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Sir Chamberlain (1990 - 2009)


Braun, gr.St., Nasstr.m.Schn., l.Hfsl.gefl.w.
geb. 16.02.1990

Maße in cm:
 StockmaßBrustumfangRöhre
2½ jährig16620021
volljährig16921.6

Züchter:
Hildegard Vollmer, Weeze
Aufzüchter:
Georg Hoogen, Gestüt Vogelsangshof, Kevelaer-Kervenheim

Gekört 24.10.1992 Neumünster

www.gestuet-ganschow.de

Pedigree

Sir Shostakovich xx, Sb. 1979 Rheingold xx, B. 1969 Faberge II xx, B, 1961 Princely Gift xx
Spring Offensive xx
Athene xx, Db. 1960 Supreme Court xx
Necelia xx
Sinful xx, B. 1961 Grey Sovereign xx, Sch. 1948 Nasrullah xx
Kong xx
Satans Slide xx, B. 1955 Precipitation xx
Hells Fury xx
Syone, F. 1975 Padparadscha, Sch. 1967 Hartung, F. 1962 Ilmengrund
Harfe
Polka Mazurka, Sch. 1961 Maharadscha
Preußenfahne
Synode, Db. 1963 Welsh Minstrel xx, B. 1946 Owen Tudor xx
Sansonnet xx
Sylva, F. 1943 Martini
Sonja

Hengstlinie des Sir Shostakovich xx (Nasrullah), Stutenfamilie der O216A Sylva (Haasler-Alpen)

Eigentümer

seit 1991: Georg Hoogen, Kervenheim

Stationierung

1993-2006: Gestüt Vogelsangshof - Kervenheim Rhld.
seit 2007: LH Gestüt Ganschow - Güstrow NBL

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung Warendorf 1992

Charakter: 9,5 Schritt: 7,0 (T: 7,0)
Temperament: 9,0 Trab: 8,33 (T: 8,0)
Leistungsbereitschaft: 9,0 Galopp: 8,0 (T: 9,0)
Leistungsfähigkeit: 9,5 Springanlage: 9,0 / FS 8,0 / P-Fr 9,75 / P-Ri 7,5
Rittigkeit: 7,33 / FR 9,5 / T 8,5 Geländeprüfung: G 8,17 / Spr 7,83
Rittigkeitsindex: 130,64 (1.) Springindex: 132,74 (1.)
Gesamtindex: 132,25 (1./18) Leistungsklasse: I

Turniersporterfolge:
E-LGS 66,-€

Nachzucht

Exterieur:
Anzahl TöchterTypOberkörperFundamentSchrittTrabGaloppGesamt-
eindruck
Gesamt-
zuchtwert
Widerrist-
abweichung
691089896 5890116104 940.1


Gekörte Söhne (5): Houston, Ictenos, Bordos (ZfDP), Kalibr (RUS), Hakan (USA)

Töchter (98): It's my Life WH, Fadme, Shara, Ibi, Karrie-Ann, Irina WH, Caprice, Salina, Heublume, Lalic, Pallas, Gypsy, Eilaine, Mantilla, Palatina, Klanggold vom Krotenbach, Laguna del Mar, Schablis, Beverly Hill, Hampshire, Thomken, Papoose, Passionata D.H.M., Halifax, Herbstnacht, Lady Jane, Pennsylvania, Ivanka WH, Kokette, Karma, Minzblüte, Indira WH, Kassandra d'Arcy, Happy Sunday WH, Bumble Bee, Verona VII, Amadea, Puja, Handy III, Unicum, Happy Motion WH, Louisville, PS/SPS Sira, Lara Croft, Walena, Tamia, Unicum II, I'm what I'm WH, Ginny II, SPS Gesche, Belle de Neige R, Shania, Mahedia II, Waleska, Iljana WH, Piana Luna, Iselle WH, u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde:196
davon mit Platzierungen:29 (in 2007)
davon in Klasse M. und S.:1 (in 2007)


Anlässlich der Körung 1992 schrieb Berichterstatter Dr. Heiko Meinardus vom Oldenburger Verband den Trakehnerzüchtern ins Stammbuch: „Der 92er-Körjahrgang ließ deutlich werden, dass geeignete Vollbluthengste in dieser Hinsicht (Verbesserung der Sportlichkeit, Anm.d.Verf.) außerordentlich positiv wirken können. Gute Vollblut-Söhne mit markanter Linienführung, ergiebigen Bewegungen und zum Teil auffallend vermögendem Springen waren mit vier von elf gekörten Hengsten ungewöhnlich stark vertreten. Eine glückliche Fügung und ein wertvolles Kapital, denn hochklassige Vollblutnachkommen sind in allen Sportpferdezuchten immer wieder gesucht – und immer wieder knapp.“

Zu diesen vier gekörten Halbblütern, die Eberhard Senckenberg der Trakehnerzucht bei seiner letzten Körung vermachte, gehörte auch ein Sohn des anerkannten Leistungsvererbers Sir Shostakovich xx, der sich mit brillantem Springen in Szene setzte. Sir Shostakovichs Entdecker Gottfried Hoogen hatte sich diesen Braunen bereits zur Aufzucht gesichert – und dem rheinischen Vogelsangshof gehört der Beschäler bis heute.

Eberhard Senckenberg beschrieb ihn für seinen Körbericht wie folgt: „Ein Hengst, der in sich eine interessante Kombination von Springgenen trägt und sich entsprechend in diesem Metier präsentieren kann. Freundliches Gesicht, solider Körper und gutes Fundament. Schwungvolle Bewegungen bei sich noch wenig setzender Hinterhand.“

Sir Chamberlain bezog Station in seiner Aufzuchtstätte, dem renommierten Gestüt Vogelsangshof der Familie Hoogen im rheinischen Kervenheim – und er begann seine Karriere mit einem weiteren Paukenschlag: Die Hengstprüfungsanstalt Warendorf sah mit diesem Halbblüter den strahlenden Sieger des Prüfjahrgangs 1993. Sir Chamberlain punktete mit hohen Bewertungen für Charakter, Temperament und Leistungsbereitschaft, mit guter Dressurveranlagung, überzeugendem Springen und Traumnoten von den Fremdreitern – Gesamtsieger und Sieger in beiden Teilbereichen, alles mit Indices über 130, so lautete das Abschlussurteil.

Den ersten Fohlenjahrgang des Nachwuchs-Vererbers charakterisierte die Zuchtleitung wie folgt: „Der Hengst vererbt großrahmige Fohlen mit stolzem Auftreten und sportlicher Prägung. Im Gebäude fehlt manchmal noch die Harmonie der Proportionen. Antrittsstark und vom Fleck weg mit bergauf getragener Mechanik, dabei beachtenswert die sehr gute Galoppade mit enormer Übersetzung, die die Sportlichkeit nochmals unterstreicht.“

Der Stern des Sir Chamberlain strahlte hell am Himmel der Trakehner Vererber, die Deckliste war gut gefüllt und es waren qualitätvolle Stuten unter seinen Partnerinnen. Als dann schon aus seinem ersten Fohlenjahrgang zwei Söhne für die Trakehner und einer für den ZfDP gekört wurden, ließ die Aufnahme in den Kader der Eliteanwärter nicht mehr lange auf sich warten. 1998 dann fochten die Sir-Chamberlain-Söhne Ictenos und Evano die Spitzenplätze im Trakehner Reitpferdechampionat in Köln unter sich aus.

Doch der Mut zum Blut, den Eberhard Senckenberg mit der Körung 1992 gesät hatte, schlug allmählich in Furcht vor dem Blut um. Verstärkung hieß die Devise, der Trend ging hin zu schön, schwarz – und Dressurpferd. Ein Halbblüter mit betonter Springveranlagung, noch dazu braun mit Abzeichen, passte da nicht recht in den Modetrend. Zumal die „angesagten“ Blutlinien auch eher Mangelware in Sir Chamberlains Pedigree sind.

Die Stuten auf der Deckliste für Sir Chamberlain wurden weniger, nicht aber die Erfolge seiner Nachkommen. Die Zuchtwertschätzung 2000 wies ihm in der Gruppe der jüngeren Trakehnerhengste die einsame Spitzenposition zu, im bundesweiten Vergleich lag dieser Trakehner in der Sparte Springen auf Platz 9! Es ist also eine durchaus weitsichtige Entscheidung von Georg Hoogen, diesen Beschäler ausgerechnet auf eine Station in den Neuen Bundesländern abzugeben, wo Springblut noch alles andere als Mangelware ist und die Züchter nun die Gelegenheit erhalten, das Springvermögen ihrer Stuten zu erhalten, ohne auf Gangvermögen und Rittigkeit verzichten zu müssen …

Das so blutgeprägte Outfit des Sir Chamberlain kommt nicht von ungefähr, stammt er doch aus einem Mutterstamm, in dem gern und viel mit Vollblut gearbeitet wurde. In vorderen Ahnenreihen bringt Welsh Minstrel xx als Großvater der Mutter weiteres englisches Vollblut ein, über Maharadscha fließt der gerade in der Leistungszucht so willkommene Tropfen arabischen Blutes ein.

Inzuchten bzw. Linienzuchten finden wir recht massiv auf Nasrullah und seinen Vater Nearco, wahre Größen in der internationalen Vollblutgeschichte, sowie auf Precipitation. Der ist Vater des in Frankreich wirkenden Furioso xx, dessen Söhne Furioso II und Futuro zu den Reformatoren der Oldenburger Sportpferdezucht zählen. Precipitations Bruder Coronach und Precipitations Mutter Double Life prägten das Pedigree des bei Baron de Rothschild in Großbritannien gezogenen Pluchino xx, dem Westfalen die Springvererberlegenden Pilot und Polydor verdankt. Ilmengrund bringt zudem noch einen Vater-Tochter-Inzest auf Humboldt ins Pedigree.


DER VATER

Der in Irland gezogene braune Sir Shostakovich xx hat der Zucht vor allem bei den Trakehnern und in Holstein eine Reihe bester Leistungspferde hinterlassen; zehn seiner Söhne werden in den Hengstbüchern I geführt, darunter die Trakehner Best Before Midnight, Chateauneuf, Couleur-Fürst, Donaumonarch, Mataro und Sir Chamberlain. Die „Sir“-Kinder sind fast ausnahmslos Talente am Sprung und machen in der Regel auch eine gute Figur im Gelände, wovon der Olympionike Böttchers Longchamp (Marina Köhncke) und der US-amerikanische 4-Sterne-Crack Lester Piggott beredtes Zeugnis ablegen.

Auf Sir Shostakovich xx und seine Bedeutung für die Zucht ist Friederike Winkler bereits beim Portrait seines Sohnes Couleur-Fürst detailliert eingegangen.

Der Vollblüter lief 2- und 3-jährig in Irland, wo er bei 15 Starts zwei Siege und drei Plätze errang (GAG 79,5 kg). In Deutschland lief er 4- und 5-jährig in fünf weiteren Flachrennen und erreichte ein GAG von 81,0 kg. Daneben bestritt er 5-jährig noch sechs Hindernisrennen mit einem Sieg und drei Plätzen.

Sir Shostakovichs Beschreibung in Vollblutkreisen: „Der Hengst ist bergauf konstruiert und bestens proportioniert. Er verfügt über bedeutende Partien, eine vorbildlich gewinkelte Hinterhand und einen gut proportionierten Huf. Er ist ein Athlet mit großem Auge und energischer Ausstrahlung. Seine Kinder sind gekennzeichnet durch den etwas härteren Gesichtsausdruck des Vaters, Großlinigkeit, eher leichte, nicht immer korrekt gestellte Beine und eine auffallende Begabung für das Springen.“ Das Gestüt Vorwerk beschreibt den Vollblüter wie folgt: „Er besticht durch sein großartiges Modell mit hervorragender Sattellage und Tiefe, sehr guter Schulter und einer fast perfekten Oberlinie. Er vererbt reinerbig dunkel.“

Sirs Vater Rheingold bestritt in seiner Karriere 14 Rennen, von denen er neun gewann, darunter die Gruppe-I-Rennen Prix de l’Arc de Triomphe, das bedeutendste Flachrennen Kontinental-Europas, und Prix Ganay. Wie sein Vorfahre Nasrullah xx, der allerdings zu einem der ganz Großen im Gestüt wurde, galt Rheingold als ausgesprochen schwierig.


DIE MUTTER

Die Haasler’sche Familienbegründerin Sylva, eine Tochter des Markeur-Enkels Martini mit Inzucht in 2./3. Generation auf Pirol, war 1953 anlässlich der DLG-Ausstellung in Köln mit dem Ia-Preis ausgezeichnet worden, lieferte der Zucht in 17 Zuchtjahren 14 Fohlen, darunter vier Töchter, von denen Siegburg v. Fol Ami xx, Sissi v. Wirbelwind xx und Synode v. Welsh Minstrel xx Zweige dieser Familie begründen konnten.

Siegburg, die selbst Erfolge in Material- und Eignungsprüfungen bis Klasse L hatte, brachte im Gestüt Hohenschmark die gekörten Hengste Siegel v. Handelsherr und Siegbert v. Garamond, der Dressurerfolge bis Klasse M hatte, sowie das M-Springpferd Sherry VI v. Handelsherr, das M-Dressurpferd Sigismund v. Gunnar und die Mutterstuten Siebenbürgen v. Handelsherr und Signora IV v. Frohsinn, die nach Luxemburg ging.

Sissi wurde in 19 Zuchtjahren Mutter von 16 Fohlen, darunter das S-Dressurpferd Sioux IV v. Absalon, die beiden L-Springpferde Siciliano und Sister v. Altrek xx, der in den USA gekörte Sigurd v. Pergamos und die Mutterstuten Sylveline v. Famulus, Sirikita v. Absalon (Belgien) und Silke v. Incitatus. Sylveline ist Mutter des S-Dressurpferdes Schirokko v. Maharadscha, des M-Dressurpferdes Stechlin v. Flaneur und der später in die USA abgegebenen Mutterstute Sally v. Pregel, deren gekörter Sohn Scharnhorst v. Kassio als S-Dressurpferd in die USA ging und deren Tochter Serafina v. Damaskus die Mutter des im Reitinstitut von Neindorff so herrlich piaffierenden Schimmels Serafino v. EH Tenor wurde. Die staatsprämierte Silke ist die Mutter des Beschälers Saint Cloud.

Die als Zwilling geborene Synode stammt aus einer Doppelbedeckung v. (Altrek xx oder) Welsh Minstrel xx, war nur 1,52 m Stockmaß groß und wurde nur 13 Jahre alt. Zu den sieben Fohlen der Stutbuchstute in sieben Zuchtjahren gehören das M-Springpferd Synus v. Hartung und die Mutterstuten Syoni II v. Frohsinn, Syggi v. Hartung und Syone v. Padparadscha. Syoni II brachte vor ihrem Wechsel in die hessische Warmblutzucht vier Trakehnerfohlen, darunter das M-Spring- und L-Vielseitigkeitspferd Satchmo v. Schöngeist. Syggi, staatsprämiert und auf zwei rheinischen Landesschauen ausgezeichnet, wurde Mutter von elf Fohlen, darunter die staatsprämierte und auf Ausstellungen gezeigte Synfonie II v. Insterfeuer, der nach Brasilien verkaufte Elitehengst Sokrates, den Erhard Schulte bei seinem Sohn Abisko portraitiert hat, die leistungsgeprüfte Sarabande VI v. Patron für den Klosterhof Medingen und die im ländlichen Sport erfolgreichen Pferde Sophokles v. Patron, Sissi X v. Prince Condé und Stilist v. Sir Shostakovich xx.

Syone in der Fuchsfarbe ihrer mütterlichen Linie wurde am 9. Februar 1975 geboren und stammte vom edlen Schimmelhengst Padparadscha. Der in seiner Leistungsprüfung als „gutes Reit-, Jagd- und Springpferd“ bezeichnete Hengst hatte nicht lange Zeit, um seine züchterischen Qualitäten unter Beweis zu stellen, denn er wurde achtjährig in die USA abgegeben und ging dort gleich ein. Padparadscha entstammt der kleinen Stutenfamilie der Posse (heute Preußenfahne), die ihren Ausgang bei Freiherr von der Leyen in Hasselpusch nahm. Bekanntester Vertreter dieser Stutenfamilie war der Lustig-Sohn Perkunos, der unter Hannelore Weygand in Stockholm 1956 olympisches Silber in der Dressur holte. Perkunos’ Großmutter Polka brachte in Anpaarung an den herrlichen Cancara die Stute Polonaise, die mit Lindequist, der selbst arabisches und Beberbecker Blut führte, die Stute Preußenfahne brachte. Preußenfahne ist Padparadschas mütterliche Großmutter. Padparadscha führt also auf der Mutterseite gehäuft arabische Blutelemente und teilt immerhin mit dem besten Trakehner Springpferd der jüngeren Geschichte, Abdullah, den Muttervater Maharadscha.

Padparadschas Vater Hartung galt lange Jahre als DER Springpferdevererber schlechthin in der Trakehnerzucht – und wer an diesen Vertreter der Halensee-Familie denkt, dem fällt sofort Willi Bettingers berühmte Windy ein, die Ende der 80er Jahre erfolgreichstes Hallenspringpferd Deutschlands war. Bereits elfjährig nach Schweden abgegeben, hatte der mächtige, ausdrucksvolle Fuchs mit dem korrekten, starken Fundament großen Einfluss; neben seinen Söhnen Pyrop, Markasit und vor allem Padparadascha und Symbol waren es vor allem 81 Töchter in der Trakehnerzucht und viele weitere in der rheinischen Warmblutzucht, die den Ruf dieses Springpferdemachers untermauerten.

Hartung war der beste Sohn des Ilmengrund, der die Züchter mit seiner Inzestzucht (er stammte v. Humboldt a.d. Italia v. Humboldt) ebenso wie mit seiner erstklassigen Vererbung von gutem Charakter, auffallendem Springtalent und guten Bewegungen faszinierte. Die züchterisch reizvolle Aufgabe, einen solchen Beschäler zu erproben, übernahm das Gestüt Birkhausen 1971. Die acht dort gefallenen Fohlen waren von auffallender Gleichmäßigkeit in Typ, Gang und Gebäude. Alle zeichneten sich durch besonders breit geschiente Sprunggelenke aus, durch die auch Humboldt selbst und die meister seiner Produkte gekennzeichnet sind.

Syone war mit den Maßen 163/190/19.7 und der Bewertung 9,7,8/8,8 eingetragen, erhielt die Staatsprämie, hat eine Stutenleistungsprüfung abgelegt und vertrat ihre Zuchtstätte auf Ausstellungen und einer Landesschau. Die Stute war zuverlässig fruchtbar und brachte Nachzucht von den Hengsten Patron, Mackensen, Waldzauber und Solo xx. Ihr einziger lebender Sir Shostakovich xx-Nachkomme war auch ihr bestes Fohlen – Sir Chamberlain. Die Nachfolge ihrer Mutter in der großen Stutenherde der Trakehnerzucht haben die Töchter Sylvie, Sympathie und Syfra v. Patron sowie Syntja und Sylja II v. Mackensen angetreten.


NACHZUCHT – Hengste

Schon aus seinem ersten Fohlenjahrgang konnte Sir Chamberlain drei gekörte Söhne stellen. Houston a.d. High Fidelity v. Saros xx wurde in Neumünster mit dem Prämientitel bedacht. Er ging sportlich zu Olympiareiterin Marina Köhncke, die ihn auch bis zum Bundeschampionat brachte, und züchterisch auf die Hengststation Kretschmer in Westfalen.

Houston ist Vertreter einer der wertvollsten Stutenfamilien der deutschen Trakehnerzucht, der im Gestüt Panker gepflegten Familie der Herbstgold. Seine Mutter High Fidelity geht über die Mackensen-Tochter Havanna VIII, deren Erstlingsfohlen sie war, auf Herbstzeitlose zurück, die selbst eine Halbschwester des Dressurstars Hirtentraum (Uwe Sauer) war und deren Mutter Herbstsonne II die Voll- bzw. Halbschwester der Beschäler Herbststurm, Hertilas, Herzbube und Herzkönig war. Houstons Mutter High Fidelity und seine Großmutter Havanna VIII gehörten zur Siegerfamilie der Landesschau Rheinland 1996.

Houstons Muttervater Saros xx entstammt der einflussreichen Schlenderhaner Schwarzgold-Linie. Er ist über seine Mutter Sayonara xx Halbbruder der Hengste Slip Anchor xx, der u.a. das Englische Derby gewann, und Swazi xx, der der Trakehner Zucht viele Leistungspferde geliefert hat. Sein Vater Charlottown gewann u.a. das Englische Derby in Epsom und den Coronation Cup. Saros xx selbst hatte ein GAG von 98 kg. In der KWPN-Zuchtwertschätzung hatte er sowohl in der Dressur als auch im Springen überdurchschnittliche Zuchtwerte. So lieferte er z.B. die bekannten Sportpferde Olympic Balthazar (Springen) und Olympic Condor (Dressur). In Deutschland, wo Saross xx nur kurze Zeit deckte, wurde er „nur“ bekannt als Muttervater des jungen Beschälers Goldschmidt v. Biotop.

Inzwischen hat Houston züchterisch u.a. mit dem unter TSF-Flagge in der Vielseitigkeit sehr erfolgreichen Boo Bandit und der springerfolgreichen Fleur Rouge eine gute Visitenkarte abgegeben.

Ictenos aus der Zucht von Jutta Wassermann, deren Pferde meist den „Nachnamen“ WH tragen, war 1998 Trakehner Reitpferdechampion in Köln, wo er die Nase knapp vor seinem väterlichen Halbbruder Evano vorn behielt. Ictenos ging zu Anky van Grunsven in die Niederlande, die diesen braunen Hengst zur Vize-Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde ritt und trotz vierjähriger Sport-Zwangspause nach Verletzung später Erfolge bis zur Intermédiaire I erzielte. Ictenos ist ein Sohn der 1977 geborenen und 2005 zur Elitestute ernannten Ikone XI v. Marlon/Dobron/Ostrog aus Hoogen’scher Zucht. Die 1.72 m Stock große Schimmelstute mit den Eintragungsnoten 8,8,7/7,8 ging selbst im Sport und brachte in 14 Zuchtjahren 12 Fohlen, darunter Ictenos, die mittlerweile dreifach prämierte Ilonka XII v. Zauberklang, die verbandsprämiierte Ictenos-Schwester It’s my Life und das L-Dressupferd Ikonda WH v. Matador.

Der zunächst für den ZfdP gekörte, inzwischen auch für die Trakehner anerkannte Fuchshengst Bordos des Gestüts Westhoff in Neubeckum stammt aus der Zucht von Hagen Willems im rheinischen Emmerich und damit aus der erfolgreichen Stutenfamilie von Brissago und Bombastique. Seine Mutter Brindisi hat den Elitehengst Michelangelo zum Vater und Bombastiques Mutter Brittannia zur Mutter. Bordos ist selbst im Turniersport erfolgreich in Springen und Dressur bis Klasse M gegangen. Inzwischen hat der Hengst eine eingetragene Tochter in der Zucht.

In den USA wirkt der Sir-Chamberlain-Sohn Hakan, dessen Mutter Harinka v. EH Anduc nach Ablegung einer hervorragenden Stutenleistungsprüfung (8,5 für ihr Springen) aus Deutschland importiert wurde. Ihr erstes Fohlen Hateya v. Schampus erzielte bei der Eintragung der ATA herausragende Noten und wurde zur „Model“-Stute gekürt.

Im russischen Gestüt Kavkad wirkt der 1995 auf dem Vogelsangshof gezogene Fuchs Kalibr a.d. Kronjuwel II v. Zauberklang/Achat, der die umfangreiche Dynastie der Kassette-Enkelin Kassiopeia vertritt. Bisher konnte Kalibr noch keine gekörten Söhne und eingetragenen Töchter stellen.

Schalmei XIII v. Valerian, die mit der Rekord-Preisspitze von Neumünster 1997, Schneeflocke v. EH Michelangelo, für Furore sorgte und über ihre drei Töchter von Maquisard xx und Sir Chamberlain Ic-Preisträgerin der Familiensammlungen anlässlich der Rheinischen Landesschau 2004 wurde, ist nicht nur Mutter der ebendort Id-prämierten 2-jährigen Shara v. Sir Chamberlain, sondern auch Mutter des Schandor v. Sir Chamberlain, der 2000 das Körurteil verpasste und für 22.000 DM nach Schleswig-Holstein veräußert wurde. Alexa Bendfeldt qualifizierte den schicken Fuchs mit der schon bei der Körung überzeugenden Leistung am Sprung 2003 fürs Bundeschampionat Vielseitigkeit und hatte nach eigenen Worten „selten ein so rittiges und ,immer wollendes’ Pferd erlebt.“ Das Paar verpasste in beiden Umläufen knapp das Finale. Schandor musste 2004 wegen einer schon länger existierenden bösartigen Strahlbeinzyste eingeschläfert werden.

Irish Coffee a.d. Indira v. Mumpitz/Habicht hatte in Neumünster 2007 sicher noch nicht den Entwicklungsstand erreicht, der für eine erfolgreiche Körung unabdingbar ist – der Wallach könnte seinen Weg mit vorzüglichen Grundgangarten, Mut am Sprung und genügend Blutprägung aber im Sport machen.


NACHZUCHT – Stuten

98 Töchter des Sir Chamberlain sind in den verschiedenen Zuchtbüchern registriert, neun davon tragen die Staatsprämie, zwei werden im FN-Leistungsstutbuch A geführt.

Sir Chamberlains Tochter Louisville ist mütterlicherseits eine Halbschwester des 4-Sterne-Buschcracks Lester Piggott v. Sir Shostakovich xx, mit dem Holly Hepp in den USA erfolgreich war, noch dazu ist ihre Mutter einer Halbschwester von Marina Köhnckes Olympioniken Böttcher’s Longchamp v. Sir Shostakovich xx. Louisville stellte 2006 in Neumünster den Körkandidaten Lowlander, dem wohl so mancher das positive Urteil gewünscht hätte, zumal sein Vater Enim Pascha kurz zuvor eingegangen war.

Sir Chamberlains doppelt prämierte Tochter It’s my Life WH, eine Vollschwester des gekörten Inter-I-Dressurpferdes Ictenos, ist Mutter des Hengstfohlen-Champions der Fohlenschau 2007 im Gestüt Gorlo, eines dunkelbraunen Insterburg-Sohnes, der sich so für das Deutsche Fohlenchampionat in Lienen qualifizierte und unter dem Namen It’s Royalty über die Fohlenauktion anlässlich des Bundesturniers 2007 ins Gestüt Hämelschenburg ging.

Die doppelt prämierte Indira WH, eine Stute aus dem FN-Leistungsstutbuch A und aus nächster Verwandtschaft zu Ictenos und It’s my Life, stellte 2007 zur Fohlenauktion Hannover den Sohn Invest v. Le Rouge. Indiras rechte Schwester, PrSt. I’m what I’m, steht heute in der Zucht des Hofs Dänecke in Sachsen-Anhalt und führte sich im vergangenen Jahr mit einem Easy-Game-Stutfohlen in die Zucht ein.

Sir Chamberlains rheinisch gebrannte Tochter Scarlett VDH a.d. Felonie v. Frühlingstraum II/Inselkönig ist Mutter des Bundeschampions der dreijährigen Reitpferdehengste von 2004, FS Sandro Classic v. Sandro Hit. Der inzwischen für die Zuchten Oldenburgs, Westfalens und des Rheinlands zugelassene Beschäler triumphierte mit Spitzennoten beim Championat unter Jana Kun ebenso wie in seinem 30-Tage-Veranlagungstest.

Sir Chamberlains Tochter Chaline a.d. Curette v. Kondor wurde in der Zucht von Petra Paeßens, Uedem, Mutter des Chagall v. Finley M, der 2005 auf dem Bundesturnier in Köln Champion der 3-jährigen Stuten und Wallache wurde.

Im Gestüt Claratal in Namibia ist Sir Chamberlains Tochter Kenia a.d. Sheherazade v. Königstein zu Hause. Die Stute überzeugte 2006 mit Sportlichkeit, Bewegungsstärke und außerordentlichem Springtalent – und wurde mit der Endnote 7,94 Eintragungsbeste und einzige Prämienstute der Stuteneintragung in ganz Namibia, wo über 40 Stuten mit hannoverscher, Holsteiner, Trakehner und Vollblutabstammung konkurrierten. Im September desselben Jahres siegte Kenia auch bei den „Namibian Ridinghorse Championships“.

Sir Chamberlains Tochter It's Miss Chamberlain, eine Vollschwester der 2007er-Köraspiranten Irish Coffee a.d. Indira v. Mumpitz aus der Zucht und dem Besitz von Wilhelm Wülfing, Borken, schloss ihre Leistungsprüfung anlässlich der Landesschau in Westfalen 2007 mit der Note 8,01 als Zweitbeste ab.


NACHZUCHT – Sportpferde

Insgesamt 196 Kinder des Sir Chamberlain führt die FN in ihren Turnierpferdelisten, 29 davon hatten 2007 Erfolge auf Tunieren. Die Gewinnsumme von Sir Chamberlains Kindern im Turniersport beläuft sich mittlerweile auf mehr als 47.000 Euro.

Sir Chamberlains bislang erfolgreichster Nachkomme im Sport ist der 1995 geborene Trakehner Schimmelwallach Brissago aus der Zucht von Hagen Willems, Emmerich/Rhld., der bisher um die 5.000 Euro in Springen bis zur Klasse S unter Judith Emmers gewonnen hat. Brissago stammt aus der Brisbane, die selbst im Sport gegangen ist, v. Pamino u.d. Brittannia, die auch Mutter des S-Springpferdes Bombastique v. Maquisard xx wurde. In der weiteren Ahnenreihe folgen Hartung, der legendäre Ramzes und die Vollschwester des Hengstes Ikarus, Begonie II v. Julmond u.d. Bekasine.

Der 1994 geborene Fuchswallach Evano stammt a.d. Elbe III v. Condus/Auftakt und ist damit mütterlicher Halbbruder zum gekörten Enim Pascha v. Zauberklang, zum L-Dressurpferd El Escorial v. Kosmonaut ox und zum Rheinländer Laudon v. Lancer II, der ebenfalls L-Dressur-Erfolge hat. Renate Dahmen bildete Evano aus, stellte ihn sieben- und achtjährig hoch platziert in S-Dressuren vor und qualifizierte ihn 2003 als drittes Pferd in ihrer Karriere für das Finale des Nürnberger Burgpokals. Tochter Jana Kun saß ebenfalls erfolgreich im Sattel dieses Sir-Chamberlain-Sohnes.

Tabiano, ein 1996 geborener brauner Wallach a.d. Tarragona v. Testarossa/Tizian, ist unter seiner Besitzerin Mona Mohanty in Dressuren bis zum St.-Georgspreis erfolgreich. Tabiano stammt aus der Zucht von Günter Regenbrecht und vertritt die Familie der Traumbild (Mack-Althof Ragnit), aus der vor allem der Beschäler Traumdeuter und der HLP-Sieger Testarossa sehr bekannt wurden.

In S-Springen erfolgreich ist der rheinische Wallach San Salvador aus einer Dom Perignon/Fabelhaft-Mutter, der seine Erfolge unter Sascha Neuß erzielte. Die ebenfalls rheinisch gebrannte Serenade hat Erfolge in Springkonkurrenzen bis zur Klasse M/B im Scheckbuch stehen. Aus einer Vollblutstute von Authi xx/Tamerlane xx stammt Sir Henry, der den Zweibrücker Brand trägt und mit Julia Bickmann zu den viel Platzierten in allen drei Disziplinen zählt. 2002 war der von Martin Plewa gezogene, aus einer im Ausland geborenen Stute stammende Steeplechase Finalist im Bundeschampionat der Geländepferde.

Sir Chamberlains jetzt 4-jährige Tochter Spätlese a.d. Sweet Shunshine v. EH Arogno sorgte taufrisch als Siegerin des Trakehner Freispringcups in Gordemitz für Furore. Die Stute erhielt von den Richtern eine 9,0 für ihre Manier und eine 9,5 für Technik und Vermögen. Beobachter bescheinigten ihr höchste Gaben, rundes Springen mit Übersicht und grenzenlosem Vermögen. Sollte sie gesund und in den richtigen Reiterhänden bleiben, wird von dieser Stute, die in Gordemitz keinen einzigen Fehler machte, noch zu hören sein.


Text und ©: Karin Schweiger 2008
Fotos: Homepage des Gestüts Vogelsangshof, Alexandra Gräfin Dohna, Hengstbuch, Beate Langels, TH (dePaardenkrant)

Epilog: Im Juli 2009 musste Sir Chamberlain im Gestüt Ganschow eingeschläfert werden