höchsten GAG von 100 kg verließ. Er siegte in acht von 16 Rennen, die er bestritt, darunter in den Sussex Stakes, Duke of York Stakes und Rous Memorial Stakes. Bekannte Krakatao-Kinder sind Fujiyama, der Sieger im Preis von Europa in Köln 1964, Talgo, Sieger im Irischen Derby und Zweiter im Arc 1956 sowie Garden State, die im selben Jahr Siegerin in den Irish Oaks war.

Olympia wurde züchterisch von Fritz-Henning Bähre eingesetzt, der in der Trakehner Zucht als Begründer des bekannten Gestüts Webelsgrund prominent wurde. Vier ihrer Nachkommen waren siegreiche Rennpferde, darunter die Priamos-Tochter Oradea, die dreijährig dreimal die Nase vorn hatte und im Wiener Stutenpreis Zweite wurde. Ganz frisch anerkannt wurde bei der Sattelkörung des Deutschen Sportpferdes in Prussendorf der Lavirco-Sohn Obrigado xx, dessen Mutter Osina aus Olympias Masetto-Tochter Osmose stammt. 79 kg wurden für ihn als höchstes GAG notiert; er ging in fünf Rennzeiten 30mal an den Start, holte sechs Siege und elf Plätzein GAG von 77,5kg und überzeugte vor allem 2006 im Gruppe II Ausgleich in Baden-Baden, wo er mit 9 Längen überlegener Sieger wurde.

Ocamontes Großmutter ist die Neckar-Tochter Ornata, die als Dreijährige den Preis von Ravensberg gewann. Ihr Vater Neckar war 1951 Sieger im Deutschen Derby und im Prix de Chantilly in Longchamps sowie in weiteren bedeutenden Rennen und erzielte ein GAG von 105 kg. Später wurde er zu einem der erfolgreichsten Vererber der deutschen Vollblutzucht in der Nachkriegszeit. Seine Söhne Wilderer, Zank und Waidwerk siegten im Deutschen Derby 1958, 1964 und 1965, seine Tochter Sterna ist Mutter des einzigen Siegers im Prix de l’Arc de Triomphe aus deutscher Zucht, Star Appeal von Appiani. Der von Tesio gezogene Hogarth siegte im Italienischen Derby und startete auch in England erfolgreich in Top-Rennen. Neckar war erfolgreichster Vollblutvererber Deutschlands 1959 und 1960 sowie 1962 bis 1965. Vor allem seine Söhne Waidmannsdank, Vollkorn und Vierzehnender nahmen Einfluß auf verschiedene deutsche Warmblutzuchten, aber auch Osterglanz, Spielhahn, Windspiel oder Kronzeuge hinterließen Spuren und setzten teils sportliche Akzente.

Ähnlich bedeutend war auch Neckars Vater, der berühmte Ticino, der bei 21 Starts vierzehnmal als Sieger und viermal als Platzierter von der Bahn ging und ein Spitzen-GAG von 112 kg hatte. 1942 war er Sieger im Österreichischen und im Deutschen Derby, das damals „Großer Deutschlandpreis der Dreijährigen“ hieß. Ticino erwies sich als ein Vererber von seltener Klasse, so dass er bis heute als einer der größten Vererber in der deutschen Vollblutzucht angesehen werden muß. Von 1950 bis 1958 war er der erfolgreichste Vollblutvererber in Deutschland, um danach von seinem Sohn Neckar abgelöst zu werden. Auch Orsini von Ticino holte mehrmals diesen Titel. Sowohl Orsini als auch Ticino stellten je viermal den Sieger im Deutschen Galoppderby.

Mit Ornata kam die Stutenfamilie ins renommierte Gestüt Fährhof; dort wurde sie Mutter von vier Siegern, darunter der Frontal-Sohn Ocos, der dreijährig achtmal an den Start ging. Vier Rennen konnte der Dunkelbraune gewinnen, darunter das Orakel der Dreijährigen /in Mülheim, den Grosser Hertie-Preis International in München und das Bremer Consul Bayeff-Rennen. Außerdem konnte er sich in drei Rennen platzieren, unter anderem als Dritter im Deutschen Derby. Bei seinem neunten und letzten Start im Alter von vier Jahren war Ocos nicht im Geld. Er wurde einige Jahre in der Vollblutzucht eingesetzt, außerdem fand er Verwendung in mehreren Warmblutzuchten, auch in der Trakehner Zucht. Erfolgreichster Nachkomme im Sport ist der Rheinländer Oje Oje mit Erfolgen in Vielseitigkeitsprüfungen bis CIC*. 35 Nachkommen wurden der FN als Turnierpferde gemeldet, 13 Töchter als Zuchtstuten eingetragen und ein Angloaraber-Sohn beim ZSAA gekört.

Anfang der 1980er Jahre wechselte Ornata in den Besitz des Gestüts Etzean, wo sie weiterhin als Mutterstute eingesetzt wurde. Olivia von Experte war eine weitere Ocana-Tochter, die auf der Bahn geprüft wurde. Bei elf Starts im Alter von zwei und drei Jahren war sie achtmal im Geld, allerdings keinmal siegreich. Ihr GAG lag bei 68 kg. Only the Best von Ordos startete als Dreijährige in acht Rennen, von denen sie eins gewann und viermal platziert wurde. Damit kam sie auf ein GAG von 60,5 kg.

Ocamontes Mutter Ocana stammte aus Ornatas Fährhofer Zeit und war eine Tochter des Le Haar, der in Frankreich gezogen war. Aus zehn Starts ging er dreimal als Sieger, zweimal als Zweiter und einmal als Dritter hervor. Er siegte im Prix Jean Prat, war 2. im Prix Morny und im Prix de la Salamandre (beides Gruppe 1) sowie Dritter im Prix du Jockey Club (ebenfalls Gruppe 1). In Frankreich war er Champion-Deckhengst 1963. Sein Vater Vieux Manoir war ein Sohn des eingangs erwähnten Brantome. Drei von fünf Starts absolvierte er als Sieger, darunter der Grand Prix de Paris (Gruppe 1), außerdem war er Zweiter im Doncaster St. Leger (Gruppe 1). Der französische Champion-Vererber des Jahres 1958 wurde 34 Jahre alt. Unter seinen Nachkommen waren herausragende Rennpferde: Seine Töchter brachten zahlreiche Gruppe 1-Sieger, seine bedeutenden Söhnen Val de Loir, Mourne und Le Haar waren selbst Sieger und hochplatziert in Gruppe 1 und brachten bedeutende Rennpferde. Le Haars Sohn Niksar siegte im English Two Thousands Guineas Stakes, der Le Haar-Sohn Frontal ist Vater des Derbysiegers Ordos. Auch im Vielseitigkeitssport findet man Le Haar in den Pedigrees von Top-Pferden: Der zweifache Einzeleuropameister und Vize-Mannschaftseuropameister, Mannschaftsolympiasieger, Weltcupsieger und zweifache Weltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde, der von Nicolas Touzaint gerittene Selle Francais Galan de Sauvagère, führt Le Haar beispielsweise in 4. Ahnenreihe. Auch der über das Gestüt Vogelsangshof in der Trakehnerzucht eingesetzte Maquisard war ein Urenkel des Le Haar und lieferte veranlagte Vielseitigkeitspferde. Le Haars Sohn Frontal, der auch für die Trakehnerzucht anerkannt wurde, ist Muttervater von Elmar Leschs in CIC2* hochplatzierten Suchard-Sohn Finch Hatton TSF und des gekörten und in schweren Springen erfolgreichen Oldenburgers Concetto von Contender. Der unter dem Niederlländer Marc Houtzager im internationalen Springsport erfolgreiche Opium VS von Polydor führt Frontal xx in 4. Ahnenreihe, der Dressur-Weltcup-Finalist Winsome war ein Sohn des Windesi xx von Frontal. Über die Bedeutung Frontals in der Trakehnerzucht berichtete für diese Hengstdatenbank bereits Karin Schweiger in ihrem Portrait des Hengstes Spirding, der vom Frontal-Enkel Katamaran xx stammt.

Ocana absolvierte eine überaus erfolgreiche Rennlaufbahn: Sie siegte im Alexander Rennen in Frankfurt und im Düsseldorfer Schwarzgold-Rennen, war Zweite im Stutenpreis in Düsseldorf und Dritte im Deutschen Stutenpreis in Hannover. Ihr GAG lag bei 89,0 kg. Später wurde Ocana Mutterstute, zunächst im Gestüt Fährhof. Insgesamt gebar sie in dreizehn Zuchtjahren elf Fohlen, fünf davon vom großen Fährhofer Vererber Surumu – darunter Ocamonte – und eins von seinem Sohn Acatenango. Neun ihrer Fohlen waren später siegreich auf der Rennbahn, darunter Olimpo von Caracol, der harte Ocoyo von Alias Smith, der 32 Starts im Alter von zwei bis sechs Jahren absolvierte, Obrera von Abary, Ocamonte und seine Vollgeschwister Ortego, Obando und Obrero. Obando und Obrero erzielten jeweils acht Siege und ein GAG von 93 bzw. 94 kg.

Ocanas älteste Tochter, Ocotal von Vitiges, war zugleich die erfolgreichste und die bedeutendste ihrer drei Töchter. Neun Starts sahen sie viermal als Siegerin und viermal als Platzierte. Sie siegte unter anderen im Krefelder Rudolf Oetker-Rennen, im Orakel der Dreijährigen in Mülheim und im Badener Festa-Rennen, war Zweite im Schwarzgold-Rennen in Düsseldorf, Dritte im Preis von Köln und Vierte in der Silbernen Peitsche. 85,0 kg werden für diese Stute als GAG angegeben. Auch in der Zucht bewährte sie sich außerordentlich: Ocano von Acatenango zeichnete sich als hartes Rennpferd mit sieben Siegen und dreizehn Plätzen bei 53 Starts in sechs Jahren aus, die Platini-Tochter Orianga kam mit 79,5 kg GAG von der Bahn, Ocanos Vollschwester Olaya und die Silvano-Tochter Ogmore Vale, die als Zweijährige zum Spitzenpreis von 100.000 Euro in Baden-Baden versteigert wurde, gar mit 83,0 kg. Olaya bewährte sich ebenfalls in der Zucht; unter ihren Nachkommen sind der bis Gruppe 3 siegreiche Lagunas-Sohn Ocasa und der Gruppe 2-platzierte Olaso von Law Society.

Der erfolgreichste Nachkomme von Ocotal ist der Surumu-Sohn Osorio, also ein väterlicher Halbbruder zu Ocamonte aus einer Tochter von Ocamontes Mutter. Er war zwei- und dreijährig siebenmal am Start, dabei siegte er in drei Rennen und war zweimal im Geld. Sein Karrierehöhepunkt war der Sieg im Italienischen Derby 2003, seine Gesamtgewinnsumme liegt bei 664.400 Euro. Wenige Wochen später verletzte sich der Hengst im Training. Nach fast zwei Jahren Pause misslang der Comeback-Versuch bei zwei Starts in England und Osorio wechselte in die Zucht. Sein Besitzer, Newsells Park Stud in Großbritannien (Fam. Jacobs) verpachtete den mit einem GAG von 97,5 kg ausgezeichneten Vererber 2006 an das Gestüt Rietberg, 2007 deckte er in Frankreich. Im Jahr 2008 in er im Newsells Park Stud aufgestellt. Kritiker unterstellen Surumus letztem Nachkommen, wie seinerzeit dem Vater selbst, mangelnde Härte – ob auch er die Skeptiker vom Gegenteil überzeugen kann, wird die Zeit zeigen.

Ocanas Acatenango-Tochter Ospina siegte im Hoppegartener Stutenpreis und war Dritte im Dallmayr Prodomo Trophy. Ihr Lomitas-Sohn Onkel Tom war platziert in Listen-Rennen.

Ocamonte xx wurde hauptsächlich in der Zweibrücker Landeszucht eingesetzt. Sein einziger bisher gekörter Sohn ist der Angloaraber Windhofs Zenith AA aus der Angloaraberstute Zaynap von Eros AA-Cardinal xx. Der 1992 geborene Schimmelhengst ist gekört für die Angloaraber- und Partbred-Zucht des ZSAA und ist anerkannt beim ZfdP. Im September 2003 absolvierte der ZSAA-Prämienhengst die Turniersport-Hengstleistungsprüfung des ZSAA in Kreuth. Mit der Gesamtdurchschnittsnote von 7,28 Punkten ging er als klarer Sieger aus dieser dreitägigen Feldprüfung hervor, wobei er für Temperament, Leistungsbereitschaft und Konstitution jeweils eine 8,0 und für die Springanlage im Freispringen gar eine 8,5 erhielt.

23 Ocamonte-Töchter wurden bei deutschen Zuchtverbänden als Mutterstuten eingetragen, darunter zwei Staatsprämienstute. Beste vierjährige Stute der zentralen Eintragung des Trakehner Zuchtbezirks Rheinland-Pfalz-Saar/Luxemburg wurde im Jahr 2002 die Prämien- und Staatsprämienstute Marinesse von Ocamonte xx aus der Madame IV von Atlas II-Admiral, die anläßlich der Landesschau des Zuchtbezirks im darauffolgenden Jahr den Id-Preis in der Klasse der drei- bis fünfjährigen Halbblutstuten belegte. Auch Töchter aus der Zweibrücker Zucht machten durch hohe Qualität auf ihren Vater aufmerksam, obwohl die ihm zugeführten Stuten in der Qualität stark variierten und häufig nicht zu den Besten ihrer Population gehörten.
So wurde Ocarella, die aus einer Zweibrücker Stute vom Cardinal xx-Sohn Cavalier gezogen war, mit der Verbandsprämie ausgezeichnet und wurde auf Verbandsschauen mehrfach ausgezeichnet, außerdem war sie hochplatziert bei der Bundesstutenschau 2003. Ihr Don Primero-Sohn Don du Roi war 2007 als Fünfjähriger mehrfach hochplatziert und einmal Sieger in Dressurpferdeprüfungen der Klasse L. Dreijährig ging Don du Roi bei den süddeutschen Championaten erstmals auf ein Turnier – mit hohen Bewegungsnoten und Rittigkeitsnoten bis 9,5 holte sich der großrahmige Fuchs den Titel des Vizechampions der dreijährigen Hengste!
Auch die aus einer Weinberg-Tochter stammende Odine wurde auf Verbandsschauen prämiiert und stellte mit Lordana von Lordino eine Verbandsprämienstute. Mit Otega aus einer Stute von Graz wurde eine weitere Ocamonte xx-Tochter mit der Zweibrücker Verbandsprämie ausgestattet.
Ocamontes beim ZfdP registrierte Töchter können ebenfalls Schauerfolge vorweisen: Bei der Landesstutenschau des ZfdP in Heidelberg im September 2006 kamen Ocamontes aus Reitponystuten gezogene Töchter Ohla und Osira auf die Plätze Id und Ie.

Im Sport machten einige der 65 bis 2007 bei der FN als Turnierpferde registrierten von Ocamonte von sich reden – mehrere Nachkommen qualifizierten sich für die Geländepferde-Bundeschampionate, andere sind in Springprüfungen bis zur Klasse M und im Dressursport bis zur schweren Klasse erfolgreich. Das FN-Jahrbuch Zucht und Sport 2007 verzeichnet 11.953 € als Lebensgewinnsumme von Ocamontes Nachkommen. Die FN-Zuchtwertschätzung 2007 weist für Ocamonte xx einen Springzuchtwert von 65 mit einer Sicherheit von 72 % sowie einen Dressurzuchtwert von 96 mit einer Sicherheit von 80 %.

Der aus einer Wörth-Tochter stammende Zweibrücker O’Neill war fünfjährig hocherfolgreich in Aufbauprüfungen, qualifizierte sich für das Bundeschampionat der Geländepferde und wurde dort im kleinen Finale Fünfter. Außerdem siegte er in Springpferdeprüfungen der Klasse L und platzierte sich in L-Vielseitigkeiten und M-Springen. Unter Andreas Hemmer und Andreas Dibowski war er in Vielseitgkeitsprüfungen CIC* platziert. Inzwischen wird er wieder von seiner Besitzerin in kleinen Prüfungen geritten. 2.157 € betrug seine Lebensgewinnsumme 2007.

Die aus einer Mars-Tochter stammende Zweibrücker Stute Ophra qualifizierte sich 2003 und 2004 für die Geländepferde-Bundeschampionate und siegte in Geländepferdeprüfungen der Klassen A und L. Inzwischen ist sie im Dressurviereck L-platziert.

Obi Wan F, ebenfalls Zweibrücker, aus einer Tochter des Adishan stammend, war das erfolgreichste Vielseitigkeitspferd aus Rheinland-Pfalz-Saar 2006 nach Jahresgewinnsumme. Der in Vielseitigkeitsprüfungen der Klasse L hochplatzierte Fuchs konnte bis Ende 2007 eine Lebensgewinnsumme von 2.184 € verbuchen.

Im Stall von Rüdiger Nixdorf steht der braune Zweibrücker Obsession aus einer Tochter des Gardeulan II. Der kapitale Hengst verbucht unter seinem Besitzer und Nina Borger Platzierungen in Dressurprüfungen bis zum St.-Georgs-Preis. 695 € hatte er bis Ende 2007 auf dem Viereck verdient.

Auch Ocarello, ebenfalls Zweibrücker und wie O’Neill aus einer Tochter des Wörth stammend, kann Dressurplatzierungen bis zur Klasse M/A vorweisen. 1.474 € trug er bisher auf dem großen Viereck zusammen.

Der Zweibrücker Orlando, Sohn einer Garant-Tochter, ist in Springprüfungen der Klasse M/B platziert.

Anfang Februar 2008 wechselte Ocamonte xx in den Besitz von Kurt-Jürgen Carl, der den inzwischen neunzehnjährigen Hengst für sein Gestüt Gut Ludwigsburg bei Eckernförde in Schleswig-Holstein erwarb. Dort wurde er Boxennachbar des ebenfalls für die Trakehner Zucht anerkannten Shagya-Arabers Bazar ShA vom Leistungsvererber Bajar. Von diesen beiden Hengsten ist die Ludwigsburger Stutengrundlage stark geprägt. Vollblut hat zu Bajars Nachkommen immer hervorragend gepasst, so dass man auf die noch folgenden Fohlenjahrgänge gespannt sein kann!





Text und ©: Friederike Winkler 2008
Fotos: Trakehner Hengstbuch, Trakehner Hefte, Online-HVP